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21.09.2012

15:14 Uhr

Kostensenkung

Daimler will eine Milliarde Euro sparen

Mit einem Sparpaket will Daimler die schwierige Lage am Automarkt abfedern. Auf die Belegschaft warten schmerzhafte Einschnitte. Daimler-Chef Zetsche wandte sich bereits mit einem Brief an seine Mitarbeiter.

Daimler-Chef Zetsche stimmt die Belegschaft auf den Sparkurs ein. dpa

Daimler-Chef Zetsche stimmt die Belegschaft auf den Sparkurs ein.

StuttgartDaimler will Konzerninsidern zufolge in seiner Pkw-Sparte auch ohne Stellenabbau mehr als eine Milliarde Euro einsparen. Personalmaßnahmen seien im vom Vorstand beschlossenen Maßnahmenpaket nicht enthalten und auch nicht vorgesehen, sagten am Freitag zwei mit der Situation vertraute Personen Reuters. Das "Fit for Leadership" titulierte Programm solle letztlich durch Produktivitätszuwächse, Kostensenkungen und höhere Umsätze "deutlich mehr" als eine Milliarde Euro einspielen. Daimler hatte am Donnerstag seine Gewinnprognose für die Pkw-Sparte für 2012 einkassiert und mit dem absehbaren Gewinnrückgang auf unter 5,2 Milliarden Euro seine Aktien auf Talfahrt geschickt.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte seine Mitarbeiter bereits vor Ankündigung des Sparprogramms in einem Brief auf harte Zeiten eingeschworen. Der Autobauer müsse sich „gesamtwirtschaftlich auf stärkeren Gegenwind“ einstellen, heißt es in dem Schreiben. Einer Betriebsratssprecherin zufolge war es bereits im Sommer bei der Belegschaft eingegangen.

Der Autobauer rechnet in seiner Pkw-Sparte wegen der Absatzflaute in Europa mit einem operativen Gewinnrückgang und kündigte ein Sparprogramm an. Inwieweit die Beschäftigten davon betroffen sein werden, wollte Daimler aber noch nicht mitteilen.

„Je unwegsamer aber das Gelände "draußen" wird, desto wichtiger ist es, unser eigenes "Gepäck" so leicht wie möglich zu machen“, schrieb Zetsche in dem Brief. „Jeder Euro, den wir für Entbehrliches ausgeben, ist ein Euro weniger für unsere Wettbewerbsfähigkeit.“ Die „Financial Times Deutschland“ hatte zuvor berichtet, das geplante Sparpaket habe einen Umfang von 1 Milliarde Euro. Ein Daimler-Sprecher des Autobauers wollte die Zahl nicht kommentieren.

Aus Unternehmens- und Gewerkschaftskreisen hieß es am Freitag, weder ein Stellenabbau noch Kurzarbeit seien geplant. Die Daimler-Betriebsratssprecherin erklärte auf dpa-Anfrage, über Sparmaßnahmen beim Personal sei nicht geredet worden. Dasselbe gelte für das gesamte Maßnahmenpaket.

Branchenkenner halten vor allem bei der Produktion und im Einkauf Kürzungen für wahrscheinlich. „Fakt ist, dass man Produktionskapazitäten zurückfahren muss“, sagte Autoexperte Stefan Bratzel. Auch mit den Zulieferern wird der Konzern nach Ansicht von Fachleuten vermutlich in Verhandlungen treten.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen hält auch einen „temporären Einstellungsstopp“ für möglich. Stellenabbau oder Kurzarbeit wird es seiner Einschätzung nach aber nicht geben, sagte er. „Das kann ich mir nicht vorstellen. Der Absatz läuft ja gut.“

Der schwächelnde Automarkt in Europa macht im Oberklasse-Segment allerdings nicht nur Daimler zu schaffen. Auch der Sportwagenbauer Porsche kündigte bereits an, 2013 zwar wieder mehr Autos verkaufen zu wollen. Allerdings könnte der Zuwachs zwischen 5 und 10 Prozent geringer ausfallen, als bisher geplant. Die Rivalen BMW und Audi bekräftigten unterdessen ihre Vorhersagen und rechnen weiter mit Rekordergebnissen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Roemera

23.09.2012, 07:06 Uhr

Die Gewinnwarnung von Mercedes ist nicht wirklich eine Überraschung. Die Schwerfälligkeit dieser Firma mit fast staatsähnlichen bürokratischen Strukturen ist im Umland von Sindelfingen bestens bekannt. Leichtes Gepäck für den Marsch durch die Krise sieht anders aus. Bereits bei Vorlage der Q2-Zahlen hätte man den Anlegern reinen Wein einschenken müssen. Daimler unter Herrn Zetsche ist eben nur zweitklassig.

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