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30.01.2004

12:43 Uhr

Industrie

Kraftprobe zweier Machtmenschen

VonH. Alich, S. Hofmann, M, . Maisch, C. Nesshöver, M. Pfeil

Als Jean-François Dehecq am vergangenen Montag ans Rednerpult des Saals Offenbach im Pariser Pavillon Ledoyen tritt, muss der Zweimetermann erst einmal ein Blitzlichtgewitter überstehen. Der Chef des französischen Pharmakonzerns Sanofi-Synthélabo, der sonst so schnell aufbrausen kann, wirkt an diesem Morgen geradezu euphorisch. „Was ich Ihnen jetzt zu verkünden habe, dürfte für viele keine Überraschung mehr sein.“

PARIS/FRANKFURT. Mit diesen launigen Worten kündigt Dehecq freundlich lächelnd eine Übernahmeschlacht an, die Europa in dieser Dimension schon lange nicht mehr gesehen hat. Sanofi wagt den feindlichen Griff nach dem doppelt so großen Konkurrenten Aventis. Das Angebot hat einen Wert von 47 Milliarden Euro.

Für einen kamen Dehecqs Pläne vielleicht doch überraschend. Igor Landau, der Chef von Aventis, wollte lange nicht an die Gefahr glauben. „Wir wurden auf dem falschen Fuß erwischt, der Vorstand war wohl nicht auf den Angriff eingestellt“, erzählt ein Aufsichtsrat.

Dabei gab es reichlich Warnzeichen, schon lange schwirrten Fusionsgerüchte an den Börsen umher. Und tatsächlich: Dehecq bereitete seine Attacke über Monate hinweg vor. Im Dezember lief die heiße Phase an. Schon eine Woche bevor der Sanofi-Chef in Paris vor die Mikrofone trat, waren alle Vorbereitungen abgeschlossen. Die Kartellbehörden waren informiert, auch Dehecqs Freund, der französische Staatspräsident Jacques Chirac, wusste Bescheid. Sanofi war bereit loszuschlagen. Dehecq aber wartete noch. Gab es in diesen Tagen Gespräche zwischen den Konzernen? Beide Seiten dementieren heute „ernsthafte Verhandlungen“.

Grünlich schimmernd erhebt sich das Pariser Aventis-Center über die Ufer der Seine. Hausboote schaukeln gemächlich vor dem Portal. Hinter der glitzernden Glasfassade haben sich seit einigen Tagen die Verteidiger des Pharmakonzerns verschanzt. Eine ganze Etage wurde für die Kohorten von Managern, Anwälten und Investmentbankern geräumt, die inzwischen Tag und Nacht an Strategien feilen, um das feindliche Übernahmeangebot des viel kleineren Konkurrenten Sanofi abzuwehren.

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