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15.03.2011

12:04 Uhr

Kraftwerksbetreiber Tepco

Die berühmteste Pannenfirma der Welt

VonFinn Mayer-Kuckuk

Das Desaster im Kernkraft Fukushima bringt die Sicherheitskultur von Tepco erneut in die Kritik. Es ist aber nur die Spitze eines Eisbergs: Tepcos Pannenserie hat eine lange Geschichte.

Der Vizepräsident von Tepco, Sakae Muto (r.), verbeugt sich während einer Pressekonferenz zur Entschuldigung. Quelle: dapd

Der Vizepräsident von Tepco, Sakae Muto (r.), verbeugt sich während einer Pressekonferenz zur Entschuldigung.

NagoyaDas japanische Unternehmen Tokyo Electric Power (Tepco) muss sich vorwerfen lassen, durch Konstruktionsmängel zur größten Krise der Kernindustrie seit Tschernobyl beigetragen zu haben. "Die Vorkehrungen für den Fall eines Tsunamis waren kläglich", kommentiert die an sich wirtschaftsfreundliche Tageszeitung "Nihon Keizai". Nuklearexperten fragen im Fernsehen, warum die Anlage im Erdbebenland Japan nicht zumindest so gut ausgestattet war wie vergleichbare Meiler in Frankreich. Alle sind sich einig: Eine Mitschuld für die Katastrophe liegt bei Tepco.

Verzweifelter Kampf an vielen Fronten

Das Unternehmen kämpft nun an mehreren Fronten einen verzweifelten Kampf: Seine Mitarbeiter riskieren ihre Gesundheit, um doch noch einen Gau abzuwehren, während die PR-Leute in Tokio das Image zu retten versuchen. Beide Kämpfe laufen bisher schlecht.

Angesichts der derzeit so elenden Lage der Firma ist es schwer vorstellbar - aber die Geschichte des Unternehmens hat einst glanzvoll und hoffnungsfroh angefangen. Tepco war nach dem Krieg als einer von neun regionalen Energieversorgern gegründet worden. Da Tokio in jeder Hinsicht das Zentrum Japans ist, sah sich das Unternehmen als das Vorzeigeunternehmen der Branche. Die Kraftwerke des Unternehmens haben den Aufstieg Japans zur Wirtschaftsmacht angetrieben, und auch technisch war es Vorreiter.

Hier spielt auch das heutige Unglückskraftwerk Fukushima Daiichi eine Rolle. Block Nummer eins war vor 40 Jahren das erste Atomkraftwerk des Unternehmens, das ans Netz ging. Die Anwohner waren damals stolz, eine so moderne Anlage in ihrem Ort zu haben. Die ganze Nation blickte damals mit Wohlwollen auf die moderne Energietechnik. Comic-Held "Atom Boy" kümmerte sich in diesen Jahren im Fernsehen heldenhaft um die Schwachen.

Kommentare (2)

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Wolfi

15.03.2011, 12:12 Uhr

da gibts nur noch eins für das Management: Seppuku !!!

Buerger-2

15.03.2011, 15:14 Uhr

Der Betreiber der Atomkraftwerke in Fukushima hat den Profit auf Kosten der Sicherheit erhöht.Wie kann es sein das alle anderen Kraftwerke in Japan das Erdbeben und die Flutwelle ohne solche Probleme überstanden haben ? Vielleicht ist die in Fukushima installierte Technik nicht auf den Stand einer großen Industrienation, was die Vorgänge erklären könnte. Jetzt kann man verstehen, warum Inspektionen vom Ausland nicht zugelassen wurden. Ich hoffe das in Europa die Staaten Ihre Automkraftwerke besser abgesichert haben, denn auch bei uns wird nur das notwendigste getan um wettbewerbsfähig zu sein.
Vermeiden kann man in Europa solche Probleme nur durch ein gültiges EU Gesetz oder Stillegung aller Atomkraftwerke in Europa , was aber in vielen Ländern in den nächsten Jahrzent nicht machbar ist.
Nur Aktivitäten (Stilllegungen) in Deutschland schützen uns nicht. Frankreich,Polen,Tschechien,... sind zu nah.

Hierhat keine Regierung einschließlich Rot-Grün etwas getan.




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