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21.05.2014

12:37 Uhr

Kraftwerksmodernisierung

Kein Glück für Siemens in Finnland

Finnland bringt Siemens und Areva kein Glück: Das Energieunternehmen Fortum hat die Verträge zur Modernisierung eines Atomkraftwerks mit den beiden Konzernen aufgelöst.

Das Siemens-Wernerwerk in Berlin: In Finnland stößt die Expansionspolitik von Siemens auf Probleme. Reuters

Das Siemens-Wernerwerk in Berlin: In Finnland stößt die Expansionspolitik von Siemens auf Probleme.

HelsinkiFinnland ist für Siemens und Areva kein Hauptgewinn: Das Energieunternehmen Fortum hat Verträge mit den beiden Konzernen aufgelöst, wie die finnische Firma am Mittwoch mitteilte. Fortum betreibt im Süden des Landes zwei Meiler, die rund ein Zehntel des Gesamtstroms in Finnland liefern. Sie stammen aus sowjetischer Produktion und sind mit westlicher Steuerungstechnik ausgestattet. Sie laufen plangemäß noch bis 2027 bzw. 2030.

Areva und Siemens würden die laufenden Arbeiten noch abschließen, die weitere Modernisierung werde an einen anderen Auftragnehmer vergeben. Fortum zeigte sich zuversichtlich, rasch einen Nachfolger zu finden, so dass die Renovierung ohne Zeitverzug abgeschlossen werden könne.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Der Fall ist ein weiteres Debakel für die zerrüttete Zusammenarbeit zwischen Areva und Siemens. Im Nordwesten Finnlands bauen sie zusammen den derzeit einzigen neuen Atomreaktor Europas und sind Jahre im Verzug. Zum Zorn des Auftraggebers TVO wird der Eröffnungstermin immer wieder verschoben. Die Akteure streiten sich vor Gericht um die Schuldfrage, für Siemens ist das Projekt längst ein Geschäft, bei dem der Konzern draufzahlt. Die Münchner und die Pariser haben ihre Partnerschaft im Atomkraftwerksbau seit Jahren bereits aufgelöst, arbeiten allerdings die offenen Aufträge noch gemeinsam ab.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

21.05.2014, 13:29 Uhr

Und mit den Franzosen will Siemens wieder eine Ehe eingehen.

Die französische Braut wird auch noch hofiert und ihr werden weitreichende Privilegien zugestanden.

Deutschland demontiert sich selbst.

Die Amerikaner brauchen nur Geduld, nichts weiter und sie sind am Ziel.

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