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17.10.2012

15:50 Uhr

Kraftwerksreserve

Energiebranche wehrt sich gegen Abschalt-Verbot

VonDana Heide

Die Bundesregierung will Energieunternehmen zum Weiterbetrieb von unrentablen Kraftwerken zwingen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Versorger hoffen, dass sie das Horrorszenario noch abwenden können.

Ein Gaskraftwerk in Oberbayern. dpa

Ein Gaskraftwerk in Oberbayern.

DüsseldorfEs ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem Gesetz, dass massiv in die Rechte der Kraftwerksbetreiber eingreifen soll und den Strompreis verteuern könnte: Die Bundesregierung hat am Mittwoch im Kabinett beschlossen, dass die Energieversorger künftig dazu gezwungen werden sollen, ihre Kraftwerke laufen zu lassen, um Strom-Blackouts zu verhindern. Die Branche wehrt sich gegen den Eingriff und hofft weiterhin auf eine Lösung ohne verpflichtende Gesetze.

Die Gefahr von flächendeckenden Stromausfällen ist in den vergangenen Monaten durch das Abschalten vieler Atomkraftwerke stark gestiegen. In den kommenden Jahren dürfte sie noch zunehmen, wenn es immer weniger Kernkraft und immer mehr regenerative Energien gibt. Denn bei letzteren schwankt die Produktionsmenge des Stroms über den Tag viel stärker.

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Gaskraftwerke sind besonders gut geeignet zum Ausgleich dieser Schwankungen, da sie schnell hochgefahren werden können. Allerdings wird sich der Betrieb vor allem von alten Gaskraftwerken für viele Versorger durch die Energiewende und den damit verbundenen reduzierten Betriebsstunden wahrscheinlich schon bald nicht mehr lohnen.

Zuletzt war Deutschland im Februar einem Blackout gefährlich nahe gekommen. Um eine solche Situation zu vermeiden, sucht die Bundesregierung bereits seit Monaten nach einer Lösung.

Die Regierung hatte den Versorgern Kompensationszahlungen für den Betrieb unrentabler Kraftwerke in Aussicht gestellt. Die Kosten von bis zu 287 Millionen Euro müsste der Verbraucher durch einen höheren Strompreis bezahlen.

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Ab dem nächstem Jahr wird es teurer: Die Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien steigt auf knapp 5,3 Cent. Handelsblatt Online erklärt, was das für den Verbraucher bedeutet und warum die Umlage überhaupt steigt.

„Es ist sehr bedauerlich, dass der Bundesregierung bei der Lösung von Problemen im Zusammenhang mit der Energiewende nur Zwangsmaßnahmen einfallen, während durchdachte, marktnahe Lösungen unbeachtet bleiben“, sagte Hildegard Müller. Die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), rät der Regierung, ihr Vorhaben noch einmal zu überdenken: „Noch ist in den vorgelegten Formulierungshilfen eine Tür offen, um im parlamentarischen Prozess doch noch für eine bessere Lösung zu sorgen.“

Der Energieversorger Eon ist optimistisch, dass es nicht zu dem von der Bundesregierung angedachten Gesetz kommen wird. Die Branche sei bereits seit langem in Verhandlungen mit der Bundesnetzagentur über Maßnahmen zur Sicherstellung der Energieversorgung. „Wir gehen davon aus, dass wir bald eine Lösung finden werden – ohne dass ein gesetzgeberisches Verfahren nötig ist“, sagte eine Unternehmenssprecherin zu Handelsblatt Online. Auch bei Eon ist man besorgt, dass sich der Betrieb von einigen Gaskraftwerken in Zukunft nicht mehr lohnen könnten. Akut stehe zwar noch keine Stilllegung von Gaskraftwerken an, allerdings sei die Wirtschaftlichkeit einiger Gaskraftwerke gefährdet.

Der Energieversorger Vattenfall hofft noch auf einen Schwenk der Politik. Das Unternehme respektiere „natürlich das Primat der Politik, kurzfristige Lösungen für die drohende Kapazitätslücke im nächsten Winter zu finden. Langfristig sollte das Problem aber über marktorientierte Mechanismen wie die Einführung einer strategischen Reserve gelöst werden“, hieß es in einer Stellungnahme.

Kommentare (13)

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17.10.2012, 16:42 Uhr

"Noch ist in den vorgelegten Formulierungshilfen..."

Meine Formulierungshilfe für Fräulein Hildegard Müller: Und links und rechts und links und rechts. Nein, dass ist nicht politisch gemeint.

Account gelöscht!

17.10.2012, 16:52 Uhr

Frau Dr. Murksel führt schrittweise die DDR 2.0 ein. Als nächstes wird sie wohl die Stromunternehmen verstaatlichen.

Vicario

17.10.2012, 17:00 Uhr

Deutschland leistet sich als einziges Land auf dem Globus eine Verdoppelung seiner Stromerzeugungskapazität und seiner Stromnetze, die es sich nicht leisten darf. Statt nur die erforderlichen 100 Prozent des deutschen Strombedarfs zu decken, ist die Erzeugungskapazität auf 200 Prozent ausgerichtet.Nach wie vor und stets nämlich müssen herkömmliche Kraftwerke bereitstehen, um mit Strom einzuspringen, wenn Wind und Sonne ausfallen.Mit immer mehr Windkraft-, Voltaik und Biogasanlagen müssen daher stets auch zusätzlich herkömmliche Kraftwerke gebaut werden.Obendrein erzwingt dieser vorgebliche „Ökostrom“ ein weiteres Stromleitungsnetz mit zusätzlicher aufwendiger Regelungstechnik.Diese Politik ist unverantwortlich. Mit ihr setzt Deutschland seine Wirtschaftskraft, seinen Wohlstand und seine politische Stellung aufs Spiel.

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