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06.08.2014

00:44 Uhr

Krankenhausverwaltung

Siemens verkauft Sparte für Informationssysteme

Noch steht die Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden aus. Doch der Siemens-Konzern will sich von dem Geschäft mit Krankenhausinformationssystemen trennen. Mitarbeiter an drei deutschen Standorten sind betroffen.

Siemens-Flaggen: Der deutsche Konzern trennt sich von dem Geschäft mit Krankenhausinformationssystemen. dapd

Siemens-Flaggen: Der deutsche Konzern trennt sich von dem Geschäft mit Krankenhausinformationssystemen.

MünchenDer Siemens-Konzern will sein Geschäft mit Krankenhausinformationssystemen für 1,3 Milliarden US-Dollar (963 Millionen Euro) an das US-Unternehmen Cerner verkaufen. Sofern die Wettbewerbsbehörden zustimmen, solle der Verkauf im ersten Quartal 2015 über die Bühne gehen, teilte Siemens am Dienstagabend mit. Für die Mitarbeiter an drei deutschen Standorten seien Vereinbarungen zur Beschäftigungs- und Standortsicherung für die kommenden drei Jahre getroffen worden.

Siemens habe feststellen müssen, „dass der Geschäftserfolg unserer Krankenhausinformationssysteme nicht immer mit dem der Wettbewerber Schritt halten konnte“, erklärte Hermann Requardt, Chef von Siemens Healthcare. Der Verkauf der Sparte gehöre zur Siemens-Strategie Vision 2020, mit der der Konzern umgebaut werden soll, hieß es in einer Pressemitteilung.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Die Sparte, die nun verkauft werden soll, konzentriert sich auf Informationssysteme für die Krankenhausverwaltung sowie elektronische Patientenakten. Das Geschäft mit Informationssystemen für Labore, Bildgebung und Therapie solle hingegen ausgebaut werden.

Von

afp

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