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11.01.2016

12:32 Uhr

Krauss-Maffei

Chinesen kaufen deutschen Maschinenbauer

Krauss-Maffei geht an Chinesen. Der größte Chemiekonzern des Landes übernimmt den deutschen Spezialmaschinenbauer für 925 Millionen Euro. Es ist der größte Zukauf von Chinesen in Deutschland überhaupt.

Der deutsche Maschinenbauer geht an Chinesen. AFP

Krauss-Maffei

Der deutsche Maschinenbauer geht an Chinesen.

MünchenDer Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei wird chinesisch. Ein Konsortium um den größten Chemiekonzern des Landes, die staatliche National Chemical Corporation (Chem-China), zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung, wie der bisherige Eigentümer Onex am Montag mitteilte. Krauss-Maffei ist damit die größte Übernahme, die ein Käufer aus China in Deutschland bislang getätigt hat. Das Unternehmen verspricht sich von dem neuen Eigentümer bessere Marktchancen in China. Das Handelsblatt hatte am Freitag über die Verhandlungen berichtet.

Chem-China hatte bereits vor gut drei Jahren um Krauss-Maffei gebuhlt, war damals aber dem kanadischen Finanzinvestor Onex unterlegen. „Mit Chem-China gewinnen wir einen strategischen und langfristigen orientierten Investor, der sich seit vielen Jahren für unser Unternehmen interessiert“, sagte Krauss-Maffei-Chef Frank Stieler. Die Mitarbeiterzahl – derzeit 4500, davon 2800 in Deutschland – soll 2016 um fünf Prozent steigen. Der Konzern setzt 1,1 Milliarden Euro um, in diesem Jahr sollen daraus 1,2 Milliarden werden. Der operative Gewinn (Ebitda) lag 2014 bei 140 Millionen Euro.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Chinesische Konzerne sind als Teil eines von der Regierung aufgelegten Plans seit Jahren auf deutsche Technologie erpicht, um die Industrie in dem Riesenreich voranzubringen. „Das Geschäft soll sich zu einem Vorzeigeunternehmen im Rahmen des Programms 'Made in China 2025' entwickeln“, sagte Chem-China-Chef Jianxin Ren. Der Staatskonzern hatte im vergangenen Jahr den italienischen Reifenhersteller Pirelli gekauft und ist auch am schweizerischen Pflanzenschutz-Spezialisten Syngenta interessiert.

Das größte deutsche Unternehmen, das an einen Käufer aus China ging, war 2012 der Betonpumpen-Hersteller Putzmeister, für den Sany fast 700 Millionen Dollar gezahlt hatte. JP-Morgan-Investmentbanker Dirk Albersmeier rechnet damit, dass ein chinesisches Unternehmen in diesem Jahr in Deutschland eine Milliarden-Übernahme stemmen wird. Sie agieren bei Übernahmen allmählich schneller und professioneller, nachdem sie zuletzt oft nicht zum Zug kamen. Bei Krauss-Maffei hatte Chem-China laut Insidern keine Konkurrenz.

Krauss-Maffei-Käufer Chemchina: Staatskoloss auf Einkaufstour

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Chinas führender Chemiekonzern ist zu einem Hauptakteur geworden, wenn es um Expansion chinesischer Firmen im Ausland geht. Er hat sich bereits Pirelli einverleibt – und umgarnt bereits den nächsten großen Chemiekonzern.

Onex hatte Ende 2012 für Krauss-Maffei 568 Millionen Euro gezahlt. Mit dem Weiterverkauf machen die Kanadier nun ein lukratives Geschäft: Ihr Eigenkapitaleinsatz hat sich dadurch verzweieinhalbfacht. Die 1839 als Hersteller von Lokomotiven gegründete Krauss-Maffei war seit dem Verkauf durch Siemens im Jahr 2002 durch die Hände von drei Finanzinvestoren gegangen. Der gleichnamige Panzerhersteller („Leopard“) war schon 1999 abgespalten worden.

Zusammen mit Chem-China steigen der staatliche Finanzinvestor Guoxin und die neu gegründete AGIC Capital ein. AGIC-Initiator Henry Cai, früherer Chef-Investmentbanker der Deutschen Bank in Asien, will dafür eine Milliarde Dollar einsammeln und damit europäische Firmen bei der Expansion nach Asien unterstützen. 500 Millionen von Investoren in Asien und Europa hat er nach eigenen Angaben bereits zusammen.

Die größten Maschinenbauer Deutschlands

Platz 11 – Stihl

Umsatz in 2013: 2,81 Milliarden Euro

Stihl ist ein schwäbisches Familienunternehmen mit Hauptsitz in Waiblingen-Neustadt, tätig in über 160 Ländern. Stihl entwickelt, fertigt und vertreibt motorbetriebene Geräte für die Forstwirtschaft, Landschaftspflege und die Bauwirtschaft.

Platz 10 – Rolls-Royce Power Systems

Umsatz 2013: 3,35 Milliarden Euro

Die deutsche Firma mit Hauptsitz in Friedrichshafen hieß bis Januar 2014 noch Tognum. Sie bietet Dieselmotoren und Antriebssysteme an und ist seit 2007 an der Börse notiert.

Platz 9 – SMS Group

Umsatz 2013: 3,5 Milliarden Euro

Die SMS Group ist der Dachgesellschaft SMS Holding GmbH untergeordnet und verarbeitet Stahl und Nichteisenmetalle. Alleinaktionär ist die Familie um den deutschen Unternehmer Heinrich Weiss.

Platz 8 – MAN

Umsatz 2014: 3,75 Milliarden Euro (MAN Power Engineering)

Die „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg“ wurde bereits 1758 gegründet und war zunächst für Eisenverarbeitung zuständig. Seit 2011 hält Volkswagen die Mehrheit am Konzern.

Platz 7 – Gea

Umsatz 2014: 4,52 Milliarden Euro

Das börsennotierte Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf und ist auf die Herstellung von Prozesstechnik und Komponenten im Maschinenbau spezialisiert. Es wurde 1881 gegründet.

Platz 6 – Kion

Umsatz 2014: 4,68 Milliarden Euro

Die Wiesbadener Kion-Gruppe wurde 2006 gegründet, baut Gabelstapler und Lagertechnikgeräte. Sie ging aus der Linde AG hervor und ist seit 2013 an der Börse.

Platz 5 - Knorr Bremse

Umsatz 2014: 5,2 Milliarden Euro

Das Unternehmen aus München ist der weltweit führende Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. gegründet wurde es 1905 in Berlin.

Platz 4 – Voith

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14: 5,35 Milliarden Euro

Die Wurzeln des Heidenheimer Maschinenbau-Unternehmens gehen bis in das Jahr 1867 zurück. Voith befindet sich im Besitz der Gründerfamilie. Das Unternehmen beliefert unter anderem Wasserwerke, Automobilhersteller und die Papierindustrie.

Platz 3 – Thyssen-Krupp

Umsatz 2014: 6,27 Milliarden Euro (nur Thyssen-Krupp Industrial Solutions)

Deutschlands größter Stahlkonzern sitzt in Essen und entstand 1999 in Folge der Fusion von Hoesch-Krupp und Thyssen. Die historischen Wurzeln reichen in die Phase der industriellen Revolution in Deutschland zurück.

Platz 2 – Linde

Umsatz 2014: 17,05 Milliarden Euro

Die Linde-Gruppe sitzt in München und betreibt weltweit ihr Kerngeschäft mit Gasen und Prozess-Anlagen. Das 1879 gegründete Unternehmen ist börsennotiert und im Dax gelistet.

Platz 1 – Siemens

Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14: 17,06 Milliarden Euro (nur Siemens Industry)

Das Dax-Unternehmen mit Sitz in Berlin und München ist Deutschlands größter Technologiekonzern. Die Firma wurde 1847 von Werner Siemens gegründet und setzt den Fokus auf Elektrotechnik.

Von

rtr

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