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22.06.2017

15:55 Uhr

Krauss-Maffei nach der Übernahme

Unter Chinesen

VonAxel Höpner

Der Kauf des Traditionsunternehmens Krauss-Maffei war die bis dahin größte Übernahme durch chinesische Investoren in Deutschland. Vorstandschef Frank Stieler sieht das als Chance – auch wenn viel Arbeit auf ihn wartet.

Ein Monteur arbeitet im Werk in Allach bei München: Der Kunststoffmaschinenbauer ist kürzlich von Chinesen übernommen worden. dpa

Krauss-Maffei

Ein Monteur arbeitet im Werk in Allach bei München: Der Kunststoffmaschinenbauer ist kürzlich von Chinesen übernommen worden.

MünchenDrum prüfe, wer sich ewig bindet. Als ChemChina den zweiten Anlauf startete, den Plastikmaschinenbauer Krauss-Maffei zu übernehmen, reiste Vorstandschef Frank Stieler erst einmal nach Frankreich. Der Futtermittel-Konzern Adisseo gehört seit zehn Jahren den Chinesen. Manchmal sei die Kommunikation schwierig, nur wenige ChemChina-Manager sprechen englisch, berichteten die Kollegen.

Manches sei kompliziert, doch insgesamt sah Stieler nach dem Gespräch und einem einwöchigen Besuch der Chinesen in Deutschland mehr Chancen als Risiken für sein Unternehmen. Bis dahin hatte der Konzern erst Siemens und dann mehreren Finanzinvestoren gehört. „Es gab eine Sehnsucht nach einem stabilen Verhältnis“, sagte Stieler nun im Club Wirtschaftspresse München.

Gut ein Jahr nach der Übernahme durch den größten chinesischen Chemiekonzern und chinesische Investoren zieht der Krauss-Maffei-Chef eine positive Zwischenbilanz. Finanzinvestoren könnten vor allem Kosten optimieren. Ein Stratege wie ChemChina dagegen könne helfen, das bislang nicht ausgeschöpfte Wachstumspotenzial von Krauss-Maffei zu bergen.

Er glaube an Osteopathie, sagte Stieler. Manchmal könne ein Organismus alles, ein paar Muskeln und Gelenke seien aber blockiert. ChemChina helfe nun, die Blockaden zu lösen. In China, wo deutsche Maschinenbauer im Schnitt etwa 30 Prozent ihrer Umsätze machen, war das Münchener Traditionsunternehmen deutlich unterrepräsentiert. Im laufenden Jahr sollen die China-Umsätze verdoppelt werden.

925 Millionen Euro hatte der größte chinesische Chemiekonzern für die Übernahme des Münchener Traditionsunternehmens gezahlt. Damit handelte es sich um die bis dahin größte Übernahme durch Chinesen in Deutschland. Inzwischen hat Kuka die Spitzenposition übernommen. Im vergangenen Jahr investierten chinesische Firmen in Deutschland insgesamt elf Milliarden Euro – soviel wie noch nie zuvor.

Größter Brocken war der Roboterbauer Kuka, für den Midea 4,7 Milliarden Euro auf den Tisch legte. In Europa insgesamt legten die chinesischen Auslandsinvestitionen 2016 um 40 Prozent auf 180 Milliarden Euro zu, berichtet das Berliner China-Institut Merics.

Der Übernahmehunger der Chinesen hat in Deutschland und anderen Ländern für heftige Diskussionen gesorgt. So wehrte sich Osram durch eine mögliche Übernahme durch chinesische Interessenten. In der Politik gibt es Befürchtungen, dass sich die Chinesen durch Übernahmen Zugriff auf Hochtechnologien sichern. Kritisiert wird dabei insbesondere, dass ausländische Unternehmen im Gegenzug in China nicht ähnlich frei investieren können.

Allerdings haben viele deutsche Unternehmen mit chinesischen Eigentümern gute Erfahrungen gemacht. Sie führen ihre Zukäufe oft an der langen Leine und investieren nachhaltig auch in konjunkturell schwierigeren Zeiten. „Für diese Investoren steht das Wachstum im Vordergrund. Sie tätigen längst überfällige Investitionen“, betont China-Experte Wolfgang Müller, der für die IG Metall unter anderem in den Aufsichtsräten von Siemens, Schaeffler und Audi saß. Mitbestimmung und Tarifverträge würden respektiert. Zwar gebe es in Einzelfällen gute Argumente gegen den Einstieg chinesischer Investoren. „Aber die in manchen Kreisen grassierende China-Phobie ist irrational.“

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Die EU will Übernahmen durch chinesische Firmen genauer unter die Lupe nehmen – und notfalls untersagen. Das gibt den Regierungen mehr Macht, könnte aber eine Lösung in der Debatte um Zwangsquoten für E-Autos erschweren.

Auch Stieler zeichnet ein insgesamt positives Bild. ChemChina wolle von den Deutschen lernen und sei daher nicht an Unruhe, etwa durch Stellenabbau, interessiert. Bei Krauss-Maffei läuft es derzeit ohnehin blendend, weil die Nachfrage nach Plastikprodukten weltweit steigt. Im vergangenen Jahr legten die Umsätze um fünf Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu. Gebremst wird das Wachstum durch Kapazitätsengpässe. „Wir haben ein Problem, den Markt zu bedienen, weil wir nicht schnell genug unsere Kapazitäten ausbauen.“ Von einer Verlagerung der Produktion nach China ist daher auch keine Rede. Im Gegenteil, der Ausbau dürfte eher in Europa stattfinden, weil das hier unkomplizierter möglich ist. Die Zahl der Mitarbeiter ist bei Krauss-Maffei seit Beginn der Übernahmeverhandlungen von 4.500 auf 5.000 gestiegen.

Krauss-Maffei ist auf Maschinen für die Kunststoff- und Gummiverarbeitung spezialisiert. Zuletzt hatte das Unternehmen, das längst nichts mehr mit dem ähnlich klingenden Panzerbauer zu tun hat, dem kanadischen Finanzinvestor Onex gehört, der das Unternehmen 2011 für 568 Millionen vom Finanzinvestor Madison Capital übernommen hatte.

Kommentare (1)

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Herr Leo Löwenstein

22.06.2017, 16:39 Uhr

@Handelsblatt:
Bitte in 10 Jahren nochmal einen Bericht hierüber, ob es immer noch so toll läuft.

Bisher war es doch bei technologiefirmen so, dass, sobald die Chinesen das KnowHow verstanden haben, nur noch in China produziert haben.

Und ein Futtermittelhersteller ist etwas anderes als ein rein technologisches Unternehmen.

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