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27.08.2014

14:40 Uhr

Krebsbekämpfung

Pharmaforscher rüsten Immunabwehr auf

Vielversprechende Ergebnisse für eine neue Waffe gegen Krebs: Die ersten Immuntherapie-Wirkstoffe stehen in den USA vor der Zulassung. Die Pharmariesen BMS, Merck & Co, AstraZeneca und Roche geben den Ton an.

Pharmaforscher rüsten mit Antikörpern das körpereigene Abwehrsystem auf, das die Tumorzellen besiegen soll. Reuters

Pharmaforscher rüsten mit Antikörpern das körpereigene Abwehrsystem auf, das die Tumorzellen besiegen soll.

FrankfurtIm Kampf gegen tödliche Krebserkrankungen haben Pharmaforscher eine neue Waffe entwickelt. Sie rüsten mit Antikörpern das körpereigene Abwehrsystem auf, das die Tumorzellen besiegen soll. Mehrere neue immuntherapeutische Wirkstoffe zeigten bereits vielversprechende Ergebnisse in Patientenstudien. Zulassungen in den USA und in Europa stehen kurz bevor. Forscher und Analysten trauen den neuen Arzneien zu, die Krebsbehandlung einen großen Schritt voranzubringen.

„Immuntherapien werden wahrscheinlich in zehn Jahren in bis zu 60 Prozent aller Krebsfälle das Rückgrat einer Behandlung sein“, schreiben etwa die Pharma-Analysten der Citigroup. Vier internationale Konzerne haben in der Arznei-Entwicklung derzeit die Nase vorn. Aber auch in den Laboren deutscher Pharmafirmen wird kräftig an solchen Immuntherapien geforscht.

Die Einsatzgebiete dieser neuen Wirkstoffe, die in der Fachwelt als Anti-PD-1- und Anti-PD-L1-Wirkstoffe bekannt sind, sollen vielfältig sein – darunter verschiedene Formen von Hautkrebs sowie Lungenkrebs, Blasenkrebs und Nierenkrebs. Folglich werden ihre Zukunftschancen hoch angesetzt - entweder als Allein- oder in Kombinationstherapien. Der Weltmarkt für solche Medikamente wird von Experten in zehn Jahren auf etwa 30 bis 35 Milliarden Dollar im Jahr taxiert. Einzelnen Arzneien werden Jahresumsätze von mehreren Milliarden Dollar zugetraut.

Anders als zielgerichtete Krebspräparate oder Chemotherapien greifen Immuntherapie-Arzneien den Tumor nicht direkt an – ihr Ziel ist vielmehr die Immunabwehr. Viele Krebszellen schaffen es dem Immunsystem zu entschlüpfen, dessen Aufgabe es ist, aus dem Ruder gelaufene kranke Zellen und fremden Eindringlinge zu bekämpfen. Genau an dieser Stelle setzen die neuen Substanzen an. Sie wollen den Tumorzellen ihre Fähigkeit nehmen, die Immunabwehr zu unterlaufen.

Besonders im Visier der Pharmaforscher: Das Protein PD-L1, das der Tumor nutzt um einen Angriff der T-Zellen des Immunsystems zu verhindern sowie das entsprechende Gegenstück PD-1 auf den T-Zellen. Werden PD-1 oder PD-L1 blockiert, so die Grundidee der neuen Wirkstoffe, verlieren Krebszellen ihre Tarnfähigkeit, werden als feindlich erkannt und bekämpft.

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