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15.10.2013

12:42 Uhr

Krebsmedizin-Spezialist

AstraZeneca übernimmt Spirogen

Der Zukauf des Krebsmedizin-Herstellers Spirogen ist dem britischen Pharmariesen AstraZenece bis zu 400 Millionen Dollar wert. Die Entwicklungen von Spirogen sollen bei einer Konzerntochter eingesetzt werden.

Der Pharmakonzern setzt auf den Krebsmittel-Markt. dpa

Der Pharmakonzern setzt auf den Krebsmittel-Markt.

LondonDer britische Pharmariese AstraZeneca will mit der Übernahme der Londoner Biotechfirma Spirogen sein Krebsmedizin-Geschäft stärken. Bis zu umgerechnet rund 400 Millionen Dollar ist AstraZeneca der Zukauf wert, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Spirogen ist auf Antikörper-Wirkstoffe spezialisiert, die gezielt Tumorzellen angreifen aber gesunde Zellen unangetastet lassen sollen. AstraZeneca zahlt zunächst 200 Millionen Dollar, dazu kommen weitere bis zu 240 Millionen Dollar, falls bestimmte Forschungsziele erreicht werden. Darüber hinaus erwirbt AstraZeneca für 20 Millionen Dollar eine Beteiligung an der Schweizer Gesellschaft ADC Therapeutics, die mit Spirogen eine Lizenzvereinbarung geschlossen hat.

AstraZeneca will die Entwicklungen von Spirogen bei seiner US-Biotechtochter Medimmune nutzen. Der Konzern hatte Medimmune 2007 für 15,6 Milliarden Dollar übernommen, um unter anderem die Entwicklung neuer Krebsarzneien voranzubringen. AstraZeneca-Chef Pascal Soriot will die Onkologie zu einem der Schlüsselgebiete des Konzerns machen. Wie Spirogen arbeitet auch Medimmune an Krebsmedikamenten, die auf Antikörpern basieren. Dazu kommen Wirkstoffe, die das Immunsystem des Patienten in die Lage versetzen sollen, den Krebs zu bekämpfen.

Pharmabranche an der Patentklippe

Wichtige Patente laufen aus

Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

Cholesterinsenker und Blutverdünner

Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

Generikahersteller profitieren

Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

Probleme mit dem Nachschub

Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

Von

rtr

Kommentare (1)

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baslergeniesser

15.10.2013, 15:18 Uhr

Spirogen ist ein kleiner Fisch. Nur ein Produkt in klinischer Entwicklung, und das ist ein Chemotherapeutikum (wenn auch ein 'Dritte Generation' Produkt), also nicht so superinteressant. Alle anderen Produktkandidaten sind noch praeklinisch. Es geht wohl um die Plattform. AZ hat die Integration von CAT vergeigt, die interne Zusammenarbeit mit MedImmune laeuft auch nicht reibungslos. Pascal Soriot ist verzweifelt auf der Suche nach allem, was nicht nur die Pipeline auffuellt, sondern auch unabhaengiger von MedImmune macht.
Viel Glueck!

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