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02.06.2012

09:21 Uhr

Krebstherapie

Trotz flauer Erlöse wächst Hoffnung

VonSiegfried Hofmann

In der Krebstherapie sieht die Pharmabranche große Chancen. Boehringer und Bayer treten mit neuen Substanzen an. Doch das Wachstum in dem Geschäft hat sich deutlich abgeschwächt.

Die Branche verspricht sich viel von neuen Medikamenten gegen Krebs. dpa

Die Branche verspricht sich viel von neuen Medikamenten gegen Krebs.

FrankfurtKrebs gehört zu den Krankheiten, die Jahr für Jahr Millionen Todesopfer fordern. Die Suche nach wirksamen Therapien beflügelt deshalb die Fantasie der Pharmabranche wie keine andere Krankheit.

Doch während die Forscher wachsende Zuversicht demonstrieren, verliert das laufende Geschäft mit Krebsarzneien zusehends an Schwung. Waren vor wenigen Jahren noch zweistellige Steigerungen an der Tagesordnung, hat sich 2011 das Umsatzwachstum in der wichtigsten Einzelkategorie der Arzneimittelbranche auf weniger als vier Prozent verlangsamt. Dafür sprechen Daten des Marktforschers IMS Health für den US-Markt wie auch die globalen Umsatzzahlen für die 30 wichtigsten Krebsmedikamente. Sie legten 2011 zusammen noch um 3,5 Prozent auf rund 53 Milliarden Dollar zu. Mehr als ein Drittel davon entfiel auf die Produkte des Marktführers Roche.

Doch ähnlich wie der gesamte Pharmamarkt wird inzwischen auch das Onkologiegeschäft von Patentabläufen gebremst. So erhielten 2011 wichtige Produkte von Sanofi, Eli Lilly und AstraZeneca erstmals Generikakonkurrenz. Bis 2015 werden sieben der zehn umsatzstärksten Krebsmittel ihren Patentschutz verlieren. Gleichzeitig müssen die Pharmakonzerne härtere Preisrestriktionen fürchten. In Deutschland etwa dürfte die neue Kosten-Nutzenbewertung der Krankenkassen den Preisspielraum für neue Krebsmittel deutlich einschränken.

Der Druck, größere Erfolge zu erzielen, ist für die Konzerne damit in jeder Hinsicht gewachsen. Gleichzeitig haben Fortschritte in der Grundlagenforschung große Erwartungen geweckt und etliche Konzerne neu in das Arbeitsgebiet gelockt. Experten des amerikanischen Pharmadienstleisters Express Skripts schätzen, dass bei der Entwicklung von Medikamenten außerhalb der Allgemeinmedizin inzwischen die Hälfte aller Projekte auf Krebsmittel entfällt. Weltweit dürften sich mehr als 900 Wirkstoffkandidaten in klinischen Tests befinden.

Gemessen daran wirken die Erfolge nach wie vor bescheiden. Im Schnitt der letzten zehn Jahren schafften vier bis fünf neue Substanzen die Zulassung auf dem wichtigen US-Markt, darunter viele Nischenprodukte. Nur elf der 45 neuen Krebsmittel, die seit 2002 auf den Markt kamen, erreichten bisher Blockbuster-Status, das heißt mehr als eine Milliarde Dollar Jahresumsatz. Bei den ersten dieser Produkte, so bei Eloxatin gegen Darmkrebs, naht schon bald der Patentablauf.

Immerhin deutet sich ein leicht positiver Trend bei den Neuzulassungen an. Im vergangenen Jahr schafften es in den USA sieben völlig neue Wirkstoffe auf den Markt - so viele wie seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr. Im laufenden Jahr könnte es vier bis fünf weiteren Produkten gelingen, grünes Licht zu erhalten.

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