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14.03.2014

13:14 Uhr

Krim-Krise

Deutsche Firmen in Russland werden nervös

Die Unruhe bei deutschen Firmen mit Sitz in Russland wird angesichts der Krim-Krise größer. Verträge würden zunehmend auf Eis gelegt, klagt die Außenhandelskammer. Sie warnt vor den Risiken von Wirtschaftssanktionen.

Der Rubel hat seit Beginn der Krise vor drei Wochen mehr als vier Prozent an Wert zum Euro verloren. Ein „gigantisches Problem“, sagt Michael Harms. picture-alliance

Der Rubel hat seit Beginn der Krise vor drei Wochen mehr als vier Prozent an Wert zum Euro verloren. Ein „gigantisches Problem“, sagt Michael Harms.

BerlinDie drohende Sanktionsspirale wegen des Ukraine-Konflikts macht die gut 6000 deutschen Firmen in Russland immer nervöser. Inzwischen legen einige Unternehmen bereits Vereinbarungen mit russischen Partnern auf Eis und stellen Geschäftspläne zurück. „Das betrifft Verträge, die erst einmal aufgeschoben werden, Gespräche, die gestoppt worden sind“, erläutert der Geschäftsführer der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer, Michael Harms, in Moskau am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

„Die deutschen Firmen hier sind zutiefst beunruhigt - ich würde sogar sagen die europäische Wirtschaft“, beschreibt er das aktuelle Stimmungsbild. Schwierigkeiten im täglichen Umgang mit russischen Behörden und Institutionen gebe es für die Unternehmen allerdings bislang keine.

Als „gigantisches Problem“ bezeichnet Harms die Kursverluste des russischen Rubel, der seit Beginn der Krise vor drei Wochen mehr als vier Prozent an Wert zum Euro verloren hat. Die meisten Firmen rechneten damit, dass es mit dem Kurssturz in den nächsten Wochen noch weitergehen werde. Der Westen hat mit schärferen Wirtschaftssanktionen gedroht, sollte die Bevölkerung auf der ukrainischen Halbinsel Krim am Sonntag wie geplant über einen Anschluss an Russland abstimmen.

Russland hat seinerseits Gegenmaßnahmen angekündigt. Bei Investoren habe Russland wegen der Krise bereits an Vertrauen eingebüßt, betont Harms. „Ich hoffe sehr, dass man sich in letzter Sekunde noch auf einen Kompromiss einigt. Es wäre wichtig, wenn man erst einmal Zeit gewonnen hätte und dann doch direkte Verhandlungen beginnt.“

Krim-Krise alarmiert osteuropäische Länder

Polen

Polen hat sich als Nachbar der Ukraine früh an die Spitze der Initiativen gegen Russland gestellt. Präsident Bronislaw Komorowski forderte wegen des russischen Eingreifens in der Ukraine „Konsultationen gemäß Artikel 4 des Nato-Vertrages“. Dieser regelt das Vorgehen, wenn ein Mitgliedstaat die Unversehrtheit des Nato-Gebiets oder die Sicherheit bedroht sieht. Die Sicherheit Polens sei zwar nicht direkt bedroht, Russland habe aber zweifellos das Völkerrecht gebrochen, sagte Komorowski.

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski verurteilte die „Verletzung der ukrainischen Grenze“: „Weder Polen noch die Welt kann das tolerieren. Denn wir wissen, dass das Raubtier durch das Fressen immer noch mehr Appetit bekommt. Für die freie Welt ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein.“

Tschechien

Die Mitte-Links-Regierung in Prag verurteilte die „schleichende Besetzung“ der Schwarzmeer-Halbinsel Krim als einen Akt der Aggression. Er erinnere an den Sowjet-Einmarsch in Prag 1968. Der russische Botschafter wurde ins Außenamt zitiert, der nationale Sicherheitsrat kam zusammen. Auf EU-Ebene plädiert Tschechien für ein härteres Vorgehen gegen Russland und fordert einen sofortigen Stopp der Verhandlungen über Visa-Erleichterungen. Wirtschaftliche Sanktionen lehnt Ministerpräsident Bohuslav Sobotka indes ab, weil sie beide Seiten treffen würden.

Baltikum

Nach der russischen Aggression in der Ukraine wächst auch die Sorge in den drei kleinen Baltenstaaten Estland, Lettland und Litauen. Unmittelbar nach Beginn der Krim-Krise riefen sie ihre Nationalen Sicherheitsräte ein und verurteilten in scharfer Tonlage das Vorgehen Moskaus. Führende Politiker kritisierten auch die Reaktion der internationalen Gemeinschaft im Ukraine-Konflikt mitunter als „zögerlich“, „zu langsam“ und „feige“.

In allen drei Ländern diskutiert die Öffentlichkeit, inwieweit der Westen tatsächlich bereit wäre einzugreifen, sollte Russland etwa zum Schutz der starken russischen Minderheiten in Estland und Lettland ins Baltikum einmarschieren. Dabei überwiegt die Überzeugung, dass das militärische Machtstreben des Kremls an den Grenzen der drei EU- und Nato-Länder haltmachen würde. „Wir sind bereit, uns selbst zu verteidigen, und wir werden von der Nato geschützt“, sagte Litauens Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite bei einer Visite auf dem litauischen Militärflugplatz in Zokniai. Dort werden die USA auf gemeinsame Bitte der drei Länder zusätzliche Kampfjets für die Nato-Mission zur Sicherung des baltischen Luftraums stationieren.

Slowakei

Die Slowakei befindet sich als direktes Nachbarland der Ukraine in einer Zwickmühle. Einerseits verurteilte Regierungschef Robert Fico den russischen „Bruch des Völkerrechts“ und betonte mehrfach, sein Land werde alle Maßnahmen der EU gegen Russland mittragen. Auch an einer OSZE-Inspektionsgruppe in der Ukraine beteiligt sich die Slowakei. Andererseits würden Wirtschaftssanktionen auch die Slowakei selbst treffen. Nicht nur wegen ihrer Abhängigkeit von russischen Gasimporten, sondern auch weil der russische Markt für slowakische Firmen - allen voran Volkswagen Slovakia als größter Exporteur – immer wichtiger wird.

Bulgarien

Bulgarien fürchtet wegen des Ukraine-Konflikts um seine Energielieferungen aus Russland. Ein Krisenstab wurde einberufen, um die Risiken zu erörtern. Das EU-Land ist im Energiebereich noch immer fast komplett von Russland abhängig. Die Regierung der Sozialisten wollte wohl deswegen eine Stellungnahme zum Ukraine-Konflikt abwarten und sehen, was der EU-Sondergipfel beschließt. Der bürgerliche Staatschef Rossen Plewneliew verurteilte dagegen die „Anwendung militärischer Gewalt zur Okkupation von fremden Staatsgebieten“. In der Ukraine leben mehr als 200 000 ethnische Bulgaren, die auf den Gebrauch der Muttersprache bestehen.

Er warnt vor den Risiken von Wirtschaftssanktionen. „Das würde die falschen Leute treffen, die russische Industrie, die Bevölkerung.“ Wenn es zu Beschränkungen im Handelsverkehr käme, würde das zudem vor allem den deutschen Konkurrenten auf dem Weltmarkt dienen. „Ich glaube, unsere asiatischen Konkurrenten sitzen jetzt schon da und reiben sich die Hände und hoffen auf neue Aufträge aus Russland“, sagt Harms.

Dass Russland bei schärferen Strafmaßnahmen der Europäer mit Beschränkungen der Gas- oder Öllieferungen in den Westen reagieren könnte, hält Harms für „völlig unrealistisch“. Enteignungen, über die zuletzt spekuliert worden waren, sieht er ebenfalls nicht. „Ich halte das in der heutigen Zeit für eigentlich fast ausgeschlossen“, betont Harms. „Das wäre nun wirklich das Horrorszenario schlechthin, der Super-Gau.“

Deutschland und Russland haben zuletzt Waren im Gesamtwert von rund 76 Milliarden Euro ausgetauscht. Von Exporten in das osteuropäische Land sind in Deutschland nach Angaben des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft rund 300.000 Arbeitsplätze abhängig. Zudem kommen aus Russland rund ein Drittel der deutschen Importe an Öl und Gas.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

14.03.2014, 13:49 Uhr

Hier gehackte Mails ueber eine geplante False-Flag Operation auf der KRIM:
http://tribunal-popular.eu/index.php

Account gelöscht!

14.03.2014, 14:47 Uhr

Zitat : Die drohende Sanktionsspirale wegen des Ukraine-Konflikts macht die gut 6000 deutschen Firmen in Russland immer nervöser.

- vor allem sollte diese Spirale die Verantwortlichen für die 400.000 von Russland abhängigen Jobs bei uns nervös machen.

Und die Verantwortlichen der EUtopia für den Wegfall der Handelsbilanz mit Russland um die 400 Mrd. € !

Und sie wissen doch nicht, was sie tun.....?!

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