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03.04.2012

16:01 Uhr

Krise der Solarbranche

Q-Cells stellt Insolvenzantrag

ExklusivNun ist es amtlich: Q-Cells ist pleite. Dem einst größten deutschen Solarkonzern steht eine harte Sanierung bevor. Dabei könnte auch der Staat helfen. Solarworld-Chef Asbeck erwartet eine lange Leidenszeit der Branche.

Anwalt der Minderheitsgläubiger

Q-Cells-Berater haben versagt

Anwalt der Minderheitsgläubiger: Q-Cells-Berater haben versagt

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Bitterfeld-WolfenQ-Cells aus dem ostdeutschen Bitterfeld-Wolfen mit seinen rund 2300 Mitarbeitern stellte am Dienstagmittag beim Amtsgericht Dessau Insolvenzantrag, wie ein Sprecher des Gerichts bestätigte. Der Rechtsanwalt Henning Schorisch aus Halle (Saale) wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt, wie eine Sprecherin des Amtsgerichts weiter mitteilte.

Entmutigt von einem Gerichtsurteil zum inzwischen insolventen Holzverarbeiter Pfleiderer hatte Q-Cells-Chef Nedim Cen seine Sanierungspläne aufgegeben und keine Alternative zu einer Insolvenz gesehen.

Q-Cells wollte sich unter anderem dadurch sanieren, dass Anleihe-Gläubiger dem Unternehmen einen Zahlungsaufschub gewähren und auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten sollten. Gegen diesen Plan hatte ein Q-Cells-Gläubiger Klage beim Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt eingereicht.

Q-Cells Chronologie

1999

Die Q-Cells AG wird von drei Ingenieuren gegründet.

2000

In Thalheim bei Bitterfeld wird mit dem Bau der ersten Produktionslinie begonnen.

2001

Das sogenannte Start-up-Unternehmen beschäftigt 19 Mitarbeiter, die ersten Solarzellen laufen vom Band.

2002

Die Zahl der Beschäftigten steigt auf 82, das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen.

2004

484 Frauen und Männer arbeiten bei Q-Cells, das sich an der australischen Solarfirma CSG Solar beteiligt.

2005

Im Herbst geht das Unternehmen an die Börse, im selben Jahr wird das Joint Venture EverQ gegründet, das heute als Sovello GmbH firmiert und als eigenständiges Unternehmen am Markt agiert - 2007 wächst das Unternehmen weiter und beschäftigt mehr als 1.700 Mitarbeiter.

2007

Das Unternehmen wächst weiter und beschäftigt mehr als 1.700 Mitarbeiter.

2008

Die Gesamtkapazität erreicht 574 Megawattpeak, Q-Cells gilt als der weltweit größte Hersteller von Solarzellen.

2009

Q-Cells verlagert Teile der Produktion nach Malaysia und nimmt dort die Produktion von kristallinen Solarzellen auf.

2010

Das Unternehmen ändert sein Geschäftsmodell und wandelt sich vom bisherigen Hersteller von Solarzellen zum Anbieter von Photovoltaik-Lösungen.

2011

Q-Cells rutscht in tiefrote Zahlen. Das überschuldete Unternehmen macht einen Verlust von 846 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,02 Milliarden Euro.

Das Produktionsvolumen beträgt indes 783 Megawattpeak, davon entfallen 717 Megawattpeak auf die Produktion von Solarzellen, von denen rund 60 Prozent im malaysischen Werk produziert wurden.

2012

2012 stand Q-Cells vor einem Schulden- und Kapitalschnitt. Nach Konzernplänen sollten die Gläubiger keine Rückzahlung bei Fälligkeit der Anleihen erhalten, sondern diese im Rahmen des Schulden- und Kapitalschnitt einbringen. Sie hätten damit auf ihre Ansprüche in Höhe von zusammen mehr als 550 Millionen Euro gegenüber Q-Cells verzichtet. Im Gegenzug sollten sie Aktien erhalten. Doch der Plan scheiterte.

Q-Cells will am 3. April einen Insolvenzantrag stellen. Q-Cells beschäftigt derzeit 2.300 Menschen, davon 500 in Malaysia.

Das Ende 1999 gegründete Unternehmen galt lange als Vorzeigeprojekt für die Ansiedlung von Zukunftstechnologien in Sachsen-Anhalt. Q-Cells startete 2001 mit anfangs nur 19 Mitarbeitern die Produktion von Silizium-Solarzellen. Zuletzt arbeiteten mehr als 2000 Beschäftigte bei dem Solaranlagenbauer. Derzeit kriselt die gesamte Solarbranche in Deutschland, die Pleite von Q-Cells ist bei weitem nicht die erste Insolvenz einer Solarfirma.

Das OLG Frankfurt hatte am vergangenen Dienstag bereits die Sanierungspläne von Pfleiderer gekippt, die ähnlich wie bei Q-Cells unter anderem den Verzicht der Anleihegläubiger auf ihre Ansprüche vorsahen. Nach dem abschlägigen Gerichtsurteil meldete Pfleiderer Insolvenz an.

Die Solarbranche wird aus Sicht von Solarworld-Chef Frank Asbeck bis ins kommende Jahr unter dem harten Preiskampf leiden. „Erst für 2013 erwarte ich eine Entspannung“, sagte Asbeck dem Handelsblatt. Schließlich wollten die Chinesen auch Geld verdienen.

Die Wettbewerber aus Fernost – allen voran Yingli, Trina, Suntech und LDK Solar – haben mit niedrigen Preisen den weltweiten Solarmarkt aufgerollt. Jüngstes Opfer dieses Preiskampfes ist Q-Cells. Nach Angaben aus dem Markt haben die Chinesen die Preise für ihre Solarmodule zur Jahresmitte noch einmal gesenkt, der Druck wird also hoch bleiben.

Asbeck sieht sein Unternehmen nicht gefährdet, auch wenn der Konzern im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen schrieb. „Wir haben eine Liquidität von 500 Millionen Euro“, sagte der Firmengründer. Solarworld müsse also nicht hektisch auf die Entwicklungen reagieren. Er betonte, dass das Unternehmen unverändert im laufenden Jahr einen operativen Gewinn anstrebe. Leicht wird dies angesichts der jüngsten Preisankündigungen aus China aber nicht.

Für das kommende Jahr rechnet Asbeck mit einer Entspannung. Er verwies auf Aussagen der chinesischen Staatsführung, wonach man nicht auf Dauer Verluste in seiner Solarindustrie akzeptieren wolle. Konkurrent Yingli hatte einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe, Suntech sogar von einer Milliarde Dollar im vergangenen Jahr ausgewiesen. Nach Einschätzung von Branchenkennern liegen die aktuellen Preise der asiatischen Produzenten unter den Herstellungskosten. Künftige Verluste sind also programmiert.

Kommentare (2)

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zarakthuul

03.04.2012, 14:14 Uhr

„Erstmals seit dem Börsengang 2005 erwarten wir nach den uns vorliegenden vorläufigen Zahlen im ersten Quartal einen positiven Netto-Cashflow“, erklärte Comberg.

Das nenne ich doch mal gezielte Anlegertäuschung!

Account gelöscht!

03.04.2012, 16:12 Uhr

"Erstmals seit dem Börsengang 2005 erwarten wir nach den uns vorliegenden vorläufigen Zahlen im ersten Quartal einen positiven Netto-Cashflow"

Dies kommt sicherlich von den Erloesen der Anlagenverkaeufe ;-)

Die sonderbare Subvention von irgend welchen Politikern wird ja hoffentlich vom Tisch sein, auch wenn diese Menschen weiterhin auf ihrem fragwuerdigen Sessel sitzen (bleiben).

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