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27.09.2012

09:22 Uhr

Krise in Frankreichs Autoindustrie

Salon der Tristesse für PSA und Renault

Der Pariser Autosalon ist für die französische Autoindustrie in diesem Jahr kein Grund zum Feiern. Der Absatz schrumpft, die Konkurrenz drängt. Besonders für Peugeot-Citroën sieht es nicht gut aus.

Spaktakuläres 600-PS-Schaustück, mit null Chancen auf Serienfertigung: Peugeots Studie Onyx. Pressefoto

Spaktakuläres 600-PS-Schaustück, mit null Chancen auf Serienfertigung: Peugeots Studie Onyx.

ParisDer Pariser Autosalon ist ein Heimspiel für die französische Industrie – unter normalen Umständen. Doch in diesem Jahr ist niemandem zum Feiern zumute. Der französische Automarkt schrumpft, und die gesamte Branche steckt in einer Anpassungskrise. Leidtragender ist vor allem der größte französische Hersteller Peugeot-Citroën (PSA). Vergangene Woche stufte die Agentur Fitch das Rating des Unternehmens herab, weil die Experten damit rechnen, dass auch 2013 ein Absatzrückgang droht und das von der Familie Peugeot dominierte Unternehmen bis Ende 2014 weniger flüssige Mittel einnehmen als ausgeben wird.

Zu Beginn des Monats flog PSA sogar aus dem Leitindex CAC 40, weil seine Börsenkapitalisierung nur noch rund zwei Milliarden Euro beträgt. In nur rund einem Jahr hat Europas zweitgrößter Autobauer damit fünf Milliarden Euro an Wert verloren.

Während Frankreichs Autobranche ihre Wunden leckt, stellt die ausländische Konkurrenz die meisten Neuheiten der Messe: der neue VW Golf, der Opel Kleinwagen Adam, der neue Ford Mittelklassewagen Mondeo oder der Toyota Kompaktwagen Yaris. Bei den Franzosen gibt es bis auf den Kleinwagen Renault Clio und einen gelifteten Peugeot-Sportwagen RCZ wenig nennenswerte Neuheiten.

Auf dem PSA-Stand kann man Ursachen des Leids besichtigen: zu viele Modelle in der Kleinwagen- und Mittelklasse, die zudem mit hohen Kosten überwiegend in Frankreich fabriziert werden; praktisch keine Autos in der Oberklasse und wenige Modelle, die sich durch Design, Image und Qualität so abheben, dass PSA dafür einen höheren Preis erzielen könnte. So erklärt sich, dass der Marktanteil des Konzerns in Europa auf 11,4 Prozent gesackt ist. 2010 machte er noch 12,7 Prozent aus.

Eine weitere Ursache ist der Zusammenbruch des Automarkts in Südeuropa, der die Franzosen stärker erwischt als ihre mehr internationalisierten deutschen Konkurrenten. 73 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet PSA in Europa. Bei Renault sieht es etwas besser aus, hier stammen nur noch 65 Prozent des Umsatzes aus Europa.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hält Renault zugute, dass die Kapazitätsauslastung „mit weltweit 87 Prozent auf dem Niveau guter Wettbewerber“ liege. Der Konzern habe seine Produktion rechtzeitig nach Brasilien, Rumänien, in die Türkei und nach Marokko verlagert. PSA dagegen lastet seine Werke nur noch zu 76 Prozent aus.

Das CAR Center der Universität Duisburg-Essen sagt voraus, der Kernmarkt der Franzosen werde weiter schrumpfen. „Die Automärkte in Südeuropa befinden sich im ungebremsten Fall“, heißt es in einer Studie. Die Experten erwarten, dass 2013 das schlechteste Verkaufsjahr in Westeuropa seit 1993 wird – mit 11,6 Millionen Auto-Verkäufen nach 11,9 Millionen in diesem Jahr.

PSA versucht nun, sich stärker vom Billigsegment abzuheben. Dazu dient vor allem die DS-Baureihe bei Citroën. Doch die Erfolge stellen sich nicht so rasch ein, wie es wünschenswert wäre. Und die Allianz mit der Opel-Mutter GM, die PSA Anfang des Jahres geschlossen hat, wirkt sich nur langsam rentabilitätssteigernd aus.

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Der neue VW Golf wird gerade auf dem Pariser Autosalon ins Rampenlicht gerollt und ist noch nicht bei den Händlern angekommen, da wird im Internet schon mit Nachlässen geworben. Die Angebote schaden dem Autobauer.

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