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29.06.2013

14:48 Uhr

Krise

Thyssen-Krupp geht ans Eingemachte

Der angeschlagene Konzern kommt nicht zur Ruhe: Nach dem Milliardendesaster mit den Übersee-Werken, Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen rückt nun die Zukunft der europäischen Stahlsparte ins Rampenlicht.

Abstich im Hüttenwerk Krupp Mannesmann (HWK) in Duisburg. Das Werk gehört zu 50 Prozent der Thyssen Krupp Steel AG. Es gibt Gerüchte, der Konzern wolle sich von seiner europäischen Stahlsparte trennen. dpa

Abstich im Hüttenwerk Krupp Mannesmann (HWK) in Duisburg. Das Werk gehört zu 50 Prozent der Thyssen Krupp Steel AG. Es gibt Gerüchte, der Konzern wolle sich von seiner europäischen Stahlsparte trennen.

DüsseldorfKaum ein Tag, an dem nicht über einen Verkauf der Sparte oder eines Teils spekuliert wird. Einige Bereiche stehen bereits zur Disposition, will Vorstandschef Heinrich Hiesinger doch neben dem ohnehin geplanten Abbau von 2000 Jobs womöglich weitere 1800 Stellen durch die Veräußerung von Beteiligungen abstoßen. Darunter sind Werke des Bereichs Electrical Steel in Gelsenkirchen, Frankreich und Indien. Mit einem Verkauf der kompletten Stahlsparte würde der Traditionskonzern ein Herzstück verlieren und sich auf das Geschäft mit Aufzügen, Anlagen, Autoteilen und U-Booten konzentrieren.

Thyssen-Krupp prüfe einen Teilverkauf der europäischen Stahlsparte, berichtete am Samstag die "Rheinische Post". "Entsprechende Möglichkeiten werden gerade sondiert", zitierte die Zeitung Aufsichtsratskreise. Am Vortag hatte die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, dass es nach dem beschlossenen Verkauf der Übersee-Stahlwerke auch Überlegungen zur Trennung vom gesamten Stahlgeschäft mitsamt der 27600 Beschäftigten in Europa gebe. Eine solche Möglichkeit hatten in der Vergangenheit auch Investmentbanker gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ins Spiel gebracht. Der Konzern hatte dies strikt zurückgewiesen.

Gebeutelter Stahlkonzern: Die Dauerbaustelle Thyssen-Krupp

Gebeutelter Stahlkonzern

Die Dauerbaustelle Thyssen-Krupp

Vorstandschef Hiesinger krempelt den angeschlagenen Stahlriesen um. Doch die Krise von Thyssen-Krupp ist noch lange nicht ausgestanden. Hiesinger sucht etwa händeringend einen Käufer für das Pleitewerk in den USA.

Auch am Samstag wollte die Konzernzentrale die Berichte nicht kommentieren. Sie verwies auf Aussagen Hiesingers, wonach eine Trennung vom europäischen Stahlgeschäft nicht geplant sei. "Ich habe immer gesagt, wir haben kein Stahlproblem. Wir haben ein Problem mit Steel Americas", hatte der Manager betont. Ganz neu wären Überlegungen zur Aufgabe des Geschäfts allerdings nicht. Im Jahr 2000 wollte Thyssen-Krupp den Stahlbereich an die Börse bringen, zog die Pläne aber kurzfristig zurück.

Die Arbeitnehmervertreter sehen Hiesinger im Wort. "Ich habe überhaupt keine Hinweise darauf, dass ein Komplettverkauf oder von größeren Teilen geplant ist", sagte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath zu Reuters. Sollte dies hinter dem Rücken der Arbeitnehmervertreter vorbereitet werden, wäre das ein Unding. Segerath sitzt auch im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp. Der Konzern plane eine strategische Weiterentwicklung des Geschäfts, fügte er hinzu. Die Arbeitnehmer seien immerhin bereit, Managementfehler der Vergangenheit mit auszubügeln. "Es wäre fatal, wenn Thyssen-Krupp aus dem Stahl aussteigt." Auch der Gesamtbetriebsratschef von Thyssen-Krupp Steel Europe, Günter Back, hatte bereits erklärt, Hiesingers Zusagen zu vertrauen. "Wir haben keine Indizien, dass sich Thyssen-Krupp von Steel Europe trennen will."

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

29.06.2013, 16:36 Uhr

Ein solches Desaster passierte nur, weil der vornehme Herr Cromme alles tat, um selber im Rampenlicht zu stehen - nur leider dabei seiner AR-Tätigkeit bei TK nicht mehr nachkam.

Bin gespannt, wann der bei Siemens fliegt. Wäre dringend angeraten - im hohen Bogen.

Dort hat er ganz oben einen Branchenfremden installiert, der sich - nach einer kurzen Einarbeitungszeit von nunmehr 6 Jahren - ebenfalls nicht im eigenen Haus auskennt. Wie sein Ziehvater Cromme.

Nachwuchs

29.06.2013, 18:54 Uhr

Desaster? Haben wieder dir hochbezahlten Manager vorsätzlich versagt und die Mitarbeiter sollen dies ausbaden? Gibt es Gründe, warum die Manager nie haften bzw. nie Ersatz leisten müssen, sonder nur der normale Mitarbeiter "bluten" muss?

Nachwuchs

29.06.2013, 18:56 Uhr

Desaster? Wieder schweigen und unterstützen die Betriebsräte, Gewerkschafter diesen Kurs und schweigen statt Einspruch zu erheben?

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