Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.03.2014

10:26 Uhr

Kriselnder Stahlkonzern

Thyssen-Krupp stellt Gleistechnik ein

Erst sollte es verkauft werden, jetzt wird es ganz eingestellt: Der traditionsreiche Stahlkonzern Thyssen-Krupp will sein prestigeträchtiges Gleistechnik-Geschäft aufgeben. Hunderte Arbeitsplätze sollen betroffen sein.

Wolken ziehen über der Unternehmens-Zentrale von Thyssen-Krupp auf: Angaben der „WAZ“  zufolge will der Essener Stahlkonzern seine Gleistechnik-Sparte aufgeben. dpa

Wolken ziehen über der Unternehmens-Zentrale von Thyssen-Krupp auf: Angaben der „WAZ“ zufolge will der Essener Stahlkonzern seine Gleistechnik-Sparte aufgeben.

EssenDer angeschlagene Thyssen-Krupp -Konzern treibt mit der Schließung des Gleistechnikgeschäfts den Stellenabbau voran. Bis zu 260 Mitarbeiter sind von der Aufgabe des Bereichs betroffen, der durch illegale Preisabsprachen des sogenannten Schienenkartells in die Schlagzeilen geraten war. Der Personalabbau solle „möglichst sozialverträglich“ voraussichtlich bis zum Ende des Geschäftsjahres 2014/15 umgesetzt werden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Thyssen-Krupp hatte die Tochter eigentlich verkaufen wollen, stieß dabei aber nur auf verhaltenes Interesse.

Im Mai 2013 hatte Thyssen-Krupp angekündigt, den Kartellsünder abzustoßen. Die Gleistechnik hatte illegal Preise mit anderen Herstellern wie der österreichischen Voestalpine und dem Bahntechnikkonzern Vossloh abgesprochen und war deswegen vom Bundeskartellamt zu zwei Bußgeldern von insgesamt 191 Millionen Euro verdonnert worden. Mit der geschädigten Deutschen Bahn hatte sich der Konzern im Herbst auf eine Schadenersatzzahlung geeinigt, die sich nach Angaben von Insidern auf rund 150 Millionen Euro belief. Dem Konzern drohen weitere Forderungen von kommunalen Bahnbetreibern.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger hat Kartellverstößen im Konzern den Kampf angesagt. Den Verkauf des Gleistechnik hatte das Management allerdings vor allem mit den schlechten Geschäftsaussichten begründet. „Wir sehen für die Gleistechnik leider keine realistische Chance, langfristig einen wertschaffenden Beitrag zum Konzernergebnis leisten zu können“, sagte am Dienstag Bereichsvorstand Klaus Keysberg. Auch die erhaltenen Angebote hätten die wirtschaftlichen Anforderungen von Thyssen-Krupp nicht erfüllt.

Das Geschäftsjahr 2012/2013 von Thyssen-Krupp in Zahlen

Components Technology

Im Geschäftsjahr 2012/2013 erzielte die Komponenten-Sparte (unter anderem Zuliefererteile für die Autoindustrie) ein bereinigtes Ebit von 244 Millionen Euro.

Elevator Technology

Die Aufzug-Sparte hat mit einem bereinigten Ebit von 675 Millionen Euro das beste Ergebnis aller Sparten von Thyssen-Krupp eingefahren.

Industrial Solutions

Die Sparte für Industrieanlagen steuerte 640 Millionen Euro zum Konzernergebnis bei.

Materials Services

Das bereinigte Ebit von Material Services lag 2012/2013 bei 236 Millionen Euro.

Steel Europe

Die von Überkapazitäten geprägte europäische Stahlsparte erwirtschaftete ein bereinigtes Ebit von 143 Millionen Euro.

Steel Americas

Bei der amerikanischen Stahl-Sparte sah es im Geschäftsjahr 2012/2013 düster aus, insgesamt stand ein Verlust von 495 Millionen Euro in den Büchern. Zumindest das Walzstahlwerk in Alabama konnte nach Ablauf des Geschäftsjahres für rund eine Milliarde Euro an Arcelor Mittal und Nippon Steel verkaufen.

Corporate

Hier fiel ein Verlust von 425 Millionen Euro an.

Die Gleistechnik verkauft als Handelsunternehmen Schienen, Schwellen und Weichen. Standorte sind unter anderem Essen und Bochum. Ursprünglich hatte Thyssen-Krupp auch die Bautechnik verkaufen wollen, die Maschinen und Geräte im Programm hat. Dieses Geschäft mit über 400 Mitarbeitern sei im Gegensatz zur Gleistechnik profitabel und solle nun im Konzern fortgeführt werden, teilte der Konzern mit. Zusammen erzielten beide Bereiche zuletzt einen Umsatz von 400 Millionen Euro.

Über den Stellenabbau in der Gleistechnik will das Management nun Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen. Thyssen-Krupp baut nach mehreren Milliardenverlusten in Folge Tausende Stellen ab. In der Stahlsparte sollen mehr als 2.000 Jobs wegfallen, in der Verwaltung rund 3.000. Für Streit mit Gewerkschaften und dem Betriebsrat sorgen zudem Pläne, zahlreiche Arbeitsplätze in Bereichen wie dem Personalwesen und der Datenverarbeitung zu streichen oder zu verlagern.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×