Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.07.2014

15:50 Uhr

Kriselndes Kreditinstitut

Vatikanbank legt ernüchternde Zahlen vor

Ob interne Konflikte oder persönliche Interessen der Grund sind, ist nicht bekannt. Klar ist nur: Ernst von Freyberg verlässt die Vatikanbank. Es bleiben sinkende Gewinne und Kundenzahlen – und ein Geldhaus im Umbruch.

Er hinterlässt schlechte Zahlen, weil er die Struktur der früheren Skandalbank Vatikanbank radikal anging: Ernst von Freyberg wollte reinen Tisch machen – das muss nun ein anderer beenden. Reuters

Er hinterlässt schlechte Zahlen, weil er die Struktur der früheren Skandalbank Vatikanbank radikal anging: Ernst von Freyberg wollte reinen Tisch machen – das muss nun ein anderer beenden.

RomDer deutsche Chef der Vatikanbank, Ernst von Freyberg, gibt sein Amt nach nur knapp eineinhalb Jahren auf. Das einst von Geldwäsche-Skandalen erschütterte Institut bleibt auch nach dem Abgang des Sanierers im Umbruch. „Mit dem Abschluss der ersten Phase des Reformprozesses sind wir nun in der Lage, unter einer neuen Führung die zweite Phase zu beginnen“, erklärte der Leiter der Finanzbehörde des Vatikans, Kardinal George Pell, am Dienstag bei der Veröffentlichung des Jahresberichts. „Ich möchte Ernst von Freyberg und dem gesamten Rat für die große Einsatzbereitschaft danken.“ Der 55-Jährige hatte das Amt im März 2013 übernommen.

Die neue Spitze des Istituto per le Opere di Religione (Institut für die religiösen Werke/IOR) und die Zukunftspläne sollen am Mittwoch vorgestellt werden. Als wahrscheinlicher Kandidat für die Nachfolge des deutschen Bankers gilt der Franzose Jean-Baptiste de Franssu. Von Freyberg bilanzierte, das IOR sei an internationale Standards angepasst und transparenter gemacht worden. „Mit dieser Arbeit haben wir die Grundlage geschaffen für ein neues Team, das das IOR zu einem wirklichen Service-Anbieter für katholische Finanzen machen kann.“

Nach Geldwäsche-Skandalen: Vatikan-Bank steht vor Total-Umbau

Nach Geldwäsche-Skandalen

Vatikan-Bank steht vor Total-Umbau

Insidern zufolge wird die Vatikan-Bank massiv zusammengestutzt. So soll der Investment-Arm abgestoßen, das Vermögen des Heiligen Stuhls ausgelagert und der Chef, ein Deutscher, ausgewechselt werden.

Der Deutsche hatte das Amt als Präsident im März 2013 noch unter Papst Benedikt XVI. angetreten und einen radikalen Reformprozess eingeleitet, der unter anderem die systematische Überprüfung aller Konten der Bank beinhaltete. In Folge dessen sank die Kundenzahl von rund 18.900 im Jahr 2012 auf 15.495 im Juni 2014. Der „sehr schmerzhafte, aber notwendige Prozess“ habe dazu beigetragen, dem IOR eine „unbelastete Zukunft zu ermöglichen“, erklärte von Freyberg.

Der Gewinn der Vatikanbank ist im Jahr 2013 kräftig gesunken: Auf 2,9 Millionen Euro von 86,6 Millionen Euro im Vorjahr. Gründe für den Gewinneinbruch seien unter anderem Investitionen in externe Investment-Fonds sowie die Ausgaben für den Reformprozess, erklärte das Institut in seiner Bilanz, die es zum zweiten Mal veröffentlicht hat. Für das erste Halbjahr 2014 rechnet die Bank mit einem Gewinn von 57,4 Millionen Euro.

Insgesamt 54 Millionen Euro hat das IOR dem Jahresbericht zufolge im vergangenen Jahr zum Haushalt des Vatikans beigetragen, die Bank verwaltete zum Jahresende ein Vermögen von 5,9 Milliarden Euro. Die Vatikanbank ist in ihrer langen Geschichte immer wieder mit Skandalen in Verbindung gebracht worden und stand wegen ihres Finanzgebarens wiederholt in der Kritik. Erst im April hatte Papst Franziskus entschieden, auch in Zukunft an dem Geldhaus festhalten zu wollen.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Kurt Siegel

08.07.2014, 16:35 Uhr

Der Vatikan benötigt keine eigene Bank, er sollte sich endlich vermehrt sich um das Seelenheil seiner Gläubigen kümmern und darf keine Bankgeschäfte tätigen !!

Die Vatikanbank muß daher abgewickelt werden, das Vermögen der kath. Kirche (auch aus seinerzeitigem Ablasshandel generiert) sollte von der Vermögensverwaltung einer professionellen Drittbank betreut werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×