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02.01.2010

10:00 Uhr

Krisenfest

Telekomfirmen und Versorger kümmert Krise kaum

VonMarkus Hennes, Susanne Schier

Die beiden Branchen sind nur wenig von der Konjunktur abhängig und haben ihre Hausaufgaben gemacht. Profitiert haben sie auch von der expansiven Geldpolitik der Zentralbank und dem niedrigen Zinsniveau.

Gut aufgestellt: Telekomunternehmen und Energieversorger können sich entspannt zurücklehnen. Quelle: ap

Gut aufgestellt: Telekomunternehmen und Energieversorger können sich entspannt zurücklehnen.

DÜSSELDORF. Die Europäische Zentralbank hat entschlossen auf die Krise reagiert und die Finanzmärkte reichlich mit Liquidität versorgt. 2009 wurden Euro-Unternehmensanleihen im Wert von mehr als 300 Mrd. begeben, so viel wie nie zuvor in diesem Jahrzehnt. Das im Vergleich zum vierten Quartal 2008 deutlich niedrigere Zinsniveau nutzen die meisten Konzerne in Europa für die vorzeitige Refinanzierung ihrer 2010 fällig werdenden Anleihen.

Insbesondere Telekomunternehmen und Energieversorger waren große Emittenten und können sich nun entspannt zurücklehnen. Einerseits haben sie ihren kurzfristigen Kapitalbedarf gedeckt, andererseits sind beide Branchen wenig konjunkturanfällig, auch in Krisenzeiten schwankt das operative Ergebnis kaum. So gehen die Analysten von Unicredit davon aus, dass sich die Umsätze der Telekomanbieter 2010 leicht verbessern werden. Wachstumstreiber seien Internetdienste über Fest- und Mobilfunknetz. Die Margen im traditionellen Telefongeschäft dürften sich weiter verringern. Insgesamt werden die Erträge leicht steigen, weil die Unternehmen ihre Kosten senken. Der Free Cash-Flow bleibt stabil, denn Mehreinnahmen werden häufig sofort reinvestiert.

Für LBBW-Analystin Bettina Deuscher sind langfristige Investitionen der entscheidende Faktor für die Bonität der Telekomfirmen, denn durch die EU-weiten Auktionen für Radio- und TV-Frequenzen sowie die erforderlichen Netzinvestitionen zur Sicherstellung der für den steigenden Datenverkehr erforderlichen Netzkapazitäten rechnet sie mit einem im Verhältnis zum Umsatz hohen Kapitaleinsatz. Die Deutsche Telekom etwa hat Investitionen teilweise verschoben, diese würden bei verbesserter Wirtschaftslage wohl nachgeholt. Die Verschuldung der Konzerne dürfte stabil bleiben, sofern sie sich mit Akquisitionen zurückhalten.

Operativ gut unterwegs sind auch die Energieversorger. "Wir rechnen für 2010 mit einem leichten Umsatzanstieg, der von einer stabilen Stromnachfrage sowie Konsolidierungseffekten getragen wird", heißt es bei der Unicredit. Die LBBW geht im nächsten Jahr von stabilen Strommargen aus. Unter Druck werden dagegen die Margen im Gasbereich bleiben. Probleme dürfte das jedoch eher kleineren Versorgern bereiten. Unicredit rechnet bei den meisten Unternehmen mit höherer Profitabilität.

Der Cash-Flow dürfte leicht zurückgehen - wegen der etwas höheren Zinsbelastung und weil sich das Nettoumlaufvermögen nicht weiter abbauen lässt. Die in neue Kraftwerke investitierten Mittel dürften erst in einigen Jahren wieder zurückfließen. Weitere Neubauten werden vor allem bei den großen Versorgern zu einem negativen Free Cash-Flow führen, der laut Unicredit etwas besser ausfallen wird als 2009. Durch den Verkauf von Unternehmensteilen werden die Konzerne Liquidität sichern und die Nettoschulden reduzieren. Die Anleiheemissionen der großen europäischen Versorger betrugen 2009 knapp 80 Mrd. Euro. Damit dürfte der Refinanzierungsbedarf in den nächsten zwei Jahren gedeckt sein.

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