Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.08.2011

12:08 Uhr

Krisenszenario

10.000 Stellen bei Eon in Gefahr

Deutschlands Atomausstieg belastet die Bilanz des Energiekonzerns Eon. Darum will der Stromriese nun sparen - auch an Personal. Weltweit sollen bis zu 10.000 Stellen abgebaut werden, davon ein Drittel in Deutschland.

Die Firmenzentrale der Eon Ruhrgas AG in Essen. Quelle: dapd

Die Firmenzentrale der Eon Ruhrgas AG in Essen.

MünchenBei Deutschlands größtem Energiekonzern E.ON droht nach dem beschleunigten Atomausstieg ein massiver Stellenabbau. Das Unternehme erwäge die Streichung von bis zu 10.000 Stellen weltweit, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (“SZ“) am Samstag - das wären mehr als zehn Prozent der gesamten Belegschaft. Damit würde der Umbau des Konzerns viel härter ausfallen als bisher bekannt - zuletzt war in Medienberichten nur von der Streichung einiger hundert Stellen die Rede. 

E.ON wollte den Bericht nicht kommentieren, bekräftigte allerdings die Aussagen der vergangenen Tage. „Vor dem Hintergrund der veränderten Rahmenbedingungen prüft E.ON derzeit mögliche Anpassungen der Strategie und der Aufstellung des Unternehmens“, sagte ein Sprecher am Samstag. „Entscheidungen sind aber noch nicht gefallen.“ 

Konzernbetriebsratschef Hans Prüfer ist empört. „Ich bin geschockt und enttäuscht, was in den Medien gestreut wird“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. „Der Vorstand muss dringend für Klarheit sorgen. Der Vorstand muss seine Pläne auf den Tisch legen.“ Der Aufsichtsrat soll laut „SZ“ möglicherweise bereits auf einer Sitzung Anfang der Woche über die Abbaupläne informiert werden. Etwa ein Drittel der Stellenstreichungen könnten dabei auf Deutschland entfallen. 

„Bis jetzt ist das alles reine Spekulation“, sagte Verdi-Energieexperte Sven Bergelin, der auch im Aufsichtsrat von E.ON sitzt. „Die Informationspolitik des Vorstands ist katastrophal. Wir werden daher auch Konsequenzen fordern“, kündigte er an. Nähere Angeben machte er dazu nicht. 

Konzernbetriebsratschef Prüfer hatte bereits am Freitag Alarm geschlagen und erklärt, E.ON-Chef Johannes Teyssen treibe einen radikalen Umbau des Versorgers voran. Aus dem Management sei verlautet, dass der Vorstand die Gesellschaften E.ON Ruhrgas in Essen, E.ON Kraftwerke in Hannover und E.ON Energie in München auflösen wolle. Bei den drei Unternehmen sind Tausende Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt hat E.ON in Deutschland rund 35.000 Mitarbeiter. Beim geplanten Arbeitsplatzabbau werde in den schlimmsten Szenarien von einer fünfstelligen Zahl betroffener Jobs ausgegangen, berichtete die „SZ“ unter Berufung auf Gewerkschaftskreise. Ein Personalabbau im vierstelligen Bereich gelte bereits als wahrscheinlich. 

E.ON legt in der kommenden Woche wie Konkurrent RWE Zahlen zum zweiten Quartal vor. Analysten rechnen mit Gewinneinbrüchen und der Rücknahme der Prognosen. E.ON macht die Abschaltung seiner ertragsreichen Atomkraftwerke Isar 1 und Unterweser zu schaffen. Zudem leidet das Gasgeschäft, in dem Ruhrgas jahrelang für Milliardengewinne sorgte, unter ungünstigen Verträgen mit Lieferanten wie dem russischen Konzern Gazprom. Nach einer Einkaufstour unter Teyssens Vorgänger Wulf Bernotat lastet auf dem Unternehmen außerdem ein milliardenschwerer Schuldenberg.

Von

rtr

Kommentare (18)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Real_Headhunter

06.08.2011, 09:53 Uhr

Als Shareholder erwarte ich von EON, dass als erstes dem TOP-Management angefangen bei Herrn Teyssen, die Bezüge um 90% gekürzt werden. Wenn der Vorstand nicht in der Lage ist, dass Unternehmen innovativ auszuprägen und an der fossilen und atomaren Unternehmenspolitik als einzige tatsächliche Einnahmequelle festgehalten hat, dann fällt dies m.E. unter verfehlte Unternehmenpolitik.
EON hat sicherlich mit vielen Fehlinvestitionen einen Milliardenbetrag in den Sand gesetzt. Dies einzig auf dem Rücken der Belegschaft auszutragen, ist falsch.
Als nächsten Kostenfresser wird man das Outsourcing der IT bei EON identifizieren. Eine vollkommen überflüssige, weil höchst ineffiziente Lösung, Unternehmensstrategie. Auch hier fallen wahrscheinlich nochmal ein paar tausend Jobs zum Opfer?
Als Shareholder schaue ich selbstverständlich auf die Entwicklung der Aktie sowie den jährlichen Dividendenzahlungen und anfallender Boni. Allerdings sind mir Unternehmensethik sowie langfristige nachvollziehbare Unternehmenspolitik ebenso wichtig. Sowohl mit Atomenergie als auch ohne kann ich nicht erkennen, was EON leistet. Es hat sich ein riesiger Wasserkopf aus ehemals kleinen Regionalfürsten gebildet, die den Anforderungen globaler Unternehmensausrichtung hinterherlaufen und überproportional überfordert sind. So etwas muss schief gehen!
Die Verantwortung liegt meist bei Aufsichtsrat und TOP-Managment und nicht den politischen Rahmenbedingungen. Wir dürfen gespannt sein, was noch alles kommt.

Eine perfide Schlussfolgerung, die man mir nachsehen möchte, insbesondere diejenigen, die ihren Job verlieren werden:

Wird der Strompreis angesichts des Jobcuts jetzt sinken?

FluchDerBoesenTat

06.08.2011, 10:35 Uhr

Wir müssen die 10.000 freigesetzen Mitarbeiter als 1 Euro-Jobber zum installieren von Windmühlen und Solarzellen
nutzen.

Ihr Hosenanzug

Mcqueen79

06.08.2011, 10:41 Uhr

Danke, Herr Bernotat!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×