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19.03.2012

16:15 Uhr

Kritik am Management

Opel-Mitarbeiter gehen auf Konfrontationskurs

Die Opel-Belegschaft wirft dem Rüsselsheimer Autobauer und US-Konzernmutter GM Hinhaltetaktik in der Debatte um Überkapazitäten, Werksschließungen und Verluste vor. Die Betriebsräte fordern „konstruktive Gespräche“.

Scharfe Kritik hagelt es für das Opel-Management. Reuters

Scharfe Kritik hagelt es für das Opel-Management.

HamburgDie Arbeitnehmer des angeschlagenen Autobauers Opel gehen auf Konfrontationskurs zum Management. In einer beispiellosen Erklärung forderten die Betriebsräte der Opel-Werke in Europa die Unternehmensleitung und den US-Mutterkonzern GM auf, „konstruktive Gespräche“ mit der Belegschaft aufzunehmen. Die Arbeitnehmervertreter werfen dem Rüsselsheimer Autobauer und GM Hinhaltetaktik in der Debatte um Überkapazitäten, Werksschließungen und Verluste vor. Das Management verweigere sich Gesprächen und setzte stattdessen auf das Motto „teile und herrsche“. Dadurch würden Standorte gegeneinander ausgespielt, kritisierten die Arbeitnehmer am Montag.

Von der Schärfe der Kritik war das Opel-Management sichtlich überrascht. Der Autobauer war erst nach etwa drei Stunden zu einer Stellungnahme in der Lage. Darin hieß es, das Management gehe davon aus, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer weiter an einem Strang zögen, um Opel auch unter schlechter werdenden Bedingungen profitabel zu machen. „Wir arbeiten an den notwendigen Strategien und werden informieren, sobald es etwas mitzuteilen gibt“, sagte ein Unternehmenssprecher. Bislang hatten Arbeitnehmer und Management stets betont, gemeinsam nach Wegen aus der anhaltenden Krise des Rüsselsheimer Autobauers zu suchen und sich öffentlich in Schweigen gehüllt. Nun geht der neue Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug offenbar in die Offensive.

Dazu beigetragen haben dürfte, dass Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke bis Sommer Vereinbarungen mit den Arbeitnehmern über weitere Einsparungen angekündigt und Werksschließungen dabei nicht kategorisch ausschließt. Auf dem Autosalon in Genf Anfang März hatte Stracke gesagt, Opel führe derzeit Gespräche mit den Gewerkschaften an allen Standorten.

Dem widersprachen die Arbeitnehmer nun indirekt: „Wir halten die Verweigerung von Gesprächen für nicht verantwortbar“, betonen sie an die Adresse des Managements. Nur durch vollständige Information und einen realistischen Unternehmensplan bis 2016 könne das Vertrauen der Arbeitnehmer zurückgewonnnen werden.

GM hatte sein Europageschäft eigentlich bis 2011 in die Gewinnzone führen wollen. Wegen des Nachfragerückgangs in Südeuropa rechnet GM inzwischen für dieses und das nächste Jahr mit noch größeren Problemen für Opel. Seit Wochen kursieren deshalb Spekulationen, GM wolle Werke in Europa schließen. Gleichzeitig arbeitet der US-Konzern an einem neuen Konzept, um das Europageschäft mit den Marken Opel und Vauxhall zu sanieren. Dazu hatte GM kürzlich mit dem französischen Autobauer Peugeot eine Allianz vereinbart. Die ersten Einsparungen durch gemeinsame Architekturen und den gemeinsamen Einkauf werden aber erst in einiger Zeit erwartet. Das erste gemeinsam entwickelte Auto soll 2016 auf den Markt kommen. Bis dahin müssen Opel und der ebenfalls schwächelnde Partner Peugeot aus eigener Kraft aus den roten Zahlen kommen.

Die noch knapp 40.000 Opel-Arbeitnehmer in Europa befürchten einen weiteren Personalabbau. Die Spekulationen über die Zukunft von Opel verstörten zudem die Kundschaft, erklärten die im Europäischen Arbeitnehmerforum zusammengeschlossenen Betriebsräte der europäischen Werke. Sie forderten GM abermals auf, Opel den Export von Fahrzeugen außerhalb Europas zu erlauben. Nur so sei möglich, die Absatzrückgänge in Europa auszugleichen. Grundlage der Gespräche seien die bestehenden Verträge sowie Zusagen des europäischen Managements und der GM-Vertreter bei Opel, dass sie offen für Vorschläge der Arbeitnehmer seien, betonten die Betriebsräte.

Von

rtr

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