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14.06.2013

02:45 Uhr

Kritik an Debatte

EADS-Chef will kein Geld mehr für Drohnen ausgeben

Tom Enders hat die Faxen dicke: Der EADS-Chef dreht bei der Entwicklung von Drohnen den Geldhahn zu. Für „Euro Hawk“ hatte EADS die Aufklärungstechnik entwickelt. Nun wetterte Enders gegen die deutsche Drohnen-Debatte.

Die Aufklärungstechnik für „Euro Hawk“ stammt von EADS. Reuters, Sascha Rheker

Die Aufklärungstechnik für „Euro Hawk“ stammt von EADS.

ParisEADS-Chef Thomas Enders hat scharfe Kritik an der deutschen „Euro Hawk“-Debatte geübt und will künftig keine Konzerngelder mehr in die Entwicklung von Drohnen investieren. Es sei absurd, dass sich die Diskussion in Deutschland ausschließlich darum drehe, was Verteidigungsminister Thomas de Maizière wann gewusst habe, sagte der Vorstandsvorsitzende des europäischen Luftfahrt- und Rüstungsunternehmens am späten Donnerstagabend in Paris.

Warum das unbemannte Flugzeug „Euro Hawk“ in Deutschland keine Zulassung bekommen sollte, könne er nicht nachvollziehen. Bei den ersten Tests mit der Technik vor zehn Jahren in Nordholz hätten die deutschen Flugaufsichtsbehörden keinerlei Sorgen geäußert.

De Maizière hatte das „Euro Hawk“-Projekt Mitte Mai wegen Zulassungsproblemen bei der Flugaufsicht und einer drohenden Kostenexplosion gestoppt. Ihm wird vorgeworfen, erst nach der Investition von mehr als einer halben Milliarde Euro reagiert zu haben, obwohl sein Ministerium schon lange von den Problemen mit der Zulassung wusste.

Euro-Hawk-Pleite

Kosten

Projektkosten: etwa 600 Mio. Euro (Quelle: Steuerzahlerbund)

Infrastruktur

Infrastruktur im Wert von 36,5 Mio. Euro wird seit 2011 auf dem Flugplatz Jagel vorgehalten

Nachrüstung

Keine Zulassung des Eurohawk für den Luftverkehr, Kosten für die Nachrüstung: 500 bis 800 Mio. Euro

Projektende

Projekt beendet: keine weitere Beschaffung vorgesehen

„Sie muss nicht im kontrollierten Luftraum fliegen, sie fliegt durch ihn und dann über ihm“, kritisierte Enders das Aus für das Projekt. „Es braucht vielleicht 15 Minuten und dann ist man auf 45.000 Fuß (13,7 Kilometern). Anschließend fliegen sie auf einer Höhe von 60.000 bis 65.000 Fuß nach Afghanistan. Sie belästigen niemand. Warum in aller Welt ist das in Deutschland nicht möglich?“

Enders betonte, er wolle keine Konzerngelder mehr für die Entwicklung von Drohnen ausgeben. Nach Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe müsse es Regierungsaufträge geben, sonst gehe es nicht weiter.

„Wir haben bereits zehn Jahre verloren“, sagte Enders mit Blick auf die Zurückhaltung der Regierungen. „Je länger es dauert, desto dominanter werden die Amerikaner auf dem Markt werden. Je schwieriger wird es werden, aufzuholen.“ Derzeit erwarte er eher eine französisch-britische Kooperation als eine deutsche oder europäische Initiative, sagte Enders.

Für „Euro Hawk“ hatte EADS die Aufklärungstechnik entwickelt. Der Flieger selbst wurde vom US-Konzern Northrop Grumman gestellt. Bei der US-Luftwaffe ist dieser seit Jahren als „Global Hawk“ im Einsatz.

Von

dpa

Kommentare (4)

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M-Kaub

14.06.2013, 10:49 Uhr

KEIN einziger EURO ist hier verloren; bei solchen Projekten handelt es sich, wie im Handwerk bekannt, um "Regieaufträge", d.h. eine Entwicklung wird angestossen um Erkenntnisse zu sammeln und Technologie zu fördern. Unternehmenserträge und auch Einkommensteuer von Mitarbeitern werden entrichtet - also bitte erst Mal die Zahlen bereinigen und vergleichen mit sog. Kulturpalästen.

Unabhängig von der Nutzung - in diesem Fall, Aufklärung und Überwachung (nicht nicht wie beschrieben, Verwendung gegen Menschenrechtskonventionen), braucht ein europäischer Wirtschaftraum solche Forschung. Keiner stellt heute das Apollo-Programm in Frage - kostete 25 Milliarden Dollar, etwa 120 Milliarden nach heutigen Maßstäben, und beschäftigte bis zu 400.000 Menschen [Quelle: Wiki). "Abfallprodukte" wie Sateliten-TV&Internet, GPS-Navi und Mobilfunk werden heute als "Grundgüter" angesehen – bei obigen Projekt ist aber berechtigt die freie Vermarktung auf dem Weltmarkt nicht möglich und auch richtig.

Ich kann die Entscheidung von Herrn Enders, in der Verantwortung für viele Mitarbeiter und Investoren, nur unterstützen. Schön das wir von der EADS heute ja mal wieder mit dem A350 zeigen, dass es sich bei uns nicht um eine Subventionsoase handelt. Ein neuer Meilenstein im Luftverkehr zur allgemeinen Mobiliät unter verbesserter Rohstoffnutzung ist geschaffen.

Vielleicht wäre es mal angebracht über wirkliche Problem, Lösungen und Veränderungen nachzudenken - Beispiele für wirkliches Fehlmanagement kann sich jeder selbst aussuchen, da herrscht wohl kaum mangel.

Kinderwehrbeauftragter

14.06.2013, 15:38 Uhr

Ach Herr Enders! Das hätte Ihnen doch schon vor 10 Jahren klar sein können, dass das nichts wird wenn staatliche Stellen mitspielen...

Merke, erst Auftrag unterzeichnet in der Tasche, dann anfangen. Aber was für ein Unfug das aus USA einkaufen zu wollen, tss!

Heinrich

14.06.2013, 17:30 Uhr

Die deutsche Luftfahrtindustrie gehört als Wirtschaftsverband dem herstellenden Gewerbe an. Sie ist immer schon, also seit dem Ersten Weltkrieg, aufgrund der militärischen Bedeutung des Baus von Luftfahrzeugen, auch in technischer Hinsicht politisch gelenkt und von Regierungen (mit)finanziert worden – wie übrigens in anderen modernen Industriestaaten auch. Die Aufgabe ist sehr komplex und kapitalintensiv. Und zwar so sehr, daß es nur noch eine Handvoll von Staaten gibt, die es sich überhaupt leisten können, daß auf diesem weitverzweigten Feld geforscht, entwickelt, erprobt, gebaut und vermarktet wird. Auch der Zwang zur Konzentration und Rationalisierung geht weitgehend auf die politische Organisation dieser Industrie zurück. Ihr Erfolg ist in einem Maße von der Qualität und Kontinuität der politischen Führung abhängig, daß es kaum überrascht, wenn es dabei auf dem weiten Wege von der Erforschung von Materialien und technischen Prozessen, über die Entwicklung von Technologien, Fertigungsverfahren und Konstruktionen, ihrer Erprobung bis hin zur Serienreife und schließlich ihrer industriellen Produktion und Bewährung in der Anwendungspraxis zu Bruchlandungen kommt. In diesem Bereich ist die Politik für Strategie und Planung zuständig und sie muß die Fähigkeit haben, klare Ziele und Anforderungen vorzugeben, für Abstimmung und Zusammenarbeit, für Effizienz und Effektivität zu sorgen, indem sie versucht, die verschiedensten Bereiche der Wissenschaft, Konstruktion und Produktion unter einen Hut zu bringen. Letztlich hängt es sogar von der Politik ab, ob genügend Rohstoffe und Fachkräfte zur Verfügung stehen. Meiner Meinung nach bedeutet die Kritik des EADS-Chef vor allem eines: Die deutsche Politik scheint zu vergessen, welche Aufgabe sie für diesen Industriezweig hat; sie nimmt ihre Funktion nicht wahr.

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