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06.09.2012

11:29 Uhr

Kritik der Handelskammer

Europäische Firmen klagen über Schikanen in China

VonFinn Mayer-Kuckuk

Unternehmen aus der EU greifen Pekings Wirtschaftspolitik scharf an: Die besten öffentliche Aufträge gingen stets an chinesische Staatsunternehmen – und die klauen auch noch den Europäern die Technik.

Der chinesische Markt ist riesig, doch europäische Unternehmen klagen über einen erschwerten Zugang. dpa

Der chinesische Markt ist riesig, doch europäische Unternehmen klagen über einen erschwerten Zugang.

PekingEuropäische Unternehmen fühlen sich auf dem chinesischen Markt weiter benachteiligt. „Das bisherige Investmentmodell bevorzugt Staatsunternehmen“, sagt Davide Cucino, Präsident der EU-Handelskammer bei der Vorstellung des aktuellen Positionspapiers der europäischen Wirtschaft in China. Wenn die Investmentbedingungen sich in China weiter verschlechtern, könnten europäische Unternehmen auch Standorte in anderen Schwellenländern „erforschen“.

Die EU-Kammer setzt nun Hoffnung auf ein neues Wachstumsmodell, mit dem China eine weitere Entwicklung seiner Wirtschaft sicherstellen will. Der zwölfte Fünfjahresplan (2011 bis 2015) stelle dafür die Weichen: Mehr Wettbewerb, mehr Innovation, mehr Markt sollen die verkrusteten Strukturen aufbrechen und das System auf Trab bringen.

Weichai-Chef zu Kion-Übernahme: „Bei uns sammelt sich viel Geld“

Weichai-Chef zu Kion-Übernahme

„Bei uns sammelt sich viel Geld“

Tan Xuguang erläutert seine Pläne mit dem deutschen Hydraulikspezialisten Kion.

„Ein fairer Marktzugang ist die wichtigste Zutat für diese Neuausrichtung“, sagt Cucino. Nur durch mehr Wettbewerb können Chinas Unternehmen produktiver und kreativer werden. Das bedeutet, dass sich China weiter für internationale Industrie und Dienstleister öffnen muss.

Für ausländische Anbieter ist es sehr schwer, in der Volksrepublik überhaupt an einer Ausschreibung teilzunehmen. China hat in seinem jüngsten Angebot gegenüber der Welt nur die Öffnung von zwölf Prozent des Marktes für Regierungsaufträge angeboten. In der EU sind dagegen 85 Prozent für ausländische Anbieter zugänglich.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Der Markt für Auftragsvergabe durch die Regierungen hat der Kammer zufolge ein Volumen von mehr als einer Billion Euro. „Mehr Wettbewerb würde mehr Qualität, bessere Produkte und niedrigere Preise für die Bürger bringen“, sagt Cucino. China könne so auch seinen Kapitaleinsatz verbessern.

Der Analyse der EU-Handelskammer zufolge ist Chinas Wirtschaft zu abhängig von Exporten und von Sachinvestitionen von Staatsunternehmen. Auch die ausländischen Firmen haben in Zeiten von Absatzkrisen und steigendem Protektionismus Zweifel an China als reiner Produktionsbasis. „Das Haltbarkeitsdatum dieses Wirtschaftsmodells ist abgelaufen“, sagt Cucino. Es fehlt an quirliger, privater Initiative mit überraschenden Produkten, hervorragender Qualität und gutem Service. „Die europäische Wirtschaft kann hier Einiges beitragen.“

Kommentare (5)

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06.09.2012, 11:46 Uhr

Fast schon naiv, wer etwas Anderes erwartet hatte. Bisher konnte die Wirtschaft doch offensichtlich gut damit leben, auch mal "beklaut" zu werden.

holyowly

06.09.2012, 12:19 Uhr

Das war ja wohl voraus zu sehen. Sehr naiv, wer das nicht bedacht hat.
Die zweite Gefahr ist allerdings noch schlimmer. Das sind chinesische Firmen, die sich derzeit in deutsche Betriebe einkaufen. Das ist Plünderung mit Unterstützung deutscher Firmenchefs, die.... siehe oben.... zu naiv und zu geldgierig sind. Die Chinesen freuts; sie reiben sich das Händchen und im Handesblatt gibts dann wieder einen Beitrag über das Ganze.

Account gelöscht!

06.09.2012, 12:33 Uhr

Die Chinesen und die Plünderer aus usa und eu kaufen wertvolle Deutsche Unternehmen für ihre bald minderwertigen oder wertlosen Euros.

Und Frau Merkel spreizt die Finger dazu...

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