Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2004

16:00 Uhr

„Kritische Phase“

Kögel stellt Insolvenzantrag

Der Ulmer Fahrzeugbauer Kögel ist zahlungsunfähig. Am Montag stellte der Vorstand beim zuständigen Amtsgericht den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Fast 1 200 Beschäftigte sind betroffen.

HB ULM. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Neu-Ulmer Wirtschaftsprüfer Werner Schneider bestellt, teilte der Vorstand der Kögel Fahrzeugwerke AG in Ulm mit.

Mit dem Insolvenzantrag wurde zugleich ein Insolvenzplan zur Sanierung der Firma eingereicht. Der Plan sehe einen Forderungsverzicht, eine Konzentration der Produktion im bayerischen Burtenbach, eine Bereinigung der Produktpalette und der Abbau von Arbeitsplätzen vor. Der Lastwagenanhänger- und Fahrgestell-Hersteller will damit binnen eines Jahres die Sanierung und Restrukturierung schaffen und aus den roten Zahlen herauskommen.

Wie viele der 1 186 Mitarbeiter in der AG und zwei von der Insolvenz betroffenen Tochterunternehmen gehen müssten, sagte der vor drei Wochen in den Vorstand geholte Sanierer Heinrich Stellmach nicht. Einen Kahlschlag werde es nicht geben. Zunächst werde jedoch unverändert weiter produziert.

Kögel befinde sich ein einer „kritischen Phase“, es gebe jedoch gute Chancen für einen Ausweg. So sollten Forderungsverzichte von Gläubigern und frisches Geld der Münchner Beteiligungs-Gesellschaft Schoeller, Metternich und Brennecke (SMB) zu einer Entspannung bei den Liquiditätsengpässen führen. Wenn die Sanierungsmaßnahmen wie geplant umgesetzt würden, sei SMB zu einer zusätzlichen Kapitalzufuhr bereit, teilte Kögel weiter mit. Benötigt würden mindestens zehn Millionen Euro. Die Investoren hatten erst vor kurzem von der Familie Kögel 19 Prozent der Stammaktien erworben.

Vorstandschef Klemens Große-Vehne sagte, der derzeitige Auftragsbestand reiche für etwa zweieinhalb Monate. Das Unternehmen wolle sich künftig auf das Kernprodukt Trailer und die Kühlfahrzeuge konzentrieren. Nach der Verschmelzung mit dem französischen Kühlfahrzeughersteller Chéreau werde für das Geschäftsjahr 2005 ein starkes Umsatzwachstum auf rund 400 Millionen Euro erwartet. 2003 waren die Erlöse auf 275 (2002: 313) Millionen Euro geschrumpft. Den Konzernverlust 2002 von 29 Millionen Euro konnte Kögel dagegen im vergangenen Jahr nahezu halbieren.

Die vorübergehend vom Handel ausgesetzten Vorzugsaktien von Kögel brachen an der Stuttgarter Börse bis zum Nachmittag um 45 Prozent auf 1,67 Euro ein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×