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08.05.2012

21:09 Uhr

K+S

Stickstoff-Düngemittelgeschäft geht an EuroChem

K+S ist seine Stickstoffdüngemittelsparte früher losgeworden als erwartet. Der russische Konzern EuroChem kauft die Sparte mit einem Wert von 140 Millionen Euro.

K+S hat seinen Sitz im hessischen Kassel. dpa

K+S hat seinen Sitz im hessischen Kassel.

KasselK+S wird das wenig einträgliche Geschäft mit Stickstoffdüngemitteln früher los als erwartet. Der Konzern werde die Sparte mit einem Unternehmenswert von 140 Millionen Euro an den russischen Konzern EuroChem verkaufen, teilten beide Firmen am Dienstagabend mit. Der hessische Salz- und Düngemittelhersteller erwartet durch die Veräußerung einen Buchgewinn von 70 bis 80 Millionen Euro. Zudem bestellte K+S am Vorabend der Hauptversammlung mit Mark Roberts einen neuen Vorstand für sein Salz-Geschäft.

EuroChem hatte 2011 bereits Teile des Stickstoff-Düngemittelgeschäft vom ehemaligen K+S-Mutterkonzern BASF gekauft. Nun übernehmen die Russen auch noch die zugehörigen Vertriebsaktivitäten von K+S, die das Unternehmen aus Kassel sonst noch bis Ende 2014 hätte fortführen müssen. Experten glauben, dass K+S von dem Kauf profitieren wird.

Stärken und Schwächen

Hohe Rendite

K+S hat im vergangenen Jahr die operativen Ergebniszahlen zweistellig gesteigert und das zweitbeste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte erreicht - nach dem Rekordjahr 2008. Die Umsatzrenditen liegen zum Teil mehr als doppelt so hoch wie bei den Industriewerten im Dax. Die Kapitalrenditen haben sich im vergangenen Jahr weiter verbessert und liegen deutlich über dem Durchschnitt im Dax. Während der Nettogewinn der großen Industrieunternehmen im Schnitt bei 13,4 Prozent des Eigenkapitals lag, erreichte K+S im vergangenen Jahr eine Eigenkapitalrendite von 18,3 Prozent.

Höherer Düngemittelverbrauch

Branchenschätzungen zufolge soll der weltweite Düngemittelverbrauch in den nächsten Jahren mindestens um zwei bis drei Prozent pro Jahr steigen, die Internationale Vereinigung der Düngemittelhersteller hält sogar einen jährlichen Anstieg von bis zu fünf Prozent für möglich. Nach 55 Millionen Tonnen Kali 2011 soll der Absatz dieses Jahr auf 58 Millionen Tonnen steigen. tel


Kapitalkosten verdient

Auch beim Verhältnis von Gewinn vor Steuern und Zinsaufwand zum Gesamtkapital steht der Düngemittel- und Salzhersteller mit 15,9 Prozent deutlich besser da als die 25 Industriekonzerne aus dem führenden Aktienindex Dax. Diese kommen im Durchschnitt auf eine Gesamtkapitalrendite von 6,9 Prozent. Angesichts der guten Rendite hatte der Rohstoffkonzern kein Problem, seine Kapitalkosten zu verdienen.

Steigende Nachfrage

Mehr als neun Milliarden Menschen werden 2050 auf der Erde leben, die von landwirtschaftlichen Produkten ernährt werden wollen. Um den künftigen Bedarf zu decken, muss die Landwirtschaftliche Produktion weltweit bis 2050 um 70 bis 100 Prozent steigen, schätzt die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen. Und weil die weltweiten Ackerflächen begrenzt sind, muss der Ertrag pro Fläche mit Düngemitteln gesteigert werden.

Vorkommen ausgebeutet

Die Kalivorkommen in Deutschland sind schon stark ausgebeutet, die Anfahrtswege der Bergleute werden länger. Das ist ein Faktor, warum K+S im Vergleich zu Wettbewerbern zu deutlich höheren Kosten produziert. Der Anteil der Herstellungskosten am Umsatz lag bei K+S 2010 mit 62 Prozent deutlich über dem Wert des kanadischen Konkurrenten Potash Corporation of Saskatchewan und mehr als zweimal so hoch wie beim russischen Konkurrenten Uralkali. 

Konkurrenz hat höhere Rendite

Die Nachsteuerrendite bei Potash ist mit 35,4 Prozent dreimal besser als bei K+S. In Kanada fördert Konkurrent Potash mit dem günstigeren Verfahren des Solutions Minings. Und in den großen Abbaugebieten Russlands arbeiten die Wettbewerber mit niedrigeren Löhnen und können auf staatlich subventioniertes Gas zurückgreifen.

Nah am Limit

Auch wenn das Jahr 2015 mit dem Produktionsstart des deutschen Konzerns in Kanada nicht mehr fern ist: Bis dahin kann K+S von einer weltweiten Steigerung der Nachfrage nach Kalidünger nur bedingt profitieren. Bereits im vergangenen Jahr produzierte K+S mit 6,9 Millionen Tonnen nahe am Produktionslimit. Aktuell hat der Dax-Konzern einen Marktanteil von zehn Prozent an der Weltkaliproduktion. Dieser Anteil könnte zumindest vorübergehend sogar sinken, wenn die anderen großen Hersteller mit der wachsenden Nachfrage zulegen.

Umrüsten kostet Zeit

Bis auf weiteres sind bei K+S die Kapazitäten zusätzlich eingeschränkt. Der Konzern will mit rund 360 Millionen Euro die Kaliproduktion im Bergbau an der Werra umrüsten, um die Salzabwässer dort zu reduzieren. Dadurch wird die Produktion gestört. Statt einer Kapazität von 7,3 bis 7,4 Millionen Tonnen kann der Kasseler Kalihersteller deshalb jährlich nur eine Produktionskapazität von etwa sieben Millionen Tonnen erreichen. tel

„K+S musste die Stickstoff-Düngemittel bisher zu einem vertraglich vereinbarten Preis bei BASF einkaufen und zum volatilen Marktpreis verkaufen - dies war kein hochmargiges Geschäft“, sagte Analyst Jesko Mayer-Wegelin von HSBC Trinkaus. „Dass K+S nun vor Ablauf des Vertrags Ende 2014 aus dieser Vereinbarung rauskommt, ist positiv.“

K+S hatte im Stickstoff-Düngemittelgeschäft 2011 einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro und einen Betriebsgewinn (Ebit I) von knapp 70 Millionen Euro eingefahren. „Da das Stickstoffdüngemittel-Geschäft nur wenig Gewinn abwirft, wird durch den Verkauf die Gewinnmarge des Gesamtkonzerns steigen“, sagt Mayer-Wegelin voraus.

Nachdem K+S bereits 2011 seine Blumenerde-Sparte Compo verkauft hatte, kann sich das Unternehmen künftig zudem ganz auf sein Kerngeschäft mit Salz und Kali-Düngemittel konzentrieren - allen voran auf die Ausbeutung eines neuen Kali-Vorhabens in Kanada.

Für das russische Unternehmen, das auch Großaktionär bei K+S ist, sei der Zukauf nach dem Erwerb der BASF-Geschäfte eine logische Ergänzung, erklärte EuroChem-Chef Dmitry Strezhnev. „Er verschafft uns eine weltweit angesehene Plattform und wird unsere Wettbewerbsfähigkeit in wichtigen Märkten weltweit weiter sichern.“ K+S-Chef Norbert Steiner sagte, der Verkauf an EuroChem sei auch „aus Sicht der Belegschaft“ die beste Option. Die Kartellbehörden müssen dem Geschäft noch zustimmen.

K+S legt am Mittwoch im Vorfeld seiner Hauptversammlung Zahlen für das ersten Quartal 2012 vor. Experten gehen von einem Gewinnrückgang aus, da der Konzern wegen des milden Winters weniger Auftausalz verkaufte als im Vorjahr.

Für die Salz-Sparte ist im Vorstand künftig Mark Roberts zuständig. Der 48-Jährige, derzeit Chef der amerikanische K+S-Tochter Morton Salt, übernimmt diese Aufgabe von Konzernchef Steiner. Steiner wird dafür im Vorstand für die wichtigste Konzernsparte mit Kali-Düngemitteln verantwortlich sein, bis ein Nachfolger für den derzeitigen Kali-Vorstand Joachim Felker gefunden ist. Felker geht nach dem Auslaufen seines Vertrages am 30. September in Ruhestand.

Von

rtr

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