Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.04.2014

15:47 Uhr

Kündigung

ADAC und Obermair trennen sich im Streit

VonMarkus Fasse, Christof Kerkmann

ExklusivDie Trennung vom ADAC und seinem ehemaligen Geschäftsführer Karl Obermair wird zur Schlammschlacht. Statt einer einvernehmlichen Trennung wird der Spitzenmanager nun hart gekündigt.

Abschied im Streit: der ehemalige Geschäftsführer Karl Obermair muss gehen. dpa

Abschied im Streit: der ehemalige Geschäftsführer Karl Obermair muss gehen.

MünchenDer ADAC kündigt seinem Geschäftsführer Karl Obermair. Nach Informationen des Handelsblattes sind Gespräche über eine „einvernehmliche Trennung“ mit dem Spitzenmanager gescheitert. Eine solche Lösung hatte der Club noch Mitte Februar mit seinem ehemaligen Spitzenmann angestrebt.   Doch die Gespräche zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses sind gescheitert. Obermair habe zu viel Geld zum Abschied verlangt.

Obermair ist eine prominente Figur der ADAC-Affäre, auch wenn ihm persönlich keinerlei Verwicklungen in die Manipulationen um den Autopreis „Gelber Engel“ nachgewiesen wurde. Der 50-jährige war seit 2006 Geschäftsführer des ADAC. Intern wurde ihm zum Verhängnis, dem geschassten Medienchef Michael Ramstetter nicht gestoppt zu haben. Mehrfach hatten sich Mitarbeiter über Ramstetters Führungsstil bei Obermair beschwert, der habe aber nicht reagiert. Weil das nicht geschah, seien die Manipulationen um den Gelben Engel an die Presse gespielt worden, heißt es im Club. Obermair wiederum kann auf das Ergebnis des Untersuchungsberichtes von Deloitte verweisen, der ihn von jeder Mitschuld an der Manipulation des „Gelben Engel“ freispricht.

Mit Obermair verlässt auch Stefan Weßling die Geschäftsführung des Clubs, allerdings einvernehmlich. Wer Obermair als Vorsitzender der Geschäftsführung nachfolgt ist offen. Zur Zeit sind mit Mahbod Asgari, Raimund Müller und der jüngst berufene Marion Ebentheuer drei Mitglieder der Geschäftsführung an Bord.

Michael Ramstetter klagt unterdessen vor dem Arbeitsgericht München gegen seinen Rauswurf. Der Club hatte Ramstetter erst beurlaubt, nach dem Untersuchungsbericht von Deloitte folgte die fristlose Kündigung. Ramstetter hat die Teilnehmerzahlen beim Autopreis „Gelber Engel“ bewusst gefälscht. Der ADAC wollte sich am Dienstag zu beiden Personalien nicht äußern.

Wie der ADAC sein Geld verdient

Das ADAC-Imperium

Neben der Gelben Engeln bietet der ADAC etliche Dienstleistungen rund ums Auto an. So kommt Deutschlands größter Autoclub auf einen Umsatz von 895 Millionen Euro. Welche Sparten das Wachstum vorantreiben.

Schutzbriefversicherungen

Das Geschäft mit den Versicherungen macht den größten Anteil (49,8 Prozent) am Umsatz aus. Insbesondere der Auslandskrankenschutz von Deutschlands größten Automobilclub wird stark nachgefragt.

Autoversicherung

Über die ADAC Autoversicherung AG wickelt der Autoclub seine Geschäfte mit Autoversicherungen ab. Auch in diesem Geschäft profitieren die Gelben Engel von ihrem guten Ruf. Die Sparte macht 16,5 Prozent am ADAC-Umsatz aus.

Rechtsschutz

Ab rund 70 Euro im Jahr übernimmt der ADAC auch Anwalts-, Gutachter- oder Gerichtskosten. Das Geschäft mit dem Rechtsschutz macht 15,1 Prozent des Umsatzes aus.

Verlag

Reiseführer, Ratgeber, Karten - der hauseigene Verlag des ADAC gehört ebenfalls zu den Umsatztreibern und steuert rund 6,9 Prozent bei.

Finanzdienste

Eine goldene Kreditkarte, einen Autokredit oder ein Sparkonto für den Führerschein - all das bekommt man ebenfalls über den ADAC. Am Gesamtumsatz hat die Sparte aber nur einen Anteil von 5,5 Prozent.

Autovermietung

Auch die großen Autovermieter Sixt, Avis und Europcar arbeiten mit Europas größtem Autoclub zusammen. Der kassiert seinen Anteil. Die Sparte macht 4,3 Prozent des Umsatzes aus.

sonstige

Alle übrigen Sparten des ADAC kommen gemeinsam auf einen Umsatzanteil von 1,9 Prozent. Dazu gehören zum Beispiel Fahrsicherheitstraining und Handyverträge.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

01.04.2014, 16:03 Uhr

Wenn tatsächlich 18 Mio. Deutsche das ADAC Mistblatt abonnieren und sich die idR bereits (mehrfach) vorhandene Abschleppversicherung andrehen lassen und beides auch noch zahlen, muß man sich um die Deutschen und deren Geisteszustand ernsthaft Sorgen machen

Account gelöscht!

01.04.2014, 16:23 Uhr

Als Geschäftsführer bin ich für alles verantwortlich, was im Unternehmen passiert.
Da zeigt sich aber, welche Unternehmenskultur dort herrscht. Und eine vernünftiges Kontrollsystem ist offensichtlich auch nicht etabliert. Und für beide Dinge ist der Geschäftsführer zuständig.

Account gelöscht!

01.04.2014, 16:47 Uhr

ADAC war schon immer ein Altherrenverein, der sich insbesondere aus Generationentreue speißte. Das scheint nun glücklicherweise vorbei, da niemand mehr mit der Lächerlichkeit dieses Spießbürger- und Deppen-Ladens verbunden sein möchte.
Klasse gemacht, selber abgewirtschaftet die Alt-Herrenbude.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×