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15.03.2013

16:44 Uhr

Kürzungen bei Verteidigung

Eurocopter liefert weniger Hubschrauber an die Bundeswehr

Das Verteidigungsministerium hat sich mit der EADS-Tochter Eurocopter auf eine deutliche Reduzierung des Hubschrauber-Auftrages geeinigt. Der Konzern zeigte sich erleichtert, dass die Kürzungen nicht schlimmer ausfielen.

57 Kampfhubschrauber „Tiger“ will die Bundesregierung von Eurocopter kaufen – ursprünglich sollten es einmal 80 sein. dpa

57 Kampfhubschrauber „Tiger“ will die Bundesregierung von Eurocopter kaufen – ursprünglich sollten es einmal 80 sein.

BerlinDie Bundeswehr bekommt weniger Hubschrauber. Verteidigungsministerium und Rüstungsindustrie haben sich auf drastische Kürzungen gegenüber ursprünglichen Verträgen geeinigt. Beide Seiten unterzeichneten eine Absichtserklärung, wie Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitag in Berlin mitteilte. Die Gespräche über die Reduzierung des Auftrags für den Kampfjet Eurofighter dauern den Angaben des Ministeriums vom Freitag zufolge noch an.

Hintergrund ist die Neuausrichtung der Streitkräfte. Statt der bestellten 122 Transporthubschrauber vom Typ NH-90 werden nur noch 82 geliefert. Von ursprünglich 80 Tiger-Kampfhubschraubern wird die Bundeswehr im Endeffekt 57 abnehmen. Die Industrie zeigte sich erleichtert – sie hatte noch tiefere Einschnitte befürchtet.

Die EADS-Zahlen im Überblick

Der Konzern

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat 2012 deutlich mehr Geld verdient. Der Erfolg geht zu einem großen Teil auf das Konto der Tochter Airbus. Daneben gibt es drei weitere Sparten. Insgesamt beschäftigt EADS weltweit mehr als 133.000 Menschen. Das Geschäft der Divisionen im Überblick.

Airbus

Der Flugzeugbauer mit Sitz in Toulouse ist der Goldesel des Konzerns. Der Boeing-Rivale steht mit Erlösen von fast 38,6 Milliarden Euro für mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes. 2012 verdiente Airbus vor Zinsen und Steuern (EBIT) gut 1,2 Milliarden Euro und damit mehr als doppelt so viel wie 2011. Mit gut 69 000 Beschäftigten arbeitet mehr als jeder zweite EADS-Mitarbeiter für den Flugzeugbauer. Ein wichtiger Airbus-Standort ist Hamburg.

Eurocopter

Der Hubschrauberhersteller ist 2012 gemessen am Umsatz die zweitgrößte Sparte des Konzerns. Die Erlöse wuchsen um 16 Prozent auf den Rekordwert von fast 6,3 Milliarden Euro. Das EBIT stieg um 20 Prozent auf 311 Millionen Euro. Verantwortlich für das Plus war vor allem das Wartungsgeschäft, die Zahl der ausgelieferten Hubschrauber sank 2012 von 503 auf 475. Auch Eurocopter spürt hier vor allem Kürzungen von Rüstungsausgaben. Das Unternehmen mit Sitz im französischen Marignane beschäftigt knapp 20 800 Menschen.

Astrium

Die Raumfahrttochter ist inzwischen die drittstärkste Division des Konzerns. Der Umsatz des Unternehmens mit Hauptsitz in Paris stieg vor allem wegen des Service-Geschäfts um 17 Prozent auf gut 5,8 Milliarden Euro. Das EBIT stieg ebenfalls um 17 Prozent auf 312 Millionen Euro. Astrium steht vor allem für die europäische Trägerrakete Ariane, aber auch für den Bau von Satelliten. Die Sparte beschäftigt weltweit rund 16 600 Menschen.

Cassidian

Die Rüstungstochter bekommt die Sparzwänge in vielen europäischen Ländern besonders deutlich zu spüren. Die geplatzte Fusion mit BAE Systems machte zudem Hoffnungen der EADS-Spitze zunichte, Zugang zu weiteren Märkten zu bekommen. Der Umsatz von Cassidian sank 2012 leicht um 1 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro, das EBIT brach allerdings um 57 Prozent auf 142 Millionen Euro ein - vor allem wegen der Kosten für den Umbau und Jobstreichungen. 2011 war die Sparte mit Sitz in der Nähe von München gemessen am Umsatz noch die Nummer 2 im EADS-Konzern. Cassidian hat rund 20 900 Beschäftigte.

Bereits 2011 waren im Zusammenhang mit der Neuausrichtung der Bundeswehr Milliardenkürzungen bei Rüstungsvorhaben angekündigt worden. De Maizière hatte damals erklärt, mit der Reduzierung sollten die Streitkräfte effizienter und effektiver werden.

Das Ministerium teilte nun mit, durch die Umsetzung der Absichtserklärung würden im Verteidigungshaushalt erhebliche Mittel frei. Über deren Höhe wurden zunächst keine Angaben gemacht. Von den Kürzungen ist der Hubschrauber-Hersteller Eurocopter betroffen, eine Tochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Auch Eurocopter wollte sich zum Volumen der Kürzungen nicht äußern.

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Vor allem das Geschäft mit Verkehrsfliegern stimmt auch für 2013 optimistisch.

Ein Eurocopter-Sprecher sagte in München: „Wir haben in der Sache hart, aber ausgesprochen konstruktiv miteinander verhandelt.“ Das Ergebnis sei „eine klare Win-win-Situation für beide Parteien“.

In den Verhandlungen musste de Maizière gegenüber seinen Plänen offensichtlich zumindest teilweise zurückstecken. So wollte er die Zahl der Tiger-Hubschrauber ursprünglich von 80 auf 40 halbieren – nun sollen es 57 Stück sein. Dieses Ergebnis wird nach Angaben des Ministeriums dadurch erzielt, dass sich die Industrie verpflichtete, elf bereits gelieferte Hubschrauber des Typs später zurückzukaufen. Bei den NH-90-Modellen konnte der Minister seine Vorstellungen dagegen weitgehend durchsetzen.

Die Geschichte des Eurofighters

November 1977

Franzosen, Deutsche und Briten planen einen gemeinsamen Kampfjet für die Neunzigerjahre.

Dezember 1983

Frankreich, Deutschland, Spanien, Großbritannien und Italien schließen ein Abkommen über den Bau von 800 Flugzeugen à 35 Millionen Euro, die als "Jäger 90" ab 1995 fliegen sollen.

August 1985

Frankreich scheidet aus dem Projekt aus

Sommer 1986

Großbritannien und Deutschland übernehmen je ein Drittel, Italien 21 Prozent und Spanien 13 Prozent. Die Briten beauftragen BAE Systems, Italien den späteren Rüstungsriesen Finmeccanica, Deutschland und Spanien den heutigen EADS-Konzern.

November 1988

Offizieller Auftrag zum Bau.

Februar 1992

Nach Ende des Kalten Kriegs wollen die Regierungen ein einfacheres, preiswerteres Modell, das nun "Eurofighter 2000" heißen soll..

Mai 1992

Der Prototyp ist fertig.

März 1994

Erfolgreicher Erstflug.

Juli 2003

Österreichs Parlament beschließt den Kauf von 18 Exemplaren, der erste Export des Eurofighters.

Oktober 2003

Lieferung des ersten Jets.

Dezember 2005

Saudi- Arabien will bestellen. Die britische Antikorruptionsbehörde SFO untersucht Bestechungsvorwürfe. London stoppt die SFO "aus nationalem Interesse".

Sommer 2006

Die Eurofighter-kritische SPÖ gewinnt die Parlamentswahl in Österreich. Im Oktober startet der Untersuchungsausschuss wegen möglicher Bestechungen und stellt die Arbeit 2007 ergebnislos ein.

Nach Angaben des Ministeriums werden ungeachtet der Kürzungen durch eine Umsteuerung bedeutende Fähigkeiten der Streitkräfte gesichert. So erhalte die Bundeswehr 18 Marinehubschrauber, die aus dem NH-90-Programm abgeleitet seien. Dadurch werde auch die europäische und internationale Kooperationsfähigkeit gestärkt.

Die Anschaffung des auch zur U-Boot-Bekämpfung fähigen hochwertigen Marine-Modells des NH-90 war in den früheren Anschaffungsplänen nicht vorgesehen, hieß es. Ursprünglich sollten die 122 NH-90-Hubschrauber für das Heer geliefert werden.

Von der Rüstungsstreichliste, die de Maiziere im Herbst 2011 im Zuge der Bundeswehrreform vorgelegt hatte, ist nun nur noch der Eurofighter-Auftrag als ungelöstes Problem übrig. Die Verhandlungen über die Reduzierung der Order hätten jedoch mit den Gesprächen über die Hubschrauber nichts zu tun, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Gespräche über die Kampfjets liefen weiter in konstruktiver Atmosphäre. De Maiziere will nur noch 140 statt ursprünglich 177 Jets der Airbus-Mutter EADS abnehmen.

Der Mehrzweckhubschrauber NH-90 wurde im Auftrag von Frankreich, Italien, den Niederlanden und Deutschland entwickelt. Mit ihm können schwere Lasten, Technik oder 20 Soldaten transportiert werden. Der Tiger ist ein moderner zweisitziger Kampfhubschrauber.

Über die Verringerung des Auftrags für den Schützenpanzer Puma, der ebenfalls auf der Liste stand, hatte es bereits kurz nach Beginn der Gespräche mit den Herstellern Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann (KMW) eine Einigung gegeben.

Kommentare (3)

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Thomas-Melber-Stuttgart

15.03.2013, 17:42 Uhr

Sind Helikopter nicht ein sehr wichtiges "asset" insbesondere in den heutigen asymmetrischen Konflikten? Die Bundeswehr ist das Sparschwein der Nation. Statt von "level of ambition" müßte man von "level of incapacity" sprechen. Bündnisfähigkeit geht anders!

Nachwuchs

16.03.2013, 19:14 Uhr

Kürzung? Was sind die echten Gründe? Nur Schwund, Unnötig oNua7rdder zuwenig Schmiergelder an die Politiker?

Hubi

18.03.2013, 08:37 Uhr

Verringerte Mengen bei den ohnehin schon geringen Stückzahlen bei "fliegendem Militärgerät" zieht automatiosch stark erhöhte Betriebskosten nach sich. U.a. schon auf Grund der geringen Ersatzteilnachfrage sind keine wirtschaftlichen Losgrößen mehr zu erreichen, der Preis für die Ersatzteile wird also auf Grund verschiedener Fertigungstechnischer und Luftfahrtrechtlicher Aspekte gewaltig steigen.
Letztendlich handelt es sich hier, meiner Meinung nach, nur um Augenwischerei. Die Kosten für die Waffensxsteme werden steigen, die reduzierten Geräte werden der Bw nicht zur Verfügung stehen und die Industrie nimmt zwar mehr ein, hat aber auf Grund der höheren Kosten auch keinen Vorteil davon. Nix win-win, eher ein loose- loose!
Die Briten sind da, zumindest mit den Kampfjets, schlauer. Sie reduzieren nicht sondern verkaufen ihre Systeme. Ergo: Eine echte Einsparung für die Streitkräfte (und damit für den Steuerzahler)und für die Industrie ändert sich eigentlich nichts.

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