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18.05.2016

14:44 Uhr

Kuka-Übernahme

Zukunftstechnologie in fremder Hand

Kuka gilt als das Flaggschiff der Industrie 4.0-Technologie in Deutschland. Eine Übernahme durch den chinesischen Midea-Konzern müsse daher genau geprüft werden, fordert China-Experte Jost Wübbecke.

Kuka-Roboter in einer Fabrik in China. Reuters

Kuka Roboter

Kuka-Roboter in einer Fabrik in China.

BerlinDer Wirtschaftsexperte des China-Instituts Merics, Jost Wübbecke, sieht die mögliche Übernahme des Hightech-Unternehmens Kuka durch den chinesischen Midea-Konzern kritisch. „Chinesische Investitionen in Europa sind prinzipiell sehr willkommen. Bei Kuka sehe ich das aber nicht so“, sagte der Leiter des Merics-Programms Wirtschaft und Technologie am Mittwoch im Reuters-Interview. Das Merics-Institut in Berlin ist der führende China-Think-tank in Europa. „Denn die Firma ist ein Flaggschiff der Industrie 4.0-Technologie und Weltmarktführer etwa bei der Technologie, Roboter zunehmend mit Menschen kommunizieren zu lassen“, sagte Wübbecke.

Mit „Industrie 4.0“ wird die Verschmelzung von IT-Technik und industrieller Produktion bezeichnet. Diese Technologie wird auch von der Bundesregierung als entscheidend für die zukünftige Aufstellung des Industriestandorts Deutschland angesehen.

Chinesen wollen Kuka: Ein allzu verlockendes Angebot

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Ein allzu verlockendes Angebot

Mit gut gefüllten Geldbörsen sind chinesische Käufer in Europa auf Einkaufstour. Jüngstes Ziel ist der Roboterbauer Kuka. Aber müssen sich deutsche Firmen kaufen lassen, um in China Erfolg zu haben? Ein Kommentar.

„Hier handelt es sich um eine Zukunftstechnologie, bei der man in Deutschland schon überlegen sollte, ob sie in fremde Hände übergehen sollte“, sagte Wübbecke. Dabei spiele es keine Rolle, dass Midea ein privates Unternehmen und kein chinesischer Staatskonzern sei. „Die Bundesregierung muss sich deshalb schon die Frage stellen, wie strategisch ein solcher Einstieg bei Kuka für den Standort Deutschland wäre."“ Allerdings sei ein direktes Eingreifen in privatwirtschaftliche Vorgänge in einer Marktwirtschaft nicht einfach.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Es gebe bei deutschen Unternehmen erhebliche Vorbehalte gegenüber einer engen Zusammenarbeit mit China beim Thema „Industrie 4.0“. Auch auf Ebene beider Regierungen tue sich bei dem Thema zwischen beiden Ländern nicht sehr viel. „Es ist aus deutscher Sicht auch nicht unbedingt vorteilhaft, die Technologie zu teilen, weil der deutsche Vorsprung auf diesem Gebiet sehr groß ist“, sagte der Merics-Experte.

Aus Sicht von Midea sei die stärkere Beteiligung an dem deutschen Roboterhersteller logisch. „Es geht der Firma vor allem darum, die eigene Produktion zu automatisieren.“ Seit 2012 sei diese Strategie erkennbar. Das Thema „Industrie 4.0“ sei für das Unternehmen also erst einmal nachrangig. „Aber natürlich setzt Midea damit die Regierungsstrategie 'Made in China 2025' um, die eine konsequente Automatisierung vorsieht.“

Von

rtr

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