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19.01.2007

11:13 Uhr

Kunden springen ab

A380-Frachter ist in Bedrängnis

Nach dem Desaster mit dem A380 von Airbus gerät vor allem die Frachterversion des Riesenjumbos in Bedrängnis. Bis auf einen Kunden haben alle anderen ihre Bestellungen bereits storniert, nun könnte auch noch der letzte Kunde einen Rückzieher machen. Doch EADS gibt sich kämpferisch.

HB PARIS / AMSTERDAM / HAMBURG. EADS hält am A380-Frachterprogramm weiterhin fest. Das sagte Sprecher Michael Hauger am Freitag. Anfang Dezember 2006 hatte EADS-Co-Chef Tom Enders betont, dass für die Fortsetzung des Programms nicht die Zahl der Kunden und Vorbestellungen ausschlaggebend sei, sondern das Marktpotenzial.

Enders hatte mit dieser Aussage auf Abbestellungen für die Frachtversion des Großraumflugzeuges reagiert. Zum einen hatte der US-Logistikkonzern FedEx seine Order über 10 Frachter storniert und stattdessen beim Konkurrenten Boeing bestellt. Zum anderen hatte das Leasingunternehmen ILFC seinen Auftrag für 5 Frachter in 5 Passagiermodelle umgewandelt. Und auch der letzte verbleibende Kunde könnte einem Zeitungsbericht zufolge auch abspringen. Es werde erwartet, dass der US-Expressdienst UPS in der kommenden Woche seine Order von zehn Fracht-Jumbos A380 storniere, berichtete die französische Zeitung „Les Echos“ am Freitag ohne Nennung von Quellen. Ein Sprecher des Flugzeugbauers sagte, diese Absichten seien Airbus nicht bekannt.

Das Marktpotenzial ist Enders' Angaben vom Dezember 2006 zufolge so groß, dass Airbus einen Anteil daran haben wolle. In den nächsten 20 Jahren würden pro Jahr rund 25 Flugzeuge dieser Größe für den Transport von Gütern benötigt. Deswegen stelle sich derzeit „die Frage nach der Einstellung der Frachters nicht“, hatte Enders gesagt.

Streit um die verlängerte Rollbahn in Hamburg-Finkenwerder

Im Streit um die Verlängerung der Start- und Landebahn des Flugzeugbauers Airbus in Hamburg haben die Gegner des Projekts unterdessen eine weitere Niederlage erlitten. Das Landgericht Hamburg erlaubte der Stadt den Zugriff auf ein etwa 100 Quadratmeter großes Grundstück in Finkenwerder, wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte. Damit bestätigte das Landgericht eine Eilentscheidung vom vergangenen Sommer. Bereits damals konnte der Startbahnbau ungeachtet der gerichtlichen Auseinandersetzung um die Grundstücks-Enteignung fortgesetzt werden.

Die Grundstückseigentümer hatten darauf gesetzt, dass sich durch die Krise von Airbus die Voraussetzungen für die Enteignung geändert haben könnten. Der Airbus-Mutterkonzern EADS muss die Auslieferung seines Super-Jumbos A380 verschieben und dafür Milliardeneinbußen hinnehmen. Die Fertigung wird komplett unter die Lupe genommen. Insbesondere Gewerkschaften fürchten, dass Airbus im Zuge seiner Sparpläne die Produktion des A380 komplett im französischen Toulouse zusammenziehen wird. Für Hamburg bliebe dann die Produktion der kleineren Modellreihe A320.

Airbus hatte Startbahn-Verlängerung um knapp 600 Meter zur Voraussetzung dafür gemacht, dass auch die Frachtversion des neuen Großraumflugzeugs A380 in Hamburg ausgeliefert werden kann. Für die Erweiterung des Werksgeländes in Hamburg-Finkenwerder war das Naturschutzgebiet Mühlenberger-Loch zugeschüttet worden. Im vergangenen Jahr hatte bereits ein Streit mit Grundstückseigentümern den Baubeginn der Startbahn verzögert. Obstbauern hatten sich gegen die geplante Enteignung ihrer Grundstücke gewehrt, dann aber doch einem Verkauf zugestimmt.

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