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03.04.2006

07:44 Uhr

Kundenkritik

Airbus fehlt ein Flugzeug

VonMatthias Eberle

In den vergangenen Jahren gehörte die Aufmerksamkeit des europäischen Flugzeugbauers Airbus dem riesigen A380. Dabei scheint der Hersteller seine kleineren Langstreckenjets vernachlässigt zu haben. Großkunden drängen Airbus nun zur radikalen Modellpflege. Doch während Airbus sich noch sammelt, verkauft Konkurrent Boeing fleißig Maschinen.

Airbus' Problem: Der 787 Dreamliner von Boeing, hier in einer Computersimulation. Grafik: Boeing

Airbus' Problem: Der 787 Dreamliner von Boeing, hier in einer Computersimulation. Grafik: Boeing

FRANKFURT. Angesichts der jüngsten Markterfolge des US-Erzrivalen Boeing, der mit dem 787 Dreamliner eine neue Generation von Langstreckenjets im Angebot hat, üben jetzt wichtige Kunden laut Branchenkreisen harsche Kritik an den Airbus-Modellen A340 und A350. Der wichtige Kunde Emirates Airlines verschob sogar einen Auftrag über 20 Jets vom Typ A340-600 im Volumen von 4,2 Mrd. US-Dollar auf später, wie Airbus bestätigte. Die Staatsfluglinie aus dem arabischen Emirat Dubai ist mit ihrer Ausrichtung auf Langstrecken größter Kunde der beiden Airbus-Baureihen A340 und A380.

Die A340-600 ist mit 380 Sitzen die bisher größte im Einsatz befindliche Airbus-Maschine. Emirates-Präsident Tim Clark wird nicht müde zu betonen, der vierstrahlige Flugzeug-Typ müsse gründlich überarbeitet werden, um wenigstens annähernd die Effizienz der neu entwickelten 787er-Familie von Boeing zu erreichen.

Das Hauptaugenmerk nahezu aller Fluggesellschaften liegt derzeit auf dem Treibstoffverbrauch, weil ihre Kerosinkosten nie gekannte Höhen erreichen. Boeing hatte angekündigt, der zweistrahlige Dreamliner werde 20 Prozent weniger Kerosin verbrauchen als heutige, vergleichbare Flugzeuge.

Eine Airbus-Sprecherin betonte, bei Emirates handle es sich lediglich um eine Verschiebung: „Die Aufträge stehen nach wie vor in unseren Büchern.“ Das Fachmagazin „Flight International“ hatte kürzlich allerdings berichtet, Airbus biete die Flugzeuge schon anderweitig am Markt an.

Für Airbus ist der Rückschlag bei Emirates der zweite Nackenschlag innerhalb nur einer Woche. Schon zuvor hatte die weltgrößte Flugzeug-Leasingfirma ILFC die Airbus-Modellpalette im besonders lukrativen Langstreckengeschäft öffentlich kritisiert. Der Flugzeugbauer solle die bisherigen Planungen für die neue mittelgroße A350 einstellen und dafür einen technisch fortschrittlicheren Typ auf den Markt bringen, forderte ILFC-Gründer Steven Udvar-Hazy auf einer Luftfahrt-Konferenz in Orlando. Dieser neue Airbus-Typ könne dann auch die A340-Familie ablösen, die sich inzwischen kaum noch verkaufen lässt.

Der A340-Auftragsbestand liegt bei nur noch 70 Maschinen. Die A340-600, die auch Lufthansa betreibt, erhielt 2005 gerade mal zwölf Orders. Das Schwestermodell A340-500, das für große Langstrecken ausgelegt ist, blieb im Vorjahr sogar gänzlich ohne Bestellung. Die skeptischen Töne von ILFC haben in der Branche große Relevanz: Mit bisher 573 bestellten Airbus-Jets ist die Sparte des Versicherungsriesen American International Group (AIG) der mit Abstand wichtigste Abnehmer des europäischen Herstellers.

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