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12.02.2015

15:08 Uhr

Längere Arbeitszeiten wegen Franken

Wenn aus 40 Wochenstunden plötzlich 44 werden

Statt 40 Stunden müssen die Beschäftigten des Schweizer Unternehmens Georg Fischer künftig 44 Stunden pro Woche arbeiten. Der Autozulieferer ist nicht der einzige Betrieb, der auf den starken Franken reagieren muss.

Wegen des Franken müssen die Beschäftigten der Schweizer Autozulieferer Georg Fischer und Feintool länger arbeiten. Die Autoindustrie ist nicht die einzige Branche, die von der Aufwertung der Schweizer Währung betroffen ist. dpa

Wegen des Franken müssen die Beschäftigten der Schweizer Autozulieferer Georg Fischer und Feintool länger arbeiten. Die Autoindustrie ist nicht die einzige Branche, die von der Aufwertung der Schweizer Währung betroffen ist.

ZürichImmer mehr Schweizer Firmen reagieren auf die schockartige Aufwertung des Frankens mit einer Verlängerung der Arbeitszeiten. Der Autozulieferer Georg Fischer vereinbarte mit den Arbeitnehmervertretern eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit um vier auf 44 Stunden bei gleichem Lohn, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Das Führungspersonal, dessen Arbeitszeit nicht systematisch erfasst wird, erhält eine Woche weniger Urlaub. Insgesamt sind 2500 Angestellte des Konzerns in der Schweiz betroffen. Die 44-Stunden-Woche gilt bis Jahresende, soll aber nach sechs Monaten überprüft werden.

Georg Fischer ist nicht alleine. Auch der Autozulieferer Feintool verlängerte bereits die Arbeitszeit um bis zu zehn Prozent. Der Ostschweizer Mühlenhersteller Bühler, der 98 Prozent seiner Produkte im Ausland verkauft, einigte sich mit seinen Angestellte auf ein Verlängerung der Arbeitszeit auf 45 Wochenstunden für sieben Monate, inklusive Lohnstopp für das ganze Jahr. Zudem gilt ein Einstellungsstopp. Auf Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen will Bühler vorerst verzichten.

Die größten Autozulieferer der Welt

Platz 10

Aisin (Japan): 18,9 Milliarden Euro

Platz 9

Michelin (Frankreich): 20,2 Milliarden Euro

Platz 8

Johnson Controls (USA): 20,9 Milliarden Euro

Platz 7

Hyundai Mobis (Korea): 23,3 Milliarden Euro

Platz 6

Bridgestone / Firestone (Japan): 24,6 Milliarden Euro

Platz 5

Magna (Kanada): 24,9 Milliarden Euro

Platz 4

Denso (Japan): 27,8 Milliarden Euro

Platz 3

ZF Friedrichshafen + TRW (Deutschland): 29,9 Milliarden Euro
(Anm. d. Red. In einer ersten Fassung war versehentlich der Umsatz verkauften Sparte ZF Lenksysteme doppelt herausgerechnet worden)

Platz 2

Bosch (Deutschland): 30,7 Milliarden Euro

Platz 1

Continental (Deutschland): 33,3 Milliarden Euro

Durch die Aufwertung des Frankens nach der Abschaffung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken verteuern sich Produkte aus der Schweiz im Ausland. Wenn sie Marktanteile halten wollen, müssen die Firmen oft die Preise senken. Bühler bezifferte die zusätzliche Kostenbelastung durch den starken Franken mit 80 bis 90 Millionen Franken. Nach der Aufhebung des Mindestkurses Mitte Januar fiel der Euro vorübergehend unter einen Franken. Derzeit notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,05 Franken.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) warnte davor, das Problem des starken Frankens auf dem Rücken der Arbeitnehmer zu lösen. Die Gewerkschaft wisse bereits von mehr als 40 Firmen, die Lohnkürzungen oder Arbeitszeitverlängerungen planten oder schon umgesetzt hätten. Teilweise würden Mitarbeiter unter Druck gesetzt, den neuen Regeln zuzustimmen. Vizepräsidentin Vania Alleva hatte in der vergangenen Woche, der SGB sei im Grundsatz bereit über Arbeitszeitverlängerungen zu verhandeln, wenn alle Alternativen ausgeschöpft sind.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Werner Wilhelm

12.02.2015, 15:50 Uhr

Verfügt eine Volkswirtschaft über eine eigene voll konvertierbare Währung, kann das Ausland im Inland quasi unbegrenzt investieren und versucht die Notenbank nicht zu manipulieren (also alles so wie die Schweiz jetzt), dann sorgen starke und richtige Marktkräfte für den Ausgleich der Leistungsbilanz. Das Wachstumsmodell Exportüberschüsse kann dann nicht mehr gefahren werden, daran ändert auch eine Senkung der Lohnstückkosten nichts.

Im Gegenteil: Eine Erhöhung der Produktivität wird sich dann in erhöhter Arbeitslosigkeit niederschlagen.

Mit anderen Worten: Das Anliegen der schweizer Unternehmen ist aus mikroökopnomischer Sicht verständlich, bringt der gesamten schweizer Volkswirtschaft nur weitere Nachteile ein.

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