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09.03.2011

11:33 Uhr

Lancia und Chrysler

„Wir sind besser als Audi, BMW und Lexus“

VonFlorian Brückner

Es ist eine besondere amerikanisch-italienische Allianz: Unter der Marke Lancia will Fiat Autos von Chrysler in Europa vertreiben. Das Selbstbewusstsein ist groß - Lancia sieht sich auf Augenhöhe mit den Branchenbesten.

Ein Model steht neben einem Lancia Thema - der in den USA ein Chrysler 300 ist. Quelle: dapd

Ein Model steht neben einem Lancia Thema - der in den USA ein Chrysler 300 ist.

GenfDicke Luft bei Lancia. In dem Hinterzimmer in der oberen Etage des Genfer Messestandes hängt dichter Zigarettenrauch. Die Stimmung in dem kleinen Räumchen mit den schwarzen Wänden ist angespannt. Olivier Francois hantiert mit der weiß-goldenen Packung Marlboro Lights in seiner Hand, mit der anderen wischt er sich eine braune Haarsträhne aus dem Gesicht. Sein Gesichtsausdruck changiert irgendwo zwischen gequält und entnervt.

Wohl keinem anderen Manager auf dem gesamten Autosalon schlägt so viel Skepsis von Journalisten und Fachbesuchern entgegen wie ihm, dem Mann, der auf dem traditionellen Stelldichein der europäischen Autobranche erklären soll, wie man Autos von Chyrsler unter dem Logo der einst ruhmreichen italienischen Marke Lancia verkaufen kann – zum Beispiel den 300.

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Die wuchtige Limousine steht draußen auf dem glänzenden Messestand. Fast fünf Meter lang, gut 1,88 Meter breit. Ein Riese von Automobil, wie geschaffen für große Highways und die tiefen Straßenschluchten New Yorks oder Chicagos. Mit Fenstern wie Schießscharten und dem dicken Chromkühlergrill hatte der Vorgänger schnell den Ruf des Gangsterautos weg. Wenn es ein Auto gab, indem Al Pacino in einer Neuverfilmung des Maffia-Films „der Pate“ vorfahren hätte können, dann im alten 300C. Für eine amerikanische „Limo“ kein schlechtes Image, für eine italienische hingegen schon.

Es sind Bilder wie das vom Chrysler 300C, die in den Köpfen vieler Messebesucher herumspuken, und die Neugeburt des 300 in Europa als Lancia Thema so schwierig machen. Auf der einen Seite amerikanische Coolness, auf der anderen italienische Grandezza. In Genf sieht das dann so aus: Der Messestand mit seinen dünnen Models in langen blauen Gewändern und den glitzernden Fassaden erinnert an die glamourösen Edelboutiquen von Aramani oder  Dolce und Gabbana im goldenen Dreieck Mailands - während aus den Lautsprechern die swingende Stimme des kanadischen Jazz-Sängers Michael Bublé dröhnt. Chrysler und Lancia, Italien und USA, Turin und Detroit, kann das wirklich zusammen passen?

Klar, sagt Lancia-Chrysler-Chef Francois. “Bei Lancia ging es im Grunde immer um Design, Luxus und Raffinesse. Und in Amerika war Chrysler immer eine Marke, die für Design, Technologie und Charakter stand. Die DNA beider Marken ist sich also sehr ähnlich, sie ergänzen sich perfekt.” Das ist das Schnittmuster für die zukünftige Kooperation, die der amerikanischen Marke zusätzliche Stückzahlen in Europa, und Lancia lebensnotwendige neue Modelle bringen soll - damit die einst stolze italienische Premium-Marke überhaupt noch zu halten ist.

Kommentare (7)

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jrgens

09.03.2011, 14:21 Uhr

Lancia - Chrysler werden als größter Flop in die Automobilgeschichte eingehen. Noch bevor Herr Francois seine Schachtel leergeraucht hat.

Siggi

09.03.2011, 14:34 Uhr

Mir scheint, dass mit der Umplakettierung der alten Chrysler-Modelle bei den Fiat-Verantwortlichen auch jeglicher Realitätssinn verloren gegangen ist. Ich erinnere mich an die Gebrauchtwagenstatistiken, wo der Fiat-Konzern mit seinen Produkten regelmäßig auf den letzten Plätzen vertreten ist.

Corrado

09.03.2011, 19:00 Uhr

Tiefer kann Lancia nicht mehr sinken. Der Ami-Schrott ist der Untergang der Marke. Schade.

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