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16.12.2013

15:09 Uhr

Landtechnik

Claas fährt Rekordergebnis ein

VonChristof Kerkmann

Bei Claas gibt es doppelt zu feiern: Der Landtechnik-Hersteller aus Westfalen begeht seinen 100. Geburtstag – und hat einen Rekordumsatz eingefahren. Für die nächsten Jahre richtet Claas den Blick über die Grenzen.

„Wir müssen auch außerhalb Europas unseren Fußabdruck hinterlassen“: Claas-Chef Theo Freye. Dirk Hoppe für Handelsblatt

„Wir müssen auch außerhalb Europas unseren Fußabdruck hinterlassen“: Claas-Chef Theo Freye.

Düsseldorf„Work hard, party hard“: Das Motto der Unternehmensberater hat offenbar auch beim Landtechnik-Hersteller Claas Einzug gehalten. Denn die Mähdrescher-Spezialisten aus Westfalen feierten in den letzten Monaten das 100-jährige Firmenjubiläum ausgiebig – mit Partys, Wett-Ernten und einem Seifenkistenrennen.

Die Arbeit kam aber offenbar nicht zu kurz: Der Umsatz stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr (30. September) um 11,3 Prozent auf den Rekordwert von 3,82 Milliarden Euro. Der Überschuss sank um 8,8 Prozent auf 212 Millionen Euro, wie das westfälische Familienunternehmen am Montag in Düsseldorf mitteilte. Dies sei aber auf Sondereffekte zurückzuführen. Im Vorjahr habe der Verkauf der Fertigungstechnik positiv zu Buche geschlagen (hier die Details zum Geschäftsbericht). Claas zählt zu den fünf größten Landtechnik-Herstellern der Welt.

Zahlen und Fakten zu Claas

Gegründet vor 100 Jahren

August Claas gründete die Firma im Jahr 1913, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs – zunächst produzierte und reparierte er Strohbinder. Den ersten Mähdrescher entwickelte die Firma ab 1930.

Mähdrescher und Feldhäcksler

Claas zählt zu den fünf größten Landtechnik-Herstellern der Welt. Als wichtigstes Claas-Produkt gilt der Mähdrescher – in Europa ist das Unternehmen damit Marktführer. Bei den Feldhäckslern sieht sich der Hersteller gar als Weltmarktführer. Zudem stellt es seit 2003 Traktoren her – damals übernahm Claas eine Renault-Sparte.

Familie mischt noch mit

Die Familie Claas ist derzeit nicht in der Geschäftsführung vertreten, mischt aber immer noch mit: Der 87-jährige Helmut Claas, Sohn des Firmengründers, leitet den für die langfristige Strategie zuständigen Gesellschafterausschuss. Seine Tochter Cathrina Claas-Mühlhäuser ist Vorsitzende des Aufsichtsrates.

Rund 9700 Mitarbeiter

Claas beschäftigt weltweit rund 9700 Mitarbeiter, jeder zweite davon im Ausland. Dieser Anteil dürfte sich weiter verlagern, wenn die Übernahme eines chinesischen Unternehmens abgeschlossen ist.

Fabriken in aller Welt

Claas produziert nicht nur in Deutschland und Frankreich, Fabriken stehen unter anderem auch in Ungarn, Russland, den USA und Indien. Außerdem kauft das Unternehmen einen chinesischen Landtechnik-Hersteller. Der Vertrieb ist in mehr als 100 Ländern vertreten.

Geschäft mit Know-how

Claas hat mehr als 3000 aktive Patente, darunter Steuerungssysteme für selbstfahrende Landmaschinen und ein „Datengenerierungs- und -übertragungssystem in landwirtschaftlichen Arbeitsmaschinen“.

„Die Mähdrescherstadt“

Claas prägt die ostwestfälische Stadt Harsewinkel wie kein anderes Unternehmen. Das zeigt auch der offizielle Namenszusatz: „Die Mähdrescherstadt“.

Das Unternehmen profitierte davon, dass die Landwirtschaft deutlich besser abschnitt als die Gesamtwirtschaft. „Die Einkommenssituation der Landwirte hat sich positiv entwickelt“, sagte Claas-Chef Theo Freye. Besonders gut lief das Geschäft in Frankreich – das Nachbarland war erstmals der wichtigste Absatzmarkt für Claas. Auch in Zentral- und Osteuropa sowie außerhalb Europas wuchs der Landtechnik-Hersteller stärker als der Markt.

Claas investierte knapp 200 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung, auch das ein Rekordwert. Ein großer Trend seien intelligente und vernetzte Maschinen. Ein Beispiel: Ein Mähdrescher stellt selbst ein, wie er durchs Feld fährt – je nachdem ob er schnell ernten oder Sprit sparen soll. Im Frühjahr startet zudem die von Claas initiierte Online-Plattform „365 Farmnet“, mit der Landwirte alle Prozesse managen können sollen.

Claas-Chef Freye: „,Bauer sucht  Frau’ amüsiert mich“

Claas-Chef Freye

„,Bauer sucht Frau’ amüsiert mich“

Im Fernsehen entsteht ein falscher Eindruck: Landwirtschaft ist High-Tech. „Das Bild der Branche ist im Wandel“, so Theo Freye, Chef des Mähdrescher-Spezialisten Claas. Derzeit in Arbeit: Eine Drohne, die Tiere aufspürt.

Im kommenden Jahr will das Familienunternehmen vor allem außerhalb Europas zulegen. „Wenn Sie sehen, wo die Märkte wachsen, müssen wir auch woanders unseren Fußabdruck hinterlassen“, sagte Freye im Interview mit Handelsblatt Online. Das Werk in Russland wird ausgebaut und soll ab März 2015 doppelt so viele Traktoren und Erntemaschinen produzieren können, in China übernimmt Claas derzeit den Landtechnik-Hersteller Jinyee – den Abschluss des Kaufs erwartet das Unternehmen Anfang 2014.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg weltweit um 6,8 Prozent auf 9700. Jeder zweite Claas-Angestellte arbeitet im Ausland. Bis Ende des laufenden Geschäftsjahres sollen rund 1500 Beschäftigte dazukommen.

Der Ausblick dürfte die Partystimmung indes leicht trüben. „Tendenziell sehen wir die Märkte eher seitwärts als aufwärts verlaufen, aber auf gutem Niveau“, sagte Freye. Das Unternehmen erwartet fürs laufende Geschäftsjahr einen „stabilen bis moderat wachsenden“ Umsatz und einen leicht sinkenden Gewinn. Ein wichtiger Grund dafür: die kostspielige Umstellung auf neue Abgasnormen.

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