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11.05.2017

10:25 Uhr

Lanxess

Chemiekonzern peilt Rekordergebnis an

VonBert Fröndhoff

Der Spezialchemie-Konzern Lanxess steuert nach einem Umsatz- und Gewinnsprung zum Jahresstart auf ein Rekordergebnis zu. Für das Unternehmen wäre es das erfolgreichste Geschäftsjahr seit seiner Gründung.

„Lanxess ist sehr stark in das neue Geschäftsjahr gestartet“ dpa

Matthias Zachert

„Lanxess ist sehr stark in das neue Geschäftsjahr gestartet“

DüsseldorfIn der Chemieindustrie stehen die Zeichen nach einer längeren Durststrecke wieder auf Wachstum. Dieser Trend wird nun auch vom Spezialchemiekonzern Lanxess gestützt. Nach einem starken ersten Quartal erhöhten die Kölner ihre Jahresprognose und erwarten nun einen bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda vor Sondereinflüssen) von mehr als 1,23 Milliarden Euro. Es wäre das beste Ergebnis in der zwölfjährigen Konzerngeschichte.

Der Umsatz von Lanxesss legte im ersten Quartal um ein Viertel auf 2,4 Milliarden Euro zu, der bereinigte Betriebsgewinn stieg ebenfalls um 25 Prozent auf 328 Millionen Euro. Treiber war die starke Chemiekonjunktur in allen Weltregionen, vor allem in Asien. Der Konzern steigerte in allen Segmenten die Verkaufsmengen und konnte die Preise weiter erhöhen.

Damit bestätigt Lanxess die Entwicklung in der gesamten Chemiebranche, die sich im ersten Quartal in einer überraschend starken Verfassung zeigt. Dank der weltweit anziehenden Nachfrage und dem Bauboom in Deutschland wuchs der Branchenumsatz im ersten Quartal um 3,8 Prozent, heißt es beim Chemieverband VCI. Für das Gesamtjahr erhöhte der Verband die Prognose und erwartet nun ein Umsatzwachstum von 3,5 Prozent auf 191 Milliarden Euro.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Der positive Trend zeigt sich bisher bei allen großen Herstellern. BASF steigerte zum Jahresauftakt den Umsatz um 19 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro und den bereinigten Betriebsgewinn um 29 Prozent auf knapp 2,5 Milliarden Euro. Das lag deutlich über den Erwartungen der Analysten. Auch die Essener Evonik erzielte ein Quartalsergebnis, das die Prognosen übertraf. Der Kunststoffhersteller Covestro spürt eine ungebrochen gute Nachfrage und schraubte seine Prognose hoch.

Für die Branche bedeutet dies eine lang ersehnte Entspannung. In den vergangenen Jahren spürten die Hersteller von mehreren Seiten Druck: Wegen einer schwache Nachfrage insbesondere in den Schwellenländern war die Auslastung der Chemiewerke niedrig, was die Gewinnspanne drückt. Zudem waren die Preise in vielen Segmenten rückläufig.

Lanxess-Chef Matthias Zachert geht davon aus, dass die gute Entwicklung weitergeht – für sein Unternehmen und für die Branche insgesamt. Allerdings dürften die Zuwachsraten nach dem außergewöhnlich guten ersten Quartal im Jahresverlauf moderater ausfallen, sagte Zachert am Donnerstag. Vor allem in Asien hatten viele Kunden in Erwartung steigender Preise Bestellungen vorgezogen und ihre Läger aufgefüllt.

Im Laufe des Jahres werden die Ergebnisse von Lanxess ohnehin kräftig steigen, weil der Konzern dann das Geschäft von Chemtura einbezieht. Die Kölner hatten den US-Spezialchemiekonzern im vergangenen Jahr für 2,4 Milliarden Euro übernommen. Im vergangenen Jahr kam Chemtura auf einen leicht gesunkenen Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar, das Ergebnis war durch einen einmaligen Sondereffekt durch Pensionsumstellungen rückläufig. Im bereinigten operativen Geschäft hingegen legten die Amerikaner aber weiter zu.

Die Integration des Additiv- und Flammschutzspezialisten steht auf der Agenda des Lanxess-Managements ganz oben auf der Agenda. Ende April hat der Konzern die Übernahme von Chemtura abgeschlossen. Um eine schnelle und möglichst reibungsfreie Integration sicherzustellen, wird Lanxess seinen Vorstand von vier auf fünf Mitglieder erweitern.

Anfang Juni wird der Brite Stephen Forsyth in das Führungsgremium einziehen. Der 61-Jährige verantwortet als Chief Integration Officer die Eingliederung der Geschäfte von Chemtura, er war bisher Finanzchef des amerikanischen Konzerns. Die neu geschaffene Position ist auf ein Jahr befristet.

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