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23.10.2012

19:48 Uhr

Lasche Arzneikontrolle

Roche droht Strafe in Milliardenhöhe

Der Pharmakonzern soll in zigtausenden Fällen die möglichen Nebenwirkungen von Medikamenten nicht genau untersucht haben. Dafür drohen den Schweizern nun Strafzahlungen – und das könnte in die Milliarden gehen.

Roche will die Vorkommnisse intern untersuchen. Reuters

Roche will die Vorkommnisse intern untersuchen.

Zürich/LondonDie europäische Arzneimittelbehörde EMA hat ein Verfahren gegen den Schweizer Pharmakonzern Roche wegen unzureichender Überwachung der Sicherheit seiner Medikamente eingeleitet. Die Untersuchung erstrecke sich auf 19 Präparate, teilte die EMA am Dienstag mit. Sollten Roche Verfehlungen nachgewiesen werden, drohen Strafzahlungen von bis zu fünf Prozent des Jahresumsatzes - 2011 erlöste der Konzern 42,5 Milliarden Franken (35,1 Milliarden Euro). Zu den von der Untersuchung betroffenen Arzneien gehören Medikamente wie die Krebsmittel Herceptin und Avastin oder das Grippemittel Tamiflu, mit denen Roche Milliardenumsätze erzielt.

Die europäische Arzneimittelbehörde hatte im Juni nach einer Routinekontrolle bekanntgegeben, dass Roche in bis zu 80.000 Fällen mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten nicht genau untersucht habe. Hinweise auf Schäden für Patienten gab es damals keine.

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Es ist das erste Mal, dass die EMA ein entsprechendes Verfahren einleitet, seit die entsprechenden Bestimmungen vor fünf Jahren in Kraft getreten sind. Ob eine Strafe gegen Roche verhängt wird, entscheidet die Europäische Kommission.

Roche sicherte vollständige Kooperation zu. Das Unternehmen habe eine interne Untersuchung der Vorkommnisse eingeleitet. Hinweise, die die Sicherheit der Präparate infrage stellen würden, ergaben sich dabei nicht, teilte Roche mit. Nach EMA-Angaben bleiben alle Medikamente ohne Änderungen der Behandlungsrichtlinien zugelassen. Es gebe keine Hinweise auf einen negativen Einfluss bezüglich des Nutzen-Risikoverhältnisses, hieß es.

Die Roche-Genussscheine verloren an der Börse zwei Prozent auf 182,30 Franken. Sie gab damit etwas stärker nach als die europäischen Gesundheitswerte insgesamt.

Von

rtr

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