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26.04.2013

11:18 Uhr

Lastwagenhersteller

MAN rutscht in die roten Zahlen

Die Konjunkturflaute in Europa macht der Volkswagen-Tochter MAN zu schaffen. Der Lastwagenbauer fährt zum Jahresauftakt einen Verlust in Millionenhöhe ein. Eine Ausweitung der Kurzarbeit schließt MAN aber aus.

Der Hersteller MAN leidet unter der Flaute am LKW-Markt. dpa

Der Hersteller MAN leidet unter der Flaute am LKW-Markt.

MünchenDie Konjunkturflaute setzt dem Münchner Lastwagen- und Maschinenbauer MAN immer stärker zu: Die VW-Tochter fuhr zu Jahresbeginn einen überraschend hohen operativen Verlust von 82 Millionen Euro ein. Analysten hatten im Schnitt für das erste Quartal lediglich mit einem Viertel dieses Werts gerechnet. Eine rasche Besserung ist nicht in Sicht: Der Auftragseingang sackte um 14 Prozent ab. Für das Gesamtjahr stellte der Vorstand am Freitag einen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres und ein deutlich verringertes operatives Ergebnis in Aussicht.

Die anhaltende Marktschwäche im Nutzfahrzeuggeschäft und in der Schifffahrtsbranche sowie Belastungen durch zusätzliche Vorsorgen in der Sparte Power Plants hätten zu dem Verlust geführt, schrieb Vorstandschef Georg Pacht-Reyhofen an die Aktionäre. MAN hatte vor Kurzem angekündigt, für möglich Risiken bei einem Großauftrag für schlüsselfertige Dieselkraftwerke 140 Millionen Euro zur Seite zu legen. Die Umsatzrendite war mit 2,3 Prozent negativ, vor Jahresfrist hatten noch plus 6,6 Prozent zu Buche gestanden.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller

1. Dongfeng

Die Dongfeng Motor Corporation ist ein chinesisches Großunternehmen im Lastkraftwagenbau, Busbau und Personenwagenbau sowie in der Entwicklung und Herstellung von Motoren und Fahrzeugkomponenten. Gleichzeitig ist das Unternehmen mit 300.100 verkauften Lkw und einem Marktanteil von 10,3 Prozent im Jahr 2010 der weltgrößte Lkw-Hersteller gewesen.

2. Daimler Trucks

Daimler Trucks belegte mit 280.700 verkauften Einheiten und 9,7 Prozent Marktanteil im Jahr 2010 den zweiten Platz bei den weltgrößten Herstellern von Lkw mit einem Gewicht von mehr als sechs Tonnen.

3. First Automotive Works

First Automotive Works (FAW) ist der größte chinesische Hersteller von Dieselmotoren, Pkw sowie mittleren bis schweren Bussen und Lkw. FAW produziert an insgesamt 19 verschiedenen Standorten hauptsächlich im Nordosten von China. Außerdem hat FAW noch Fabriken in Russland und der Ukraine. FAW verkaufte im Jahr 2010 insgesamt 274.300 Lkw und erreichte einen Marktanteil von 9,5 Prozent - Platz drei bei den weltgrößten Lkw-Herstellern.

China National Heavy Duty Truck

Das chinesische Staatsunternehmen China National Heavy Duty Truck kommt mit 199.900 verkauften Lkw auf einen Marktanteil von 6,9 Prozent im Jahr 2010.

5. Tata Motors

Tata Motors ist der größte Automobilhersteller in Indien und gehört mehrheitlich zur Tata Group. Das Unternehmen ist im Finanzindex BSE Sensex gelistet. Tata Motors ist mit 194.900 verkauften Lkw und einem Marktanteil von 6,7 Prozent der fünftgrößte Lkw-Hersteller der Welt.

6. MAN-Scania

MAN/Scania verkauften im Jahr 2010 zusammen 152.400 Lkw (schwerer als sechs Tonnen) und belegen mit einem Marktanteil von 5,2 Prozent derzeit Rang sechs bei den weltgrößten Herstellern von Lastkraftwagen.

7. Volvo Global Trucks

Die Lkw-Sparte von Volvo verkaufte im Jahr 2010 insgesamt 125.800 Einheiten und belegt mit einem Marktanteil von 4,3 Prozent Platz sieben.

8. Torch

Der chinesische Hersteller Torch hat mit 113.200 verkauften Lkw im Jahr 2010 einen Marktanteil von 3,9 Prozent.

9. Beijing Automotive Industry

Die chinesische Beijing Automotive Industry kam im Jahr 2010 auf 109.400 verkaufte Einheiten und belegt damit Platz neun mit einem Marktanteil von 3,8 Prozent.

10. Ashok Leyland

Der indische Nutzfahrzeughersteller Ashok Leyland produziert Lkw, Omnibusse und Militärfahrzeuge. In der Rangliste der weltgrößten Lkw-Hersteller rangiert das Unternehmen auf Platz zehn. Im Jahr 2010 wurden 80.000 Lkw (schwerer als sechs Tonnen) verkauft, was einem Marktanteil von 2,8 Prozent entspricht.

In Europa hofft MAN zumindest im zweiten Halbjahr auf eine langsame Erholung der Lkw-Märkte. Deswegen will Nutzfahrzeug-Chef Anders Nielsen für den Rest des Jahres auch ohne weitere Kurzarbeit auskommen. Dabei machen die Auftragseingänge im Gegensatz zur Lkw-Konkurrenz von Volvo und der VW-Schwester Scania keine allzu große Hoffnung. Seit 15 Monaten schrumpft der Nutzfahrzeugmarkt auf dem krisengeschüttelten Kontinent.

Gerade Lastwagenbauer merken eine schwache Konjunktur rasch, denn in der Krise werden weniger Waren gekauft, also auch weniger Waren transportiert. Spediteure schieben die Anschaffung neuer Lastwagen hinaus. Allein im März fielen die Neuzulassungen für schwere Lkw in Europa um 18,3 Prozent in die Tiefe. Noch deutlicher ging es im Krisenland Spanien nach unten. MAN erwartet für 2013 eine weiter rückläufige Entwicklung.

Eine konkrete Prognose für den Jahresgewinn verkneift sich der Konzern. Das operative Ergebnis werde allerdings deutlich unter dem von 2012 liegen - das lag mit 964 Millionen Euro auf dem zweittiefsten Stand seit 2006. Den Umsatz erwartet MAN 2013 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, vor allem das wieder anziehende Lkw-Geschäft in Brasilien soll hier eine Beitrag leisten, denn sowohl das Nutzfahrzeuggeschäft in Europa, als auch die Sparte Power Engineering werden 2013 wohl erneut rückläufige Umsätze melden. Eine Voraussetzung für die Prognose bleibt: Die Euro-Schuldenkrise darf sich nicht zuspitzen.

Der Vorstand hatte bereits im vergangenen Jahr einen Sparkurs eingeschlagen, um das Unternehmen auf Kurs zu bringen. Dazu zählen Einsparungen und Effizienzsteigerungen sowohl in der Produktion als auch auch in Verwaltung, Entwicklung und Vertrieb. Viel Potenzial sieht MAN in der Neuausrichtung des Einkaufs unter dem Dach des riesigen VW-Konzerns, zu dem dessen eigenes Nutzfahrzeuggeschäft sowie der schwedische MAN-Rivale Scania gehören. Zwei bis drei Viertel vom Wert eines Lastwagens entfallen auf Materialkosten.

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