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26.08.2012

19:48 Uhr

Lateinamerika

Wettbewerb der Autohersteller wird härter

VonAlexander Busch

Mexiko und Brasilien kämpfen um die Vorherrschaft in der Autoproduktion Lateinamerikas. Die Länder liefern sich dabei einen handelspolitischen Schlagabtausch. Und nun mischen auch noch die Chinesen mit.

Arbeiter vor einem VW-Werk in Brasilien. Die Autobranche ist Brasiliens wichtigste Schlüsselindustrie. ap

Arbeiter vor einem VW-Werk in Brasilien. Die Autobranche ist Brasiliens wichtigste Schlüsselindustrie.

Sao PauloBrasilien und Mexiko kämpfen um die Investitionen der internationalen Autobauer. Mexiko ist der wichtigste Exporteur von Fahrzeugen für die USA. Brasilien will an den Glanz alter Zeiten anknüpfen und wieder ein international bedeutender Autoexporteur werden. Der Weg dahin geht vor allem zulasten von Mexiko: Brasilien will ihm unter anderem die Rolle als US-Autolieferanten streitig machen.

Anfang März verschärfte die Regierung in Brasilia das Freihandelsabkommen für Pkws mit Mexiko. Zähneknirschend akzeptierte das mittelamerikanische Land, seine Pkw-Ausfuhren nach Brasilien auf dem Durchschnittswert der vergangenen drei Jahre einzufrieren. Darüber hinaus fällt jetzt für alle Autoimporte ein zusätzlicher Zoll von 35 Prozent an. Vom Nachfrageboom in Brasilien, dem bereits viertgrößten Automarkt der Welt, sind die Autobauer in Mexiko nun abgekoppelt.

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Für die Autoproduzenten in Mexiko - wie Volkswagen, Ford und Nissan - war das ein herber Schlag. In den vergangenen zwei Jahren verkauften sie immer mehr Fahrzeuge ins boomende Südamerika, während die Exporte in die krisengeschüttelten USA weit hinter den Erwartungen zurückblieben. Im vergangenen Jahr hatten die Hersteller ihre Exporte allein nach Brasilien auf zwei Milliarden Dollar fast verdoppelt.

Auch andere Konzerne beobachten das diplomatische Gerangel ganz genau, weil sie ihre eigenen Lateinamerika-Strategien entwickeln und auf der Suche nach dem optimalen Produktionsstandort sind. Da kommt der handelspolitische Schlagabtausch zwischen Mexiko und Brasilien unpassend.

So hat Audi nach langem Überlegen im April verkündet, seinen leichten Geländewagen Q5 in Mexiko zu bauen. Von dort soll er in die USA exportiert werden - und eigentlich auch nach Brasilien. Mit wachsendem Wohlstand werden dort Luxusgeländewagen gerade besonders beliebt. Doch die Exporte nach Brasilien kann Audi mit den hohen Importzöllen jetzt vergessen. Der Q5 hat dort kaum Verkaufschancen.

Auch BMW überlegt, in Südamerika ein Werk zu bauen und verhandelt über einen Standort in Brasilien. Der britisch-indische Produzent Landrover will ebenfalls dorthin, während Nissan und Suzuki bereits dabei sind, neue Fabriken zu bauen. Mercedes, Volvo und Chrysler planen gleichfalls Investitionen.

Die größten Automärkte der Welt

Platz 1

USA - 7,25 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Die Amerikaner haben die Lust am Autokauf wiederentdeckt. Im ersten Halbjahr legten die Verkaufszahlen um 15 Prozent zu.

Platz 2

China - 6,42 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Das rasante Wachstum in China verliert langsam an Fahrt. Trotzdem legte auch der chinesische Markt im ersten Halbjahr um neun Prozent zu.

Platz 3

Japan - 2,53 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Die Japaner haben die Tsunami-Katastrophe hinter sich gelassen. Kein Automarkt legte im ersten Halbjahr stärker zu. Insgesamt stiegen die Zulassungszahlen im ersten Halbjahr um 57 Prozent.

Platz 4

Deutschland - 1,64 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Auch wenn der deutsche Automarkt nur um ein Prozent im ersten Halbjahr wuchs: Damit erobern die Deutschen den vierten Platz zurück.

Platz 5

Brasilien - 1,63 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Der Automarkt im größten Land Südamerikas schwächelt im ersten Halbjahr etwas stärker als erwartet. Die Zulassungszahlen schrumpften um 0,4 Prozent.

Platz 7

Russland - 1,41 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Der russische Markt gehört zu den am stärksten wachsenden Automärkten der Welt. Die Zahl der Neuzulassungen stieg im ersten Halbjahr um Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent.

Platz 6

Indien - 1,48 Millionen Neuzulassungen (Stand: 1. Halbjahr 2012)

Auf der indischen Halbinsel wachsen die Zulassungszahlen rasant, insbesondere bei Kleinwagen. Satte 13 Prozent betrug das Wachstum allein im ersten Halbjahr - ein Ende ist nicht absehbar.

Die Autobauer des gehobenen Segments lockt einerseits das Marktpotenzial: Unternehmensberater Roland Berger erwartet, dass Brasilien bereits 2015 nach China und den USA der drittwichtigste Markt der Branche ist. Mit einem Fahrzeug auf sechs Einwohner ist Brasilien im Vergleich zu den Industrieländern unterversorgt.

Bis 2026 wird sich die Zahl der Pkw-Verkäufe auf 7,2 Millionen Fahrzeuge mehr als verdoppeln, schätzen die Unternehmensberater von KPMG. Angesichts der im Vergleich zu Russland, Indien und China hohen Pro-Kopf-Einkommen ist Brasilien einer der attraktivsten Standorte der Branche weltweit geworden - eben auch für die Premiumanbieter, die bisher dort nicht vertreten sind.

Kommentare (4)

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26.08.2012, 21:42 Uhr

Ich habe gehört die Schaeffler AG hat für Audi ein Thermal Management Modul entwickelt, dass die Emissionen deutlich vermindern soll. Hat davon schon wer gehört? Was ist das genau? Wird das auch in anderen Autos verbaut?

Account gelöscht!

26.08.2012, 21:43 Uhr

Ich denke das solch Module wie von Schaeffler könnten sehr gefragt sein, da das Thema Emissionen ohnehin gerade in aller Munde ist.

Account gelöscht!

27.08.2012, 03:43 Uhr

Ich warne ausdrücklich vor Guru / SEKTen-Fianzierung auf dem Umweg von Kindsunterhalt!

http://www.reiki.dynip.name
http://www.huessner.dynip.name
http://www.umgang.dynip.name

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