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18.01.2012

15:24 Uhr

Lebensmittelwirtschaft

Ernährungs-Branche auf Wachstumskurs

VonChristoph Kapalschinski

Das Jahr 2011 ist für die Lebensmittelwirtschaft gut und sogar deutlich besser als das Vorjahr gelaufen. Dennoch beklagt sie vor der Grünen Woche weiter den Preisdruck.

2011 ist für die Lebensmittelwirtschaft gut gelaufen. dpa

2011 ist für die Lebensmittelwirtschaft gut gelaufen.

BerlinTrotz deutlich gestiegener Preise meldete die Ernährungsindustrie gestern im Vorfeld der Grünen Woche ein reales Umsatzplus. Auch der Deutsche Bauernverband berichtete von steigenden Einnahmen bei seinen Mitgliedern. Damit ist das Jahr 2011 für die Branche deutlich besser gelaufen als das Vorjahr. Dennoch bleiben die beiden ideelen Trägerverbände der 77. Grünen Woche kritisch.

„Der Umsatz wächst kontinuierlich. Selbst die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft haben wir in den vergangenen drei Jahren erhöht“, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. „Diese Branche hat die Krise der Banken stabil überstanden und befindet sich jetzt auf einem stabilen Wachstumskurs.“ Vor allem Milchbauern und Ackerbaubetriebe verdienten besser, Schwierigkeiten hätten noch Schweinemäster und Obstbaubetriebe.

Der Einzelhandel – auch der Discount – übe inzwischen weniger Preisdruck aus. „Das geschieht nicht unserer blauen Augen wegen, sondern weil wir es gemeinsam gelernt haben, unsere Produkte auch an Abnehmer in anderen EU-Länden, in Russland oder China zu verkaufen“, sagte er. Anfang 2011 hatte die Bauern zudem heftig gegen Billig-Milch demonstriert, woraufhin der Handel einlenkte.

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Der Präsident des Verbands der Lebensmittelindustrie, der Fleischproduzent Jürgen Abraham, bemängelte hingegen erneut, seine Branche habe beim Handel keine ausreichenden Preissteigerungen erreicht. Schließlich seien die Rohstoffe deutlich teurer geworden und zögen 2012 weiter an. Die Branche brauche Preissteigerungen, um innovativ bleiben zu können. Mit der Aussage rüstete er sich auch für bevorstehende Lohnverhandelungen. Große Spielräume für Lohnsteigerungen gebe es nicht, sagte Abraham.

Die Zahlen, von denen er berichtete, zeigen hingegen ein etwas anderes Bild: Danach ist der Umsatz der Branche um 8,5 Prozent auf 162,2 Milliarden Euro gestiegen. Preisbereinigt blieb ein Plus von 1,3 Prozent nach einem Minus von 0,2 Prozent im Vorjahr. Die Verkaufspreise im Inland der Branche an den Handel stiegen um 6,1 Prozent, die Verbraucherpreise für die Produkte jedoch nur um 2,8 Prozent. Das heißt: Der Handel verzichtet offenbar auf Marge. Deutliches Wachstum von 13 Prozent verzeichneten die Lebensmittelhersteller zudem im Export. Dessen Anteil stieg auf fast ein Drittel. China und Indien böten inzwischen auch für den Mittelstand Chancen, sagte Abraham.

Auf der Grünen Woche wollen die Verbände das Thema Qualität in den Mittelpunkt stellen. Sonnleitner kündigte an, die Branche wolle mittelfristig auf umstrittene Methoden wie das Kürzen von Schnäbeln oder Ferkelkastration verzichten. Antibiotika müssten aber zur Behandlung kranker Tiere einsetzbar sein. Zuletzt gab es starke Kritik am breiten Einsatz dieser Mittel in der Geflügelzucht. „Wir benötigen einwandfreie Produkte“, forderte Abraham von den Bauern. Das gelte auch für den Tierschutz. Veränderungen in der Tierzucht könnten aber höhere Preise nach sich ziehen, sagt er.

Die Grüne Woche soll den Besuchern moderne Produktionsmethoden näherbringen: „Wir pflegen auf der Messe nicht die Idylle einer Heidi-Landwirtschaft, sondern stellen die konkrete Arbeit auf den Höfen dar“, sagte Sonnleitner. Die Messe findet vom 20. bis 29. Januar in Berlin mit 1.624 Ausstellern aus 59 Ländern statt.

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