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19.02.2014

12:09 Uhr

Leichte Erholung

Clariant gewinnt, doch Kraftstrotzen sieht anders aus

Die Reformen greifen, Clariant steigert seine Gewinne und lässt auch die Aktionäre an dem Aufschwung teilhaben. Allerdings hatten Beobachter mehr erwartet, die mittelfristige Prognose ist eher nüchtern.

Clariant-Chef Hariolf Kottmann bei einer Präsentation: Die Ergebnisse des Chemiekonzern sind nur bedingt zufriedenstellend. dpa

Clariant-Chef Hariolf Kottmann bei einer Präsentation: Die Ergebnisse des Chemiekonzern sind nur bedingt zufriedenstellend.

ZürichFür den Schweizer Chemiekonzern Clariant zahlt sich der Umbau mit der Ausrichtung auf weniger schwankungsanfällige Sparten langsam aus: Die Geschäfte, die das Unternehmen behalten hat, warfen im Vorjahr deutlich mehr Gewinn ab. Das Unternehmen traut sich wieder Wachstum zu und will die Gewinnspanne steigern. „Nach der Veräußerung mehrerer Geschäftseinheiten verfügt Clariant nun über ein ausgewogenes Portfolio und ist zu einem rentableren, weniger konjunkturabhängigen Akteur in der Spezialchemie geworden“, sagte Konzernchef Hariolf Kottmann am Mittwoch. Teil daran sollen auch die Aktionäre haben: Sie sollen 0,36 Franken Dividende je Aktie erhalten nach 0,33 Franken im Vorjahr.

Clariant hatte im Oktober das Lederchemie-Geschäft an die niederländische Chemiefirma Stahl verkauft und damit die Neuausrichtung abgeschlossen. Bereits zuvor hatte das Unternehmen die Sparten Textilchemikalien, Papier-Spezialitäten und Emulsionen sowie das Geschäft mit Reinigungschemikalien und Zwischenprodukten veräußert. Ziel von Clariant-Chef Kottmann ist es, den Konzern operativ deutlich rentabler zu machen. Große Änderungen im Portfolio peilt er nun nicht mehr an. „Wir werden mit kleineren, ergänzenden Zukäufen weitermachen und uns auch von kleineren Geschäfte trennen, die nicht in unsere Strategie passen.“

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Zu einem Verkauf von ASK Chemicals wollte Kottmann keine Stellung nehmen. Reuters hatte aus Finanz- und Branchenkreisen erfahren, dass Clariant die Veräußerung der gemeinsam mit dem US-Chemiekonzern Ashland betriebenen Firma vorantreibt. Mehreren mit dem Vorgang vertrauten Personen zufolge seien noch eine Handvoll Wettbewerber und Beteiligungsgesellschaften im Verkaufsprozess.

Mit den fortgeführten Geschäften verdiente Clariant im Vorjahr 323 Millionen Franken (264 Millionen Euro) – 59 Prozent mehr als 2012. Der Umbau kostete allerdings auch viel Geld. Restrukturierungsaufwendungen, Wertminderungen und Transaktionskosten schlugen mit 104 Millionen Franken zu Buche und unter dem Strich brach der Reingewinn auf nur noch fünf Millionen Franken ein. Den Umsatz steigerte der in Muttenz nahe Basel ansässige Konzern geringfügig auf 6,08 Milliarden Franken.

Dieses Jahr sollen die Verkaufserlöse währungsbereinigt um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag wachsen. Die um Sonderposten bereinigte operative Marge (Ebitda) soll steigen. 2013 waren es 14,1 Prozent. Ab kommendem Jahr peilt Kottmann 16 bis 19 Prozent Marge an, bisher hatte er mehr als 17 Prozent anvisiert. „Die Prognose ist noch immer gültig“, erklärte der Clariant-Chef. „Sie ist bloß präziser und berücksichtigt das sehr volatile Umfeld.“

Die Anleger an der Börse waren vorsichtig: Die Clariant-Aktien verloren 1,5 Prozent auf 17,57 Franken. Nach dem Umbau und der Bereinigung des Geschäftsportfolios müsse Clariant nun beweisen, dass die Margenziele bis 2015 erreichbar seien, urteilten die Analysten der Privatbank Notenstein.

Von

rtr

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