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15.07.2012

09:54 Uhr

Leise und sparsam

Neue Antriebe für die Flieger der Zukunft

VonMarkus Fasse

Auf der größten Luftfahrtmesse der Welt in Farnborough präsentieren Hersteller die Triebwerke der Zukunft. Für Fluggesellschaften wie Lufthansa sind die sparsamen Antriebe lebenswichtig.

Ein Triebwerk der Luftfahrtschau in Farnborough: 15 Prozent weniger Kerosin sollen die Getriebefan-Turbinen brauchen, die ab 2015 zum Einsatz kommen. AFP

Ein Triebwerk der Luftfahrtschau in Farnborough: 15 Prozent weniger Kerosin sollen die Getriebefan-Turbinen brauchen, die ab 2015 zum Einsatz kommen.

FarnboroughFür Flughafenanwohner hat Bob Saia ein echtes Versprechen. "Dieses Triebwerk wird nur noch halb so laut sein wie seine Vorgänger", verkündet Saia vor der mächtigen Triebwerksgondel, die Pratt & Whitney auf der Luftfahrtshow in Farnborough präsentiert. Mehrere Tausend Stunden Testlauf hat die Turbine hinter sich und soll nach der Freigabe der Luftfahrtbehörden ab 2015 im Airbus A320 in der Variante "new engine option" (neo) eingesetzt werden. Das Flüsterwunder ist ein Star der Branchenmesse in Südengland, denn es verbraucht zudem auch noch bis zu 15 Prozent weniger Sprit. "Damit werden wir die Entwicklung auf Jahrzehnte prägen", sagt das Vorstandsmitglied für zukünftige Antriebe dem Handelsblatt.

Der Triebwerkshersteller Pratt & Whitney, Tochter des US-Technologiekonzerns UTC, hatte 2005 den Startschuss für die Entwicklung des sogenannten Getriebefan-Triebwerks gegeben. Damals lächelte die Branche. "Niemand sah den Bedarf für diese Technik", sagt Saia. Doch in Zeiten rasant steigender Spritpreise und wachsender Lärmbeschränkungen haben sich die Flugzeughersteller entschlossen, auf neue Antriebe umzusteigen. Die Triebwerksbauer, kartellrechtlich streng getrennt von den Flugzeugherstellern, stehen deshalb besonders im Blickpunkt.

In Farnborough lieferten sich vor allem General Electric und Pratt & Whitney einen erbitterten Kampf um die Frage, wer das effizientere Triebwerk für die neue Generation von Mittelstreckenflugzeugen wie dem "A320 neo" und dem Boeing-Pendant "737 max" liefern kann. Für Pratt & Whitney hat sich die Entwicklung des PW 1100G schon jetzt gelohnt. Bis 2020 will das Unternehmen seinen Umsatz von heute 13 Milliarden Dollar auf dann 24 Milliarden Dollar nahezu verdopplen - nur auf Basis der heute bestehenden Aufträge. Und es werden immer mehr: Allein am ersten Messetag in Farnborough hat Pratt & Whitney das neue Triebwerk 520 Mal verkauft, obwohl es von den Luftfahrtbehörden noch gar nicht zugelassen ist.

Das Herz des neuen Spartriebwerks von P & W ist ein Untersetzungsgetriebe, ähnlich der Kupplung eines Autos. In der Flugzeugturbine wird damit die Drehzahl des vorderen Schaufelkranzes von der hinteren Niederdruckturbine entkoppelt, die somit effizienter laufen kann. Das Triebwerk insgesamt wird breiter und größer, aber auch sparsamer und leiser.

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