Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2011

11:17 Uhr

Lekker Energie

Billigstromanbieter klagt über Dumping

VonJürgen Flauger

Lekker Energie wirft der Konkurrenz unfairen Wettbewerb vor: Es gebe Tarife, die allein nach den Fixkosten – also Steuern, Abgaben und Netzentgelten – einen negativen Deckungsbeitrag von 50 Euro pro Kunde und Jahr hätten. Firmenchef Thomas Mecke rechnet aber mit einer Konsolidierung der noch jungen Branche.

Werbefahrzeug von Lekker Strom dpa

Werbefahrzeug von Lekker Strom

DÜSSELDORF. Thomas Mecke ist ein Pionier auf dem deutschen Energiemarkt. Sein Unternehmen Lekker Energie war unter dem alten Namen Nuon einer der ersten neuen Anbieter, die schon vor über zehn Jahren die angestammten Versorger in Deutschland mit preiswerten Angeboten attackierten. Jetzt klagt der Strommanager aber selbst über den - nach seiner Einschätzung - unfair gewordenen Wettbewerb.

"Es gibt einen knallharten Verdrängungswettbewerb", sagt Mecke, "einige unserer Konkurrenten werben mit exorbitanten Bonuszahlungen." Es gebe Tarife, die allein nach den Fixkosten - also Steuern, Abgaben und Netzentgelten - einen negativen Deckungsbeitrag von 50 Euro pro Kunde und Jahr hätten. "Und da kommen die Kosten für Beschaffung, Vertrieb und Marketing erst noch oben drauf." Im Klartext: Einige Wettbewerber arbeiten nach Meckes Worten mit Tarifen, die sich auf Dauer nicht rechnen können. "Langfristig kann der Wettbewerb so nicht funktionieren", sagt Mecke, "ich rechne mit einer Konsolidierung." Die Frage sei nur noch, wann sie beginnt.

Der Verbraucher kann inzwischen aus vielen Stromtarifen wählen

Meckes Firma hatte sich bereits 2000, nur zwei Jahre nach der formellen Liberalisierung, auf den deutschen Energiemarkt gewagt. Damals war sie noch eine Tochtergesellschaft des niederländischen Versorgers Nuon. Nach und nach weitete sie den Vertrieb auf alle großen Metropolregionen aus und ist inzwischen vom Ruhrgebiet bis Berlin, von Hamburg bis Stuttgart aktiv. Seit vier Jahren bietet das Unternehmen zudem Gas an. Im vergangenen Jahr musste sich Nuon nach der Übernahme durch Vattenfall vom deutschen Billigableger trennen. Das Unternehmen wurde vom westfälischen Regionalversorger Enervie übernommen, ist seither dessen bundesweiter Vertriebsarm und firmiert unter dem langjährigen Werbeslogan "Lekker Energie".

Über die Jahre hinweg hat sich der Billiganbieter einen Kundenstamm von gut 300 000 Kunden aufgebaut - zehn Prozent davon im Gasmarkt. Das Geschäft wird aber immer schwieriger. Im Internet kann jeder Verbraucher inzwischen unter mehr als 50 Tarifen wählen. Alle großen Energiekonzerne haben den Angriff der Newcomer mit eigenen Billigablegern gekontert. EnBW ist mit Yello schon von Anfang an dabei, Eon und RWE zogen mit E-wie-einfach und Eprimo in den vergangenen Jahren nach. Hinzu kommen bundesweit aktive Töchter von Kommunalversorgern und eine Reihe von selbstständigen Billiganbietern - allen voran die besonders aggressiv wachsenden Firmen Teldafax und Flexstrom.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Denkerist

04.01.2011, 13:26 Uhr

Strom war noch nie so billig wie heute. Er ist 30% überhöht, Gas ca.50%.
Ganz offensichtlich funktioniert der markt noch nicht. Das kartell aus den 4 Großen hat den Markt im Griff.
Richtiger Wettbewerb muß her. So wie der europäische Arbeitskräftemarkt die Löhne drückt, muß es dem verbraucher möglich sein, mit europäischen Anbietern im Stromsektor seine Ausgaben zu senken. Und Strom ist in Europa viel billiger.

Oekofreak

04.01.2011, 15:37 Uhr

Toller und interessanter beitrag! ich wünsche Lekker-Energie viel Erfolg weiterhin!

nachrechner

05.01.2011, 10:46 Uhr

aha - also das ist DER lekker, der mit seiner gefakten stromsparfahrt schon mal mächtig für aufsehen gesorgt hat. Und der klagt jetzt über dumping ? Sorry, die nummer mit dem angeblichen strommobil und dessen wunderbatterien ist mal gar nichts anderes....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×