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16.08.2016

16:41 Uhr

Leoni

Trickdiebe erleichtern Zulieferer um Millionen

VonJoachim Hofer

Kriminelle haben den Nürnberger Kabelhersteller Leoni um 40 Millionen Euro erleichtert. Der Trick, den die Betrüger bei dem Autozulieferer verwendeten, ist allerdings nicht gerade neu.

Der Autozulieferer ist nach eigenen Angaben Opfer eines millionenschweren Betrugs geworden. dpa

Leoni

Der Autozulieferer ist nach eigenen Angaben Opfer eines millionenschweren Betrugs geworden.

MünchenBis 14.56 Uhr dümpelte der Aktienkurs des Autozulieferers Leoni an diesem Dienstag so vor sich hin. Dann ging es schlagartig bergab. Massenhaft warfen die Anleger die Papiere auf den Markt, binnen weniger Minuten verlor der im MDax notierte Wert mehr als neun Prozent.

Der Auslöser des Kurssturzes: In einer Ad-hoc-Meldung berichtete der Vorstand von einem groß angelegten Betrug. Unter Verwendung gefälschter Dokumente und Identitäten sowie unter Nutzung elektronischer Kommunikationswege seien Gelder des Unternehmens auf Konten im Ausland überwiesen worden. Alles in allem hätten die Kriminellen 40 Millionen Euro geklaut.

Attacken aus dem Netz

Hacker im Hochofen

Bereits im Jahr 2014 waren Hacker in das Netzwerk eines Stahlwerks eingedrungen. Sie übernahmen die Steuerung des Hochofens und beschädigten die Anlage massiv. Laut einer Analyse des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind die Hacker durch E-Mails in das System gekommen und haben sich nach und nach bis in das Innerste vorgearbeitet. Das BSI bewertete die Kenntnisse der Hacker als „sehr fortgeschritten“. Angriffe auf Industrieanlagen kommen auch im Ausland immer wieder vor, zuletzt etwa auf einen Energieversorger in der Ukraine.

Angriff auf Sony

Für Aufsehen sorgte auch ein Cyberangriff auf das Filmstudio Sony Pictures. Hacker waren im November 2014 in die Computersysteme des Unternehmens eingedrungen und hatten vertrauliche Informationen erbeutet, darunter Filmkopien. Die USA hatten Nordkorea im Verdacht, hinter den Attacken zu stecken, da sie mit Drohungen gegen den Film „The Interview“ verbunden waren. In der Komödie geht es darum, dass der nordkoreanische Machthaber von der CIA ermordet wird. Nordkorea bestreitet die Tat.

Sabotage beim Sender TV5 Monde

Im April 2015 sabotierten Unbekannte die Server des französischen Fernsehsenders TV5 Monde. Über Stunden konnte er sein Programm nicht ausstrahlen, auch die Webseite war nicht erreichbar. Parallel hatten die Hacker die Social-Media-Kanäle des Senders gekapert und darüber Propaganda der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) verbreitet. Noch ist nicht abschließend geklärt, wer die Täter waren, aber auch hier müssen mehrere Experten am Werk gewesen sein, glauben Ermittler.

Spionage im Bundestag

Im Sommer 2015 verschafften sich Hacker Zugang zu den Rechnern im Deutschen Bundestag. Die Täter schleusten unter anderem Schadprogramme wie Keylogger ein, die Tastatureingaben mitschneiden und Bildschirmfotos erstellen. ‧Aufgrund der Komplexität der Angriffe geht Innenminister Thomas de Maizière (CDU) davon aus, dass die Hacker für staatliche Stellen gearbeitet haben und es sich nicht um Privatleute handelte. Mehrere Medien zitierten aus Sicherheitskreisen, dass die Attacke vermutlich von russischen Diensten ausging. Cyberattacken auf die Bundesregierung und angeschlossene Behörden erfolgen immer häufiger. Während sie 2014 noch durchschnittlich fünfmal pro Tag angegriffen wurden, waren es im Jahr 2015 bereits 15 Attacken pro Tag, wie aus dem aktuellen Jahresbericht zur IT-Sicherheit hervorgeht.

Cyberschädlinge im Krankenhaus

In den vergangenen Wochen wurden Krankenhäuser in Deutschland vermehrt Opfer von Angriffen durch sogenannte Ransomware, etwa das Lukas-Krankenhaus in Neuss. Diese Schadsoftware schleicht sich in das Computersystem ein und verschlüsselt die dort gespeicherten Daten. Wer sie zurückhaben will, muss Lösegeld zahlen. In vielen Fällen reagierten die Krankenhäuser schnell und schalteten die Systeme sofort aus.

Nach einem Bericht des Bundesinnenministeriums gehören Cyberangriffe zur Erpressung von Geld inzwischen zum „typischen Angriffsspektrum von Cyberkriminellen“. Die Täter suchen sich gern kleinere Unternehmen, die eher bereit sind, Lösegeld zu zahlen, sagen Experten.

Ein Sprecher des Nürnberger Kabelherstellers wollte sich auf Nachfrage wegen laufender Ermittlungen nicht zu weiteren Details äußern. In der Mitteilung hieß es, der Vorstand habe umgehend eine Untersuchung der Vorfälle eingeleitet und prüfe derzeit Schadenersatz- und Versicherungsansprüche. Ebenso sei Anzeige bei der Polizei erstattet worden.

Es kommt immer wieder vor, dass Firmen wie Leoni überrumpelt werden. Häufig geschieht dies über Mails, die fälschlicherweise Managern zugeschrieben werden. Darin werden Mitarbeiter auffordert, Überweisungen auf Konten vorzunehmen, die von Kriminellen kontrolliert werden.

So könnte es jetzt auch in Nürnberg passiert sein. Im Umfeld der Firma hieß es, jemand habe sich gegenüber Beschäftigten als Leoni-Mitarbeiter ausgegeben und behauptet, „besondere Befugnisse zu haben“. Die Täter informieren sich in solchen Fällen in aller Regel vorher gründlich im Netz, nutzen Informationen in Social Media und auf Karriereportalen, um individuelle Details wie etwa die Betriebszugehörigkeit ihrer möglichen Ansprechpartner herauszubekommen.

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