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09.01.2009

14:11 Uhr

Liberalisierung

Thalys macht sich fit für den Bahnwettbewerb

VonEberhard Krummheuer

Elf Jahre nach dem Start der bordeaux-roten, bis zu 300 km/h schnellen Triebzüge leistet sich Thalys jetzt einen „Relaunch“. Der Konzern macht sich damit fit für die anstehende Liberalisierung des schnellen Bahnverkehrs 2010. Thalys-Chef Olivier Pointrenaud spricht bei der 50 Millionen Euro teuren Erneuerung seiner 26 Züge von einer „Metamorphose“.

Ein Thalys verlässt den Kölner Hauptbahnhof. Die renovierten Hochgeschwindigkeitszüge werden in beiden Klassen komplett neu ausgestattet. Foto: dpa dpa

Ein Thalys verlässt den Kölner Hauptbahnhof. Die renovierten Hochgeschwindigkeitszüge werden in beiden Klassen komplett neu ausgestattet. Foto: dpa

BRÜSSEL. Wenn Franzosen Errungenschaften und High-Tech präsentieren, geraten sie schnell ins Schwärmen. Olivier Poitrenaud ist da keine Ausnahme. Ein „Symbol für ein dynamisches und kulturübergreifendes Europa“ sei sein bestes Pferd im Stall – „ein Zug mit starker Persönlichkeit und voller kreativer Impulse“, sagte der Chef des Hochgeschwindigkeits-Bahnunternehmens Thalys gestern in Brüssel.

Klar, dass es bei diesem Anspruch gestern einen großen Bahnhof gab. In einem Wartungswerk in Brüssel wurde der erste renovierte Zug mit Champagner, Feuerwerk und reichlich Tamtam der europäischen Öffentlichkeit vorgestellt. Drei Jahre ließ die Thalys-Firma, die den Staatsbahnen von Frankreich, Belgien, Deutschland und den Niederlanden gehört, Marketing-Experten denken, Designer werkeln und Couturiers schneidern.

Das Ziel: 2010, wenn die Liberalisierung der Bahn auch im schnellen Schienenfernverkehr die Möglichkeit für Wettbewerb schafft, will Thalys mit einem Top-Produkt antreten. Bis dahin soll die ganze Flotte durch den Jungbrunnen gegangen sein.

Überzeugen soll das neue Top-Produkt vor allem Geschäftsreisende. Denn mit einer Reisezeit, die nach der Fertigstellung der neuen Strecke von Lüttich nach Aachen im Laufe dieses Jahres von Köln nach Paris nur noch dreieinviertel Stunden beträgt, ist der Thalys konkurrenzfähig auch zu den Fliegern – so wie heute schon die ICE- und TGV-Verbindungen aus Frankfurt und Stuttgart in die französische Metropole.

Doch Zeit ist nicht alles. So werden die renovierten Thalys-Züge innen in beiden Klassen komplett neu ausgestattet. Neue Sitze mit mehr Beinfreiheit, an jedem Platz eine Steckdose, in der 1. Klasse wie heute schon und anders als in den innerdeutschen Hot-Spot-ICEs Internet-Zugang kostenlos. Und gereist wird auf Wunsch, wie im Flieger, elektronisch ohne Ticket.

Très chic präsentiert sich das Zugpersonal. Bei allem Nationalstolz der Franzosen: die Entwürfe stammen von der Kölner Mode-Designerin Eva Gronbach. Ein neues Gastronomie-Konzept baut den Am-Platz-Service in der Ersten Klasse weiter aus. Zudem werden die Zug-Bars, die bislang eher den Charme von Vorstadt-Imbissbuden haben, gestalterisch aufgewertet, und für Meetings gibt es eine separate Business Lounge.

Natürlich braucht eine Metamorphose neue Farben und Linien. Was innen auf die Reisenden zukommt, beschreibt Poitrenaud als „subtile Kombination aus Rottönen, Lila und Fuchsie“. Von außen will der neue Thalys noch schneller wirken, als er heute schon ist. Eine chromfarbene Linie an den Außenseiten des Zuges signalisiert Tempo: „Bei 300 km/h fliegt der Thalys vorbei wie ein Pfeil aus Chrom“, formulieren die begeisterungsfähigen Franzosen.

Auf der Strecke Köln-Brüssel fährt der schnelle Zug in direkter Konkurrenz mit dem deutschen ICE, wenigstens laut Fahrplan. Wer gestern allerdings mit dem ICE zum Brüsseler Event anreisen wollte, hatte das Nachsehen. Der ICE wurde von der Deutschen Bahn ersatzlos gestrichen. Nächste Fahrgelegenheit nach Brüssel: Bitteschön, anderthalb Stunden später mit dem Wettbewerber Thalys.

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