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28.10.2016

09:25 Uhr

Linde

Büchele verschärft den Sparkurs

VonAxel Höpner

Die geplatzten Fusionsverhandlungen mit Praxair haben beim Gasespezialist Linde Konsequenzen. Der scheidende Konzernchef Wolfgang Büchele legt ein neues Sparprogramm auf – das auch Arbeitsplätze kosten wird.

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MünchenEs war kein guter Sommer für Linde-Chef Wolfgang Büchele. Die Fusionsverhandlungen mit dem US-Konkurrenten Praxair platzten. Als Konsequenz kündigte Büchele, der hinter dem Zusammenschluss stand, an, seinen im Mai auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Nach nur einer Amtszeit wird er Linde wieder verlassen.

Im Herbst gibt es nun auch keine besonders erfreulichen Nachrichten. Wegen des schwierigen konjunkturellen Umfelds und wohl auch als Konsequenz aus dem Scheitern der Fusion verkündete Büchele am Freitag ein neues Sparprogramm mit dem Namen „Lift“. Dabei werden auch Arbeitsplätze wegfallen. Die Kosten sollen mit Hilfe des Programms in den nächsten drei Jahren um zusätzlich 370 Millionen Euro im Jahr gesenkt werden. „Unsere klare Vision ist, Linde langfristig und nachhaltig zu einem der profitabelsten und präferierten Anbieter im Industriegase-Engineering-Geschäft auszubauen", sagte Büchele. Der Wachstumskurs werde fortgesetzt. Die Linde-Aktie stieg am Freitagmorgen zum Handelsstart gegen den Markttrend um 2,8 Prozent.

Linde-Umbau nach Praxair-Pleite: Reitzles zweiter Aufschlag

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Nach dem großen Hauskrach bei Linde muss Aufsichtsratschef Reitzle den Blick nach vorn richten. Der weit profitablere Wettbewerber Praxair, dessen Übernahme scheiterte, zeigt, dass noch einiges möglich ist. Eine Analyse.

Die Quartalszahlen fielen angesichts des schwierigen Umfelds gar nicht einmal so schlecht aus. Der Umsatz stagnierte währungsbereinigt bei 4,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte bereinigt um gut drei Prozent auf eine Milliarde Euro zu. Ohne Berücksichtigung der Währungseffekte sanken beide Kennzahlen um gut zwei Prozent. Damit blieb Linde im Rahmen der Erwartungen, auch die vorsichtige Prognose bestätigte Büchele. Doch noch immer halten sich die Kunden mit Investitionen zurück, eine rasche Erholung ist nicht in Sicht.

Ein strategischer Ausweg sollte da die Fusion mit Praxair zu einem neuen Weltmarktführer sein. Die beiden Unternehmen würden sich nicht nur nach Einschätzung von Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle sehr gut ergänzen. Ganz ist das Thema daher noch nicht vom Tisch. Sowohl Reitzle als auch Praxair-Chef Stephen Angel haben sich Hintertüren offengelassen. Allerdings hat Büchele nach Informationen des Handelsblatts intern verkündet, dass es zumindest in der Zeit, in der er noch Chef ist, keinen neuen Anlauf geben wird. Für das nächste halbe Jahr wäre das Thema Fusion damit vom Tisch.

Die weltweit größten Industriegasekonzerne

Air Liquide

Die Franzosen wurden mit dem Kauf des US-Konkurrenten Airgas zuletzt wieder zum größten Industriegaseunternehmen der Welt.

Umsatz: 21,2 Milliarden Euro

Gewinn: 1,8 Milliarden Euro (ohne Airgas)

Marktpräsenz: 80 Länder

Mitarbeiter: 68.000

Hauptsitz: Paris

Linde

Umsatz: 18 Milliarden Euro

Gewinn: 1,15 Milliarden Euro

Marktpräsenz: 100 Länder

Mitarbeiter: 64.500

Hauptsitz: München

Praxair

Umsatz: 10,8 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro)

Gewinn: 1,68 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro)

Marktpräsenz: 50 Länder

Mitarbeiter: 26.000

Hauptsitz: Danbury, Connecticut

Air Products

Umsatz: 9,9 Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro)

Gewinn: 1,43 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro)

Marktpräsenz: 50 Länder

Mitarbeiter. 19.000

Hauptsitz: Allentown, Pennsylvania

In einer handfesten Krise steckt Linde nicht, das betonte Büchele auch jetzt. „Insgesamt befindet sich das Unternehmen auf dem richtigen Weg.“ In den ersten neun Monaten sanken die Erlöse auch wegen Währungseffekten um rund vier Prozent auf knapp 13 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis sank um gut zwei auf knapp 3,1 Milliarden Euro. Währungsbereinigt sah es etwas besser aus.

Kommentare (27)

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Herr Josef Schmidt

28.10.2016, 08:42 Uhr

Die Konjunktur läuft wie auf Schienen und der Konsum ebenfalls. Weiter so. Die Aktionäre werden das bald zu spüren bekommen.

Herr Holger Narrog

28.10.2016, 08:57 Uhr

Hallo Herr Schmidt...soweit ich das beurteilen kann läuft die weltweite Konjunktur (für Linde massgeblich) recht schwach. Der Konsum ist für Linde nicht massgeblich. Dann sollten Sie bedenken dass ein erheblicher Teil der Aktivitäten in den Altindustriestaaten unproduktive Zombiewirtschaft* ist. Für Linde kommt hinzu, dass die Investitionen in Öl und Gas sehr geschrumpft sind.

*Unter "Zombiewirtschaft" sind unproduktive/destruktive, staatlichen Geistesblitzen geschuldete Aktivitäten, z.B. "Erneuerbare Energien", REACH, unproduktive Auflagen für Autobauer, Kernkraftwerke, Greenpeace, Lobbyisten, zu verstehen

Herr Percy Stuart

28.10.2016, 09:06 Uhr

Weiter geht's mit dem Jobabbau in Deutschland.
Reifenhersteller Goodyear Dunlop gibt Werk im badischen Philippsburg komplett auf!
„Die geplante Schließung des Reifenwerkes von Goodyear Dunlop und der damit verbundene Wegfall von rund 900 Artebitsplätzen sind ein schwerer Schlag für die Stadt Philippsburg sowie die gesamte Region. Erneut wird von einem US-amerikanischen Konzern eine solch schwerwiegende Entscheidung, die persönliche Schicksale von Angestellten und deren Familien völlig außer acht lässt, von weit aus der Ferne getroffen.“ Zitat: Olav Gutting (CDU)
Mitarbeiter sind in der gloabliserten Welt nur noch Kennzahlen und Humankapital, dass man entleihen und freistellen kann, gerade so, wie es die Kennzahlen vorgeben.
WIR sind viele und WIR werden uns wehren - darauf könnt ihr euch verlassen!

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