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20.12.2016

17:30 Uhr

Linde-Chef Belloni zu Praxair-Fusion

„Ausgewogenheit muss erhalten bleiben“

Linde und Praxair haben Grundzüge für ihre geplante 61 Milliarden Euro schwere Fusion vereinbart. Der Name Linde bleibt, das Top-Management soll zu gleichen Teilen besetzt sein. An die Spitze rückt aber ein Amerikaner.

Über einen Aktientausch sollen die bisherigen Aktionäre an dem zusammengeschlossenen Konzern jeweils 50 Prozent halten. Reuters

Linde

Über einen Aktientausch sollen die bisherigen Aktionäre an dem zusammengeschlossenen Konzern jeweils 50 Prozent halten.

MünchenLinde und Praxair haben sich auf die Eckpunkte für den geplanten Zusammenschluss zum weltgrößten Gasekonzern geeinigt. Bei der geplanten Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair will Linde-Chef Aldo Belloni in den Detailverhandlungen genau auf die Linde-Interessen pochen. „Wir müssen Pflöcke einbauen, dass die Ausgewogenheit erhalten bleibt“, betonte Belloni im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Zusammenschluss sei für Linde der richtige Weg. „Mit diesem Schritt kommen wir in eine andere Liga und machen die Firma zukunftsfest.“

Die beiden Unternehmen hatten sich auf Eckpunkte für einen Zusammenschluss zum weltgrößten Gasehersteller der Welt geeinigt. Praxair-Chef Steve Angel soll den neuen Gesamtkonzern aus den USA heraus führen. Die Führung soll aber zu gleichen Teilen aus Vertretern von Linde und Praxair bestehen. Zudem sollen am Linde-Standort München wichtige Zentralfunktionen angesiedelt werden.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen ist eine Verselbstständigung der Anlagenbausparte von Linde fest geplant. Ein schneller Verkauf oder Börsengang ist aber offensichtlich nicht geplant. Belloni sagte zu dem Thema lediglich: „Der Anlagenbau wird in der Familie bleiben.“ In Industriekreisen wurde aber betont, dass Linde auf lange Sicht nicht die Mehrheit halten müsse.

Über einen Aktientausch sollen die bisherigen Aktionäre an dem zusammengeschlossenen Konzern jeweils 50 Prozent halten, teilten die Münchner am Dienstag mit. Linde-Aufsichtsratschef sicherte sich den entsprechenden Posten auch für die neue Holding, Praxair-Chef Steve Angel wird der neue CEO des Konzerns.

Die weltweit größten Industriegasekonzerne

Air Liquide

Die Franzosen wurden mit dem Kauf des US-Konkurrenten Airgas zuletzt wieder zum größten Industriegaseunternehmen der Welt.

Umsatz: 21,2 Milliarden Euro

Gewinn: 1,8 Milliarden Euro (ohne Airgas)

Marktpräsenz: 80 Länder

Mitarbeiter: 68.000

Hauptsitz: Paris

Linde

Umsatz: 18 Milliarden Euro

Gewinn: 1,15 Milliarden Euro

Marktpräsenz: 100 Länder

Mitarbeiter: 64.500

Hauptsitz: München

Praxair

Umsatz: 10,8 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro)

Gewinn: 1,68 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro)

Marktpräsenz: 50 Länder

Mitarbeiter: 26.000

Hauptsitz: Danbury, Connecticut

Air Products

Umsatz: 9,9 Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro)

Gewinn: 1,43 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro)

Marktpräsenz: 50 Länder

Mitarbeiter. 19.000

Hauptsitz: Allentown, Pennsylvania

Das übrige Top-Management solle zu gleichen Teilen mit Vertretern der Amerikaner und der Bayern setzt werden. Der Unternehmensname bleibe Linde, auch wenn Angel seinen Dienstsitz weiter in Danbury im US-Bundesstaat Connecticut haben soll. Die Zentralfunktionen sollen auf beide Seiten des Atlantiks aufgeteilt werden.

Zusammen kommen Linde und Praxair als neuer Weltmarktführer vor dem französischen Erzrivalen Air Liquide auf einen Umsatz von 28 Milliarden Euro und eine Gesamtbewertung von 61 Milliarden Euro. Die jährlichen Synergien veranschlagten die beiden Firmen auf eine Milliarde Dollar. Die neue Holding werde in New York als auch in Frankfurt gelistet sein, ihr rechtlicher Sitz soll in einem neutralen Land des Europäischen Wirtschaftsraums liegen.

„Der strategische Zusammenschluss von Linde und Praxair würde die Stärken beider Unternehmen kombinieren, die globale Präsenz stärken, und dazu ein robusteres Portfolio schaffen, das von langfristigen Wachstumstrends profitieren würde“, lobte Angel. „Diese Fusion schafft Werte. Dies ist ein strategischer Schritt, der eine robuste Bilanz und einen starken Cashflow schaffen würde und so die notwendige finanzielle Flexibilität ermöglichen kann, die wir brauchen, um in unsere Zukunft zu investieren“, sekundierte Linde-Übergangschef Aldo Belloni.

Für die 8000 deutschen Linde-Beschäftigten hatte das Unternehmen mit Betriebsrat und Gewerkschaften bereits eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2021 für den Fall einer Fusion vereinbart. Betriebsbedingte Kündigungen wären ausgeschlossen, der in Deutschland geplante Stellenabbau würde bei einem Zusammenschluss mit Praxair deutlich reduziert und der Standort Dresden nicht geschlossen.

Linde und Praxair: Reitzles Spiel mit hohem Einsatz

Linde und Praxair

Reitzles Spiel mit hohem Einsatz

Bei den Verhandlungen mit Praxair hat Linde-Chefaufseher Wolfgang Reitzle ein respektables Ergebnis erzielt. Doch für den Münchener Dax-Konzern bleibt ein ungutes Gefühl. Ein Kommentar.

Die neue Linde-Holding soll in New York als auch in Frankfurt notiert bleiben. Linde strebt die Aufnahme in einen der Dax-Indizes an. Sollte der Haupthandel mit den neuen Aktien allerdings in Übersee über das Börsenparkett gehen, müsste sich das Dax-Gründungsmitglied mit dem Abstieg aus der ersten deutschen Börsenliga abfinden.

Die beiden Unternehmen planen nun so schnell wie möglich, die Vereinbarung in bindende Verträge umzusetzen. Ein Zusammenschluss stehe unter den üblichen Vorbehalt der Behörden. Dabei dürfte Linde eine eingehende Prüfung der Kartellbehörden ins Haus stehen. Experten erwarten, dass sich das neue Unternehmen ähnlich wie bei der Übernahme der britischen BOC vor einigen Jahren aus mehreren Märkten zumindest teilweise zurückziehen muss. Der erste Fusionsanlauf im Sommer war insbesondere an Standort- und Machtfragen gescheitert.

Die Arbeitnehmer bei Linde sehen die geplante Fusion weiterhin skeptisch. Der Konzernbetriebsratschef und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Dieter Katte sagte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur, der Sitz der neuen Gesellschaft und die genauen Rechte der Arbeitnehmervertreter seien noch zu klären. „Hier sehen wir erhebliches Spannungspotenzial.“

Viele Beschäftigte sorgen sich, ob bei einer Fusion die deutsche Mitbestimmung verloren geht und eine andere Firmenkultur Einzug hält. „Einzelne Punkte betrachten wir nach wie vor sehr kritisch“, sagte Katte. Er betonte, dass der Beschluss zu den Eckpunkten einer Fusion „noch keine Zustimmung zu einer finalen Transaktion seitens der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat darstellt, sondern lediglich zu einer weiteren ergebnisoffenen Prüfung führt“.

Kommentare (2)

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Herr J. Teufel

20.12.2016, 15:51 Uhr

Mannesman weg
Linde weg,
6 % aller Dax-Firmen gehören im Schnitt Blackrock

Bayer wird mit dem Monsanto BARKAUF so ausgenommen, dass die Amies mit diesem BAREM die Unternehmensaleihen des Gesamtkonzerns bei den Banken gleich zurückkaufen können und die Herren des Gesamtkonzerns werden.

Deutschland im Ausverkauf ...

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Account gelöscht!

20.12.2016, 17:32 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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