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01.06.2017

21:00 Uhr

Linde nach der Fusion mit Praxair

Zurück zu alter Konsensstärke

VonAxel Höpner

Die Megafusion von Linde und Praxair ist – trotz aller Widerstände von Arbeitnehmerseite – beschlossene Sache. Nun müssen in München wieder alle an einem Strang ziehen. Ein Kommentar.

Bei der Fusion mit Praxair hat sich der Linde-Aufsichtsratsvorsitzende durchgesetzt – es war sein Großprojekt. dpa

Wolfgang Reitzle

Bei der Fusion mit Praxair hat sich der Linde-Aufsichtsratsvorsitzende durchgesetzt – es war sein Großprojekt.

DüsseldorfDer Streit um die Fusion mit Praxair hat bei Linde tiefe Wunden gerissen. Im Gasekonzern dominierte über Jahrzehnte die Harmonie, kaum einmal drang ein Streit nach außen. In den vergangenen anderthalb Jahren hat sich das radikal geändert. Einzelne Fraktionen bekämpften sich, der Vorstandschef und der Finanzvorstand mussten gehen, auch der lange so erfolgreiche „Mister Linde“ Wolfgang Reitzle machte Fehler und trug Blessuren davon.

Doch in Sachen Fusion hat er sich fürs erste durchgesetzt, wie am Donnerstagabend bekannt wurde. Die Eigentümer wünschten den Zusammenschluss mit Praxair – und sie werden ihn nun wohl bekommen, wenn die Kartellbehörden nicht noch ihr Veto einlegen. Großfusionen bergen enorme Risiken, das lehrt die Geschichte. Doch Linde und Praxair haben zumindest eine gute Chance. Es schließen sich zwei starke Unternehmen zusammen, die industrielle Logik des Deals ist nachvollziehbar.

Doch müssen bei Linde nun Fusionsbefürworter und Skeptiker aufeinander zugehen und die Gräben zuschütten. Nur, wenn das Unternehmen befriedet wird, kann die Linde-Seite im neuen Großkonzern eine starke Rolle spielen.

Zur Eskalation haben beide Seiten beigetragen. Die Linde-Führung dachte, sie hätte die Arbeitnehmerseite im Dezember mit Job-Garantien ins Boot geholt. Doch eine grundsätzliche Zustimmung zur Fusion wurde damals nicht festgeschrieben. So gingen Betriebsräte und Gewerkschaften später auf Konfrontationskurs, obwohl sie den Fusionsverhandlungen zugestimmt hatten. Die Arbeitnehmer fürchteten weniger Mitbestimmung und weiteren Stellenabbau.

Die Kritik ist verständlich, doch wurde die Auseinandersetzung teilweise zu hart geführt. Vom größten Skandal in der Wirtschaftsgeschichte war bei einer Demonstration gar die Rede, Reitzle wurde immer wieder persönlich angegriffen.

Nun sollte die Sacharbeit im Vordergrund stehen. Die Arbeitnehmer sollten versuchen, das beste aus der Situation zu machen und den weiteren Prozess mitzugestalten – selbst, wenn manch einer heimlich hoffen mag, dass die Fusion noch an Kartellproblemen oder an zu wenig umtauschwilligen Investoren scheitert. Und die Linde-Führung sollte auf die Arbeitnehmer zugehen und sie einbinden. Linde muss sich auf alte Tugenden besinnen – und zu alter Konsensstärke zurückfinden.

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