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20.12.2016

16:53 Uhr

Linde und Praxair

Reitzles Spiel mit hohem Einsatz

VonAxel Höpner

Bei den Verhandlungen mit Praxair hat Linde-Chefaufseher Wolfgang Reitzle ein respektables Ergebnis erzielt. Doch für den Münchener Dax-Konzern bleibt ein ungutes Gefühl. Ein Kommentar.

Der Aufsichtsratschef hat einen sehr hohen Einsatz auf die Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair zum weltgrößten Gasekonzern. picture alliance / SvenSimon

Wolfgang Reitzle

Der Aufsichtsratschef hat einen sehr hohen Einsatz auf die Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair zum weltgrößten Gasekonzern.

MünchenDie Fusionsverhandlungen mit Praxair hat Linde nicht gerade aus einer Position der Stärke heraus geführt. Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hatte einen sehr hohen Einsatz auf die Fusion mit dem US-Konkurrenten zum weltgrößten Gasekonzern mit 28 Milliarden Euro Umsatz gesetzt. Nach dem Rauswurf des Finanzvorstands Georg Denoke und dem Rücktritt von Vorstandschef Wolfgang Büchele holte er den Pensionär Aldo Belloni als Chef zurück.

Das war bewusst eine Übergangslösung, bis die Fusion mit Praxair über die Bühne gegangen ist. Bei einem Scheitern des Zusammenschlusses, der noch immer möglich ist, stünde Reitzle vor einem Scherbenhaufen. Keine guten Voraussetzungen für Verhandlungen mit einer starken und selbstbewussten Gegenseite.

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„Ausgewogenheit muss erhalten bleiben“

Linde und Praxair haben Grundzüge für ihre geplante 61 Milliarden Euro schwere Fusion vereinbart. Der Name Linde bleibt, das Top-Management soll zu gleichen Teilen besetzt sein. An die Spitze rückt aber ein Amerikaner.

Am Dienstag nun einigten sich beide Seiten auf ein Eckpunktepapier für die Fusion. Die neue Holding soll einem „neutralen“ Mitgliedsland des Europäischen Wirtschaftsraums sitzen, der Vorstandschef in den USA. Das Bewertungsverhältnis liegt bei 50:50.

Angesichts der schwierigen Ausgangslage kann sich das Ergebnis für Reitzle zumindest sehen lassen – was übrigens auch den Arbeitnehmervertretern zu verdanken ist. Zwar wird der neue Konzern de facto zu großen Teilen aus den USA heraus geführt werden. Das kommt nicht überraschend, schließlich ist nicht nur Reitzle davon überzeugt, dass Praxair glänzend geführt wird.

Doch versinkt der Standort München nicht in der Bedeutungslosigkeit. Linde soll die Hälfte der Vorstände stellen, einige Funktionen sollen von München aus geführt werden. In den nächsten Jahren wird es zudem in Deutschland keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Und manch einer wird sich freuen, dass der Traditionsname Linde erhalten bleibt.

Die weltweit größten Industriegasekonzerne

Air Liquide

Die Franzosen wurden mit dem Kauf des US-Konkurrenten Airgas zuletzt wieder zum größten Industriegaseunternehmen der Welt.

Umsatz: 21,2 Milliarden Euro

Gewinn: 1,8 Milliarden Euro (ohne Airgas)

Marktpräsenz: 80 Länder

Mitarbeiter: 68.000

Hauptsitz: Paris

Linde

Umsatz: 18 Milliarden Euro

Gewinn: 1,15 Milliarden Euro

Marktpräsenz: 100 Länder

Mitarbeiter: 64.500

Hauptsitz: München

Praxair

Umsatz: 10,8 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro)

Gewinn: 1,68 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro)

Marktpräsenz: 50 Länder

Mitarbeiter: 26.000

Hauptsitz: Danbury, Connecticut

Air Products

Umsatz: 9,9 Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro)

Gewinn: 1,43 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro)

Marktpräsenz: 50 Länder

Mitarbeiter. 19.000

Hauptsitz: Allentown, Pennsylvania

Die Entscheidung für die Fusion ist auch aus deutscher Sicht grundsätzlich nachvollziehbar. Im Gasegeschäft spielen Größeneffekte eine wichtige Rolle. Mit Praxair und Linde schließen sich zwei starke Partner zusammen, die sich vor allem regional gut ergänzen. Das lässt hoffen, dass die Integration gelingt.

Eine Garantie gibt es dafür allerdings nicht. Schon viele Unternehmen haben die kulturellen Unterschiede zwischen den USA und Deutschland unterschätzt. Daimler-Chrysler ist nur der bekannteste Fall einer „Hochzeit im Himmel“, die mit Tränen endete.

Die Kombination von Praxair und Linde hat Chancen, eine der wenigen Erfolgsgeschichten unter den Großfusionen zu werden. Dennoch bleibt ein ungutes Gefühl. Es wäre besser gewesen, wenn Linde rechtzeitig seine operativen Hausaufgaben gemacht und eine überzeugende Zukunftsstrategie entwickelt hätte. Mit einem einigen Vorstand hätte es wohl Chancen gegeben, als der auch nach Börsenwert größere Partner in die Fusions-verhandlungen zu gehen.

Kommentare (1)

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20.12.2016, 17:01 Uhr

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