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17.06.2011

05:30 Uhr

Lipobay-Forderungen

US-Gerichtshof lässt Klage gegen Bayer zu

Im August 2001 musste der Konzern das Medikament Lipobay wegen tödlicher Nebenwirkungen vom Markt nehmen. Jetzt hat der Oberste Gerichtshof die Sammelklage gegen Bayer zugelassen. Das könnte Milliarden kosten.

Das Logo von Bayer. Quelle: Reuters

Das Logo von Bayer.

WashingtonBayer droht in den USA vor Gericht erneut Ungemach wegen eines vor rund zehn Jahren vom Markt genommenen Cholesterinsenkers. Der Oberste Gerichtshof der USA gab jetzt einer Sammelklage gegen den Leverkusener Konzern wegen des umstrittenen Blutfettsenkers Lipobay grünes Licht. Die Richter widerriefen damit eine Entscheidung eines US-Berufungsgerichts, die die Sammelklage im US-Bundesstaat West Virginia gegen das Leverkusener Unternehmen zuvor gestoppt hatte.

Bayer musste im August 2001 den Blutfettsenker wegen tödlicher Nebenwirkungen vom Markt nehmen. Früheren Angaben zufolge hatte sich Bayer danach mit mehr als 3.100 Klägern geeinigt und dafür 1,2 Milliarden Dollar gezahlt. Das Unternehmen hatte in diesem Zusammenhang wert auf die Feststellung gelegt, dass es sich bei dem Vergleich um kein Schuldeingeständnis gehandelt habe.

Richterin Elena Kagan begründete die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs unter anderem damit, dass das Berufungsgericht zuvor in seiner Ablehnung der Sammelklage seine Kompetenzen überschritten habe. Das auch als Baycol bekannte Präparat war mit 31 Todesfällen in Verbindung gebracht worden. Bayer hatte die Arznei in den Jahren 1997 bis 2001 vertrieben.

Bayer hatte sich bisher mit mehr als 3100 Klägern auf Vergleiche geeinigt und dabei 1,2 Mrd. Dollar gezahlt. Der Konzern legt jedoch wert darauf, dass es sich dabei um kein Schuldeingeständnis handelt und der Konzern bisher alle Gerichtsverfahren gewonnen habe.

Im September 2003 hatte Bayer einen aus damaliger Sicht bedeutenden Sieg im Rechtsstreit um Nebenwirkungen von Lipobay erzielt. Ein Bundesgericht im US-Staat Minnesota hatte einen Antrag auf eine US-weite Sammelklage gegen den Leverkusener Konzern abgelehnt. Allerdings war dieser Entscheid kein Befreiungsschlag für Bayer. Denn schon damals gab drohten auch in anderen US-Bundesstaaten weitere Sammelklagen.

Bayer hatte stets gesagt, dass Sammelklagen nicht angemessen seien, da die einzelnen Fälle zu unterschiedlich wären. Die unterschiedlichen Krankengeschichten und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln hätten in einer Sammelklage nicht berücksichtigt werden können.

Die Rücknahme von Lipobay hatte das Pharmageschäft von Bayer nicht nur in eine finanzielle und strategische Krise gestürzt - sie führte in den USA auch zu einer Welle von Schadenersatzklagen gegen die US-Tochter des Konzerns. Den ersten und damit wegweisenden Prozess gegen einen ehemaligen Lipobay-Patienten entschied Bayer im Frühjahr 2003 für sich. Das Gericht war der Argumentation gefolgt, der Konzern sei für die Nebenwirkungen nicht haftbar, da er auf Beipackzetteln vor den Nebenwirkungen gewarnt habe. Dieser erste Sieg schon hatte im Frühjahr bei Anlegern für Erleichterung gesorgt, da sie Schadenersatzzahlungen bis zu zehn Milliarden Dollar befürchteten.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

16.06.2011, 21:04 Uhr

Kein Wunder, die Diskriminierung ausländischer Anbieter
in den USA steigt ständig mit ihrer sinkender Wettbewerbs-fähigkeit. (Dies auch im Rahmen der demokratischen Un-abhängikeit ihrer Abgeordneten und Richter)

MaWo

17.06.2011, 08:41 Uhr

@ hhhhhh,
ganz im Gegensatz zu Deutschland. Hier stehen agressive und sich ansonsten hilflos darstellende Migranten unter politischen Schutz.

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