Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.04.2016

16:25 Uhr

Liveblog zum Dieselgate

VW schließt das Jahr mit Rekordverlust ab

Rekordverlust in Wolfsburg: Volkswagen muss erklären, wie die enormen Belastungen durch den Dieselskandal gestemmt werden sollen. Die wichtigsten Ereignisse in Wolfsburg im Handelsblatt-Liveblog zum Nachlesen.

dpa

Volkswagen-Werk Wolfsburg

Der Dieselskandal steuert auf einen vorläufigen Höhepunkt zu. In den USA hat sich der Konzern mit den Umweltbehörden Epa und Carb geeinigt. Heute legt der Aufsichtsrat fest, wie teuer der Skandal für die Wolfsburger werden könnte. Volkswagen muss für den Dieselskandal 16,2 Milliarden Euro in der Bilanz 2015 zurückstellt. Diese Summe erwartet der Konzern als Mehraufwand - etwa für Schadenersatz und Strafzahlungen. Unterm Strich steht ein Rekordverlust von 1,4 Milliarden Euro. Die Aktionäre müssen auf 96 Prozent der Dividende verzichten, die auf 17 Cent schrumpft. Und auch der Vorstand soll auf einen Teil seiner Bonuszahlungen verzichtet. Wer schuld am Dieselskandal ist, bleibt offen. Den Bericht der Kanzlei Jones Day hält der Konzern weiter zurück.

+++16:30 Uhr - Wolfsburg+++

Die Aufsichtsräte fahren mit ihren Phaetons davon. Die Folgen des Dieselskandals werden den Konzern noch einige Jahre in Atem halten. Als nächstes müssen die Details der Einigung mit den US-Behörden ausgearbeitet werden. Und auch auf die Ergebnisse des Jones-Day-Reports muss die Öffentlichkeit weiter warten. Auch wir machen uns langsam auf den Rückweg aus Wolfsburg.

+++16:10 Uhr - Wolfsburg+++

Die Fragerunde ist vorbei. Die Führungsriege wirkt erschöpft. Neben Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Aufsichtsrat Wolfang Porsche, haben auch Konzernchef Matthias Müller, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Betriebsratschef Bernd Osterloh Rede und Antwort gestanden. Die Verhandlungen haben Spuren hinterlassen. Auch beim Kurs: Während der Präsentation erleben die Aktionäre eine Achterbahnfahrt. Mittlerweile hat sich der Kurs auf etwa einem Prozent unter dem Vortagsniveau gefangen.

+++16 Uhr - Wolfsburg+++

Trotz eines Milliardenverlusts sind die VW-Vorstände nicht bereit, auf ihren Bonus zu verzichten. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil erklärt, dass die Vorstandsboni wegen des Dieselskandals um 30 Prozent gekappt werden. Dieser Bonus werde in Aktien umgewandelt und geparkt. Sollte der Aktienkurs nach drei Jahren über 25 Prozent steigen, bekommen die Vorstände sogar noch etwas mehr Bonus ausgezahlt. Nur bei einem schlechteren Aktienkurs müssen die Vorstände verzichten. Das sei die Lösung, auf die man sich geeinigt habe.

+++15:35 Uhr - Wolfsburg+++

Aufklärung im Dieselskandal ist heute allerdings nicht zu erwarten. Volkswagen lässt mitteilen, dass man sich zum Untersuchungsbericht der Kanzlei Jones Day noch nicht äußern wolle. Den für Ende April angekündigten Zwischenbericht zur Schuldfrage im Abgas-Skandal wolle man auf unbestimmte Zeit verschieben. Die Verzögerung hänge mit „unvertretbaren Risiken“ für den Konzern zusammen, weil sich mögliche Strafen gegen das Unternehmen mit einer Veröffentlichung erhöhen könnten.

+++15:30 Uhr - Wolfsburg+++

Immerhin sieht die Prognose für das kommende Jahr besser aus: Man erwarte 5 bis 6 Prozent als operativen Gewinn (vor Zinsen und Steuern). Die Fahrzeugverkäufe des Zwölf-Marken-Konzerns sollen auf Vorjahresniveau liegen - also bei knapp 10 Millionen Stück. „In Abhängigkeit von den konjunkturellen Rahmenbedingungen, insbesondere in Südamerika und Russland, der Wechselkursentwicklung und angesichts der Abgasthematik“ erwartet VW einen Umsatzminus von bis zu 5 Prozent.

+++15:15 Uhr - Stuttgart+++

Auch in Schwaben zeigt der Rekordverlusts Wirkung: Der VW-Hauptaktionär Porsche SE ist entsprechend seiner Kapitalbeteiligung vom Verlust bei Volkswagen im vergangenen Jahr betroffen. Vor Steuern falle ein Fehlbetrag von 456 Millionen Euro an, teilten die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Holding am Freitag mit. Der Jahresüberschuss werde dank der im Geschäftsjahr 2015 vereinnahmten Dividende der Volkswagen AG für 2014 voraussichtlich aber 871 Millionen Euro betragen.

+++15 Uhr - Wolfsburg+++

Die Adhoc-Mitteilung kommt, während Dobrindt in Berlin den KBA-Bericht präsentiert: Volkswagen hat den größten Verlust der Firmengeschichte eingefahren. Die Wolfsburger wiesen für 2015 einen Betriebsverlust von 4,1 Milliarden Euro aus. Hauptrund seien Rückstellungen von 16,2 Milliarden Euro, um die Lasten des Skandals zu schultern. Im Vorjahr hatte ein operativer Gewinn von 12,7 Milliarden Euro zu Buche gestanden. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro an, nach dem deutschen HGB-Bilanzstandard sogar von 5,5 Milliarden Euro. Trotz des Milliardenverlusts soll eine Dividende von 11 Cent pro Stammaktie und 17 Cent pro Vorzugsaktie gezahlt werden. Denn trotz aller Dieselprobleme arbeitet der VW-Konzern hochprofitabel: Operativ haben die Wolfsburger einen Gewinn von 12,8 Milliarden Euro erwirtschaftet, rechnet man die Folgen des Dieselskandals nicht mit ein.

+++14 Uhr - Wolfsburg+++

Man lässt sich Zeit: Während Nachrichten über einen neuen Rückruf rasant verbreiten, tagt der Aufsichtsrat weiter. Bisher ist nur ein zusätzliches Mikrofon hinzugekommen. Wer ist der zusätzliche Mann?

+++13:15 Uhr - Berlin+++

Im Justizministerium will man den deutschen Kunden keine Hoffnung auf eine große Entschädigung machen. „In den USA haben wir es mit anderer Rechtslage zu tun“, erklärte ein Sprecher des Bundesjustizministeriums mit Blick auf die Zusage des Konzerns, den betroffenen VW-Kunden in den USA umfangreiche Entschädigungen zu leisten. „Und deswegen ist es etwas schwierig, jetzt hier unmittelbare Rückschlüsse auf die Situation in Deutschland zu ziehen.“

+++12:30 Uhr - Wolfsburg+++

Der Aufsichtsrat lässt auf sich warten. Die versammelte Presse vertreibt sich die Zeit mit einem Produkt aus dem VW-Konzern, das noch nie zurückgerufen werden musste: der konzerneigenen Currywurst.

+++11:50 Uhr - Düsseldorf+++

Nach der Einigung in den USA fordern Politiker, auch deutsche Kunden entsprechend zu entschädigen. „Die Ungleichbehandlung deutscher Kunden muss ein Ende haben“, erklärt der nordrhein-westfälische Justizminister Thomas Kutschaty (SPD). Und auch die Grünen bringen sich in Stellung. Jürgen Trittin fordert ebenfalls eine Entschädigung auf US-Niveau. Dort sollen Kunden im Schnitt mit 5000 Dollar für den Dieselbetrug kompensiert werden.

+++11:30 Uhr - Wolfsburg+++

Noch sind die Stühle leer. Die Journalisten stehen vor vier Mikrofonen. Erwartet werden Aufsichtsratschef-Chef Pötsch, -Konzernchef Müller, Betriebsratschef Osterloh und Niedersachsens Ministerpräsident Weil.

+++10:45 Uhr - Wolfsburg+++

Für den Werkschutz ist das Medieninteresse inzwischen Routine. Europas größter Autobauer versorgt die Presse in einem Pförtnerhäuschen mit Kaffee und belegten Brötchen. Das Interesse der Medien ist weiter groß – aber nicht mehr vergleichbar mit dem Beginn des Skandals. Ende September drängten sich die Journalisten vor dem Werkstor so dicht, das kaum noch Autos durchkamen.

+++10:30 Uhr - Wolfsburg+++

Der Volkswagen-Konzern will hier heute extrem vorsichtig agieren. Es seien nur Statements geplant. Fragen und Antworten seien nicht vorgesehen, heißt es.

Dieselgate: VW kauft sich Zeit und verliert viel Geld

Dieselgate

VW kauft sich Zeit und verliert viel Geld

Die gute Nachricht: Autobauer Volkswagen hat im Abgas-Skandal eine Grundsatzeinigung mit dem US-Justizministerium und damit einen wichtigen Erfolg erzielt. Die schlechte: Es wird teuer werden.

+++10:00 Uhr - Wolfsburg+++

Die Sitzung scheint inzwischen zu laufen. Bis es Ergebnisse gibt, dürfte aber noch eine Weile dauern. Die zahlreichen Journalisten sollen frühestens um elf Uhr auf das Gelände und ins Pressezentrum gelassen werden. Vor 11.30 Uhr wird es wohl kein Statement geben.

+++9:45 - Wolfsburg+++

Wer tritt nach der Sitzung vor die Presse? Das ist noch nicht sicher. Laut eines VW-Sprechers äußert sich entweder Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch oder Vorstandschef Matthias Müller. Womöglich stellen sich auch beide gemeinsam der Öffentlichkeit.

+++9:30 - Wolfsburg+++

Nach und nach treffen immer mehr Journalisten ein. Ein Fernsehteam von n-tv hatte sich schon in den Morgenstunden vor dem Werkstor postiert. Inzwischen sind auch Reporter vom norddeutschen Rundfunk und von N24 da. Die Journalisten müssen sich aber noch gedulden. Die Aufsichtsräte haben ihre Sitzung später begonnen. Ein Sprecher nennt den Grund: Die Vorgespräche am Donnerstagabend dauerten bis tief in die Nacht.

+++8:30 Uhr - Wolfsburg+++

Erste Rechnungen werden aufgestellt, wie hoch die Rückstellungen ausfallen könnten. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von einer Summe zwischen 16 und 17 Milliarden Euro, die in die Bilanzen eingestellt werden muss. Zusätzlich zu den im dritten Quartal bereits zur Seite gelegten 6,7 Milliarden Euro würden weitere zehn Milliarden Euro nötig, um die Lasten der Abgasmanipulationen zu schultern, sagte eine Person mit Kenntnis der Zahlen. Damit würde wohl der größte Verlust in der Unternehmensgeschichte anfallen.

+++8 Uhr - Wolfsburg+++

Die mächtigen Männer kamen früh. Schon vor halb acht am Morgen mischten sich die ersten schwarzen Limousinen in die Schlange der ankommenden Mitarbeiter vor dem Wolfsburger Werkstor. Die großen Autos mit den getönten Scheiben waren auf dem Weg zu der Versammlung, die an diesem Freitag über die Zukunft von Europas größtem Autobauer berät.

In der Zentrale des Volkswagen-Konzerns diskutieren die Aufsichtsräte den Jahresabschluss. Es geht um die Frage, wie viel Mehrausgaben das Unternehmen für den Abgasskandal erwartet. Insidern zufolge rechnet VW mit Rückstellungen zwischen zehn und 20 Milliarden Euro.

Am Abend vor der Aufsichtsratssitzung herrschte eine gespenstische Ruhe in der Stadt. „Die Stimmung ist nach wie vor bedrückt“, sagte ein Taxifahrer. Seit Monaten schon kämen kaum noch Berater, externe Entwickler oder Leiharbeiter in die Stadt. Man merke die Auswirkungen des Dieselskandals. „VW muss sparen.“

In den wenigen Kneipen in der Stadt war aber auch ein Hauch von Hoffnung zu spüren, nachdem sich der Autobauer zuvor mit den US-Behörden geeinigt hatte. Die Nachricht habe im Unternehmen für eine gewisse Erleichterung gesorgt, sagte ein Konzernmitarbeiter beim Feierabendbier. Endlich gebe es ein wenig Klarheit.

Die Konzernführung hatte nach Bekanntwerden des Dieselskandals viele Budgets gestrichen. Handwerker, die Tische montieren oder Computer und Telefone umstecken, hätten kaum noch Aufträge erhalten. Es herrschte eine große Verunsicherung. Die soll mit der Aufsichtsratssitzung am Freitag zumindest kleiner werden.

Nach der Grundsatzeinigung mit dem US-Justizministerium soll VW rund 580.000 betroffenen Autofahrern in den USA eine „substanzielle Entschädigung“ zahlen und außerdem bis zu einer halben Million Fahrzeuge zurückkaufen, wenn keine technische Lösung gefunden wird. (...)

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rainer von Horn

22.04.2016, 15:34 Uhr

Ab 2019 dürfen hier in Europa wahrscheinlich nur noch diese ICars von Apple neu zugelassen werden, denn die werden wohl die superstrengen Abgasnormen der EU erfüllen können. Und natürlich das Google Driveless Var von Alphabet.

Alles andere wird wohl verboten werden - so ie Atomkraftwerke.

Herr Herbert Maier

22.04.2016, 15:58 Uhr

Das Wichtigste ist jetzt sicher für Volkswagen, schnellstens Begründungen für die Aktionäre auszuarbeiten, wenn nicht schon geschehen. Und zwar dafür, dass dieser Verlust bedauerlich, jedoch nur eine von äußeren Umständen verursachte einmalige Sonderbelastung ist. Und dass deswegen negative Konsequenzen für Bonuszahlungen an den Vorstand sachfremd wären, die eher schaden als nützen würden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×