Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.04.2006

13:50 Uhr

Lizenz für Inkontinenzmittel

Schwarz Pharma einigt sich gütlich mit Pfizer

Monatelang hatten sich Schwarz Pharma und der US-Konzern Pfizer um ein wichtiges Inkontinenzmittel der Deutschen gestritten. Es ging um eine angebliche Patentverletzung. Nun haben sich die Unternehmen versöhnt und wollen das Produkt gemeinsam vermarkten. Die Schwarz-Pharma-Aktie schnellte in die Höhe.

HB FRANKFURT. „Mit den zufließenden Mitteln werden wir unsere Entwicklungs-Pipeline ausbauen und verstärken,“ erklärte Schwarz-Pharma-Chef Patrick Schwarz-Schütte am Donnerstag. Für die weltweiten Lizenzrechte an dem Inkontinenzmittel Fesoterodin erhalten die Monheimer zunächst 100 Mill. Dollar (82 Mill. Euro) von Pfizer. Hinzu kämen weitere erfolgsabhängige Zahlungen – so genannte Meilensteinzahlungen – von bis zu 110 Mill. Dollar, die unter anderem von der Zulassung des Präparats in den USA und in Europa abhängig seien. Schwarz Pharma erhalte zudem eine Umsatzbeteiligung an Fesoterodin und an dem Pfizer-Inkontinenzmittel Detrol. Die US-Kartellbehörden müssen der Vereinbarung noch zustimmen.

Analysten äußerten sich positiv. „Da Fesoterodin vor allem bei Allgemeinärzten vermarktet wird, macht es eine Menge Sinn, das Produkt an einen großen Mitspieler wie Pfizer auszulizenzieren“, kommentierte die Münchener Bank HVB. Dadurch werde das Marktpotenzial des Mittels maximiert. Die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein stuften die Schwarz-Pharma-Aktie von „add“ auf „buy“ hoch und erhöhten ihr Kursziel von 75 auf 90 Euro. Die Schwarz-Pharma-Aktie schnellte kurz nach der Ankündigung der Zusammenarbeit um fast 14 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 71,95 Euro in die Höhe.

Fesoterodin ist einer der wichtigsten Medikamentenkandidaten des Monheimer Unternehmens. Ende März hatte Schwarz Pharma die Zulassung für Fesoterodin in den USA und Europa beantragt. Die Pharmafirma traut dem Inkontinenzmittel einen jährlichen Spitzenumsatz von 450 Mill. Euro weltweit zu. Nach Angaben von Schwarz Pharma leiden rund 10 Prozent der Bevölkerung im Alter von mehr als 40 Jahren und dabei überwiegend Frauen unter ständigem Harndrang und unkontrollierter Blasenentleerung.

Mit der Vereinbarung wird auch ein Patentstreit zwischen beiden Unternehmen beendet. Pfizer hatte vergangenes Jahr eine Patentverletzungsklage in Großbritannien gegen Schwarz Pharma eingereicht. Der US-Konzern hatte den Monheimern vorgeworfen, mit Fesoterodin Pfizer-Patente für deren Mittel Detrol zu verletzen. Schwarz Pharma hatte allerdings erklärt, sich in einer soliden Position zu sehen und seine Rechte entschlossen zu verteidigen.

Branchenkreisen zufolge könnte das Mittel Ende 2007 in Europa und in den USA auf den Markt kommen. „Das ist durchaus eine realistische Vorstellung, aber letztendlich ist das eine Sache der Behörden“, sagte eine Schwarz-Pharma-Sprecherin.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×