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19.09.2012

14:30 Uhr

Lkw-Allianz mit MAN

Scania pocht auf seine Eigenständigkeit

Die Allianz mit MAN hat für Scania einige Vorteile. Gleichzeitig aber will man die beiden Marken strikt getrennt halten. Ein gemeinsames Händlernetz oder Service-Center soll es nicht geben, so Scania-Chef Lundstedt.

Das Logo der Volkswagen-Tochter Scania auf einem Lkw. dpa

Das Logo der Volkswagen-Tochter Scania auf einem Lkw.

HannoverDer Nutzfahrzeughersteller Scania pocht in der von Großaktionär Volkswagen geschmiedeten Allianz mit dem Rivalen MAN auf seine Eigenständigkeit. "Die Kooperation mit MAN und dem VW-Konzern bietet uns neue Möglichkeiten, aber wir müssen immer auf unserer eigenen Kundenbasis aufbauen", sagte der seit Monatsbeginn amtierende Vorstandschef Martin Lundstedt auf der Nutzfahrzeugmesse IAA in Hannover. "Wir können mit MAN Bauteile wie Achsen oder elektrische Komponenten gemeinsam nutzen, wir können auch zusammen Forschung und Entwicklung betreiben und die gleichen Zulieferer nutzen." Scania gehe dieses Thema "pragmatisch" an. "Aber wir müssen sehr vorsichtig sein, keine der Marken zu beschädigen", unterstrich Lundstedt. "Deshalb wird es weder ein gemeinsames Händlernetz noch gemeinsame Service-Center mit MAN geben."

VW erhofft sich von einer engeren Zusammenarbeit der beiden Lkw-Töchter mit der Transportersparte große Kostenvorteile. Lundstedts Vorgänger an der Scania-Spitze, Leif Östling, war lange ein Kritiker des Bündnisses. Seit Anfang des Monates verantwortet er nun das gesamte Nutzfahrzeuggeschäfte von VW und muss dafür sorgen, dass der Wolfsburger Konzern im Wettstreit mit den größeren Konkurrenten Daimler und Volvo aufholt. Mit rund 426.000 im vergangenen Jahr verkauften Lkw ist Daimler rund doppelt so groß wie MAN und Scania zusammen. Scania gilt als profitabelster Nutzfahrzeughersteller der Welt, MAN ist vor allem Südamerika stark vertreten, VW verkauft seine Nutzfahrzeuge vor allem in Europa.

Weiteres Wachstum versprechen sich die Lkw-Bauer vor allem in den Schwellenländern, deren Volkswirtschaften stark wachsen. Daher nimmt der Transportbedarf dort zu. Für eine Expansion nach China sieht der auf Schwer-Lkw spezialisierte Scania-Konzern die Zeit aber noch nicht reif: "Auf absehbare Zeit sehe ich keine Notwendigkeit für eine Produktionsstätte in China", sagte Lundstedt. Scania sei weltweit "gut" vertreten. "Scania wird in aufstrebenden Ländern wachsen, wie China: Deren Transportsysteme müssen sich weiter entwickeln." Deren Effizienz sei deutlich geringer im Vergleich etwa zu Europa.

Der wegen der Staatsschuldenkrise schwache europäische Lkw-Markt gehe derzeit durch "eine Phase der Konsolidierung", sagte Lundstedt. Die Lieferzeiten seien kurz, Scania könne die nächsten sechs bis acht Wochen bei der Auftragslage gut überschauen, sagte Lundstedt. Kürzungen bei der Belegschaft stünden derzeit nicht auf der Tagesordnung: "Wir haben nicht die Absicht, uns von befristeten Arbeitskräften zu trennen", sagte Lundstedt. Das Unternehmen sei mit seinem globalen Produktionsnetzwerk aber "sehr flexibel".

Die ab 2014 in Europa gültige Abgasnorm Euro Sechs könne bei Scania für eine Belebung des Fahrzeugabsatzes sorgen. Um die alternde Fahrzeugflotte in Europa zu erneuern, sollten den Käufern von Fahrzeugen mit Euro-Sechs-Motor finanzielle Vorteile - etwa bei der Maut - gewährt werden, sagte Lundstedt. Bei Scania koste ein Truck mit Euro-Sechs-Antrieb rund 10.000 Euro mehr als das Vorgängermodell mit Euro-Fünf-Motor.

Von

rtr

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